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Nathanael Bank hat es vom Streckenposten zum Chef des Radklassikers geschafft.

Radrennen "Frankfurt-Eschborn"

Strippenzieher für den 1. Mai

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Nathanael Bank ist der Cheforganisator für Frankfurts Radklassiker, der heute "Frankfurt-Eschborn" heißt.

Diese Woche wird für Nathanael Bank sicherlich stressiger als für viele andere. Der Wecker klingelt für den 30-Jährigen morgens um 5.30 Uhr. „Dann rattern die Gedanken“, sagt Bank. Der gebürtige Nordhesse ist der verantwortliche Projektleiter für die Radrennen am 1. Mai. Denn es gibt nicht nur das eine Rennen, sondern 17 Veranstaltungen unter dem Dach „Eschborn-Frankfurt“. Bank ist der Ansprechpartner für Streckenposten, Sponsoren, Caterer, Helfer, Kommunen, Polizei, Moderatoren. Da wird der Tag der Arbeit zum Programm. „Wenn es gut läuft, muss ich nicht hysterisch von A nach B rennen“, hofft der Organisator von Frankfurts Radklassiker.

Dabei ist es nur einer Laune der Gutenberg-Uni in Mainz zu verdanken, dass Bank überhaupt im Radsport gelandet ist. „Ich komme eigentlich vom Fußball und hatte es eher mit Ballsportarten“, gesteht er. Als dann die Uni in Mainz ihren Studenten das Seminar Veranstaltungsmanagement im Rahmen der Frauenfußball-WM 2011 anbot, war Bank gerne dabei. Und wunderte sich, als es auf einmal nicht mehr um die anstehende Frauen-WM, sondern um den City-Triathlon in Frankfurt gehen sollte. Da Bank eine „grundlegende hohe Sportbegeisterung“ mitbringt, half er also mit, den City-Triathlon 2010 zu organisieren. Schon bald ereilte die studentischen Mitarbeiter der Veranstaltung ein Hilferuf aus dem Taunus. Ob die Studenten denn nicht auch mithelfen könnten, das Radrennen am 1. Mai zu organisieren, fragte ein gewisser Bernd Moos-Achenbach an. Also befestigte der Sportstudent zwei Tage vor dem Rennen Streckenpfeile im Taunus.

Vom Sommer 2014 an gehörte Bank in Vollzeit zum Team von Moos-Achenbach, dem langjährigen Macher des Radrennens. „Mein erstes Rennen war dann die Absage“, erinnert sich Bank an das 2015 aus Sicherheitsgründen gestrichene Rennen. „Das war ernüchternd, um es vorsichtig auszudrücken.“ Der junge Veranstaltungsmanager arbeitete ein Dreivierteljahr, ohne am Ende eine Erfolgskontrolle oder ein Feedback dafür zu bekommen. „Dafür war die Nachbereitung intensiver, als wenn das Rennen stattgefunden hätte.“ Denn vor allem die Sponsoren hatten großen Redebedarf.

Im Februar zog das Team in die Otto-Fleck-Schneise

Die Arbeit für das seit 1962 ausgetragene Radrennen blieb für Bank auch in der Folge spannend. Erst übernahm die renommierte französische Amaury Sport Organisation (ASO) die eigens für das Frankfurter Radrennen gegründete Gesellschaft zur Förderung des Radsports, dann trat Bank in die Fußstapfen von Rennorganisator Moos-Achenbach. Für Bank bietet die Übernahme durch die ASO, die auch die Tour de France organisiert, viele Möglichkeiten. „Ich habe im vergangenen Jahr eine Einladung zum Radrennen Paris - Nizza erhalten, das ist schon spannend.“ Für den französischen Mutterkonzern wiederum ist das Frankfurter Projekt spannend. „17 Veranstaltungen an einem Tag, das ist wohl einzigartig“, betont Bank. Bei den meisten Events seien die Jedermann-Rennen schon Tage vor der Hauptattraktion.

Die Verzahnung der Rennen bedeutet für Bank und sein Team natürlich zusätzlichen Stress. „Manchmal wache ich nachts auf und mache mir Notizen im Handy.“ Vor allem die unterschiedlichen Veranstaltungsflächen beim Start in Eschborn und dem Ziel der Profis in Frankfurt bieten Potenzial für Fehler. So erinnert sich Bank daran, wie am Renntag vor zwei Jahren auf einmal vormittags der Siegerpokal für die Profis in Eschborn auftauchte. „Der musste dann natürlich schnell noch nach Frankfurt gefahren werden“, erinnert sich Bank, der sich für solche Botendienste auch nicht selbst zu schade ist und auch schon mal Verpflegungsbeutel für die Helfer von A nach B fährt. Doch zum Glück ist das Team um Bank deutlich größer geworden, nicht zuletzt weil die Frankfurter die ASO jetzt auch bei anderen deutschen Projekten unterstützen. Statt drei werkeln nun zehn Mitarbeiter am Gelingen des Frankfurter Radklassikers. Da die Räumlichkeiten in Bad Soden zu klein geworden waren, zog das Team in diesem Februar in die Otto-Fleck-Schneise nach Frankfurt.

Dort hat das Team die hektische Phase der Vorbereitung eingeläutet. „Im Frühjahr geht es mit den Deadlines los“, sagt Bank. Jetzt, so kurz vor dem Rennen, „gibt es viele kleine Puzzleteilchen, die noch an die richtige Stelle gebracht werden müssen.“ Da sei ein Zehn-Stunden-Tag ganz schnell erreicht. Vom 4. Mai an hofft Bank, wieder die Zeit zu finden, um sich selbst aufs Fahrrad zu setzen.

Denn das Radfahren ist für den Mainzer mittlerweile zu einem Hobby geworden. 2017 ist Bank das Jedermann-Rennen der Tour de France mitgefahren. 180 Kilometer, 3500 Höhenmeter. „Zwölfeinhalb Stunden habe ich gebraucht, und den Col d’Izoard habe ich das Fahrrad am Ende hochgeschoben“, bekennt der junge Vater. Seit sein Sohn im vergangenen Dezember geboren wurde, sind die Tage noch ein bisschen länger. Aber der Fahrradanhänger für gemeinsame Ausflüge ist schon gekauft. „Ab 4. Mai ist dafür hoffentlich wieder Zeit.“ Bis dahin wird der Wecker noch um 5.30 Uhr klingeln.

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