Kritik

Frankfurt: Streit um Zukunft der Wohngemeinschaft Bonameser Straße

  • Hanning Voigts
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Seit 1953 leben auf einem Platz an der Bonameser Straße Zirkusleute und Schrotthändler. Die Stadt will die Nutzung beenden und wird dafür in einem Offenen Brief scharf kritisiert.

Im Streit um die Zukunft der Wohngemeinschaft Bonameser Straße hat sich eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Verbandsvertretern mit deutlicher Kritik an der Frankfurter Stadtregierung zu Wort gemeldet. Die Bewohner der seit 1953 bestehenden Wohngemeinschaft würden in einer Stellungnahme des Magistrats vom November „als ordnungspolitisches Problem behandelt und kriminalisiert“, heißt es in einem offenen Brief, der bereits im Dezember an Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ging und der unter anderen von Adam Strauß vom Verband Deutscher Sinti und Roma, Joachim Brenner vom Förderverein Roma, Meron Mendel von der Bildungsstätte Anne Frank und dem Erziehungswissenschaftler Benjamin Ortmeyer unterzeichnet wurde.

Dem Magistrat fehle offenbar jede Sensibilität dafür, „dass die Bewohner*innen Nachkommen von Verfolgten des Naziregimes sind“, heißt es in dem Brief weiter. Ihre zum Teil lange Leidensgeschichte werde „ignoriert und übergangen“. Außerdem werde den Bewohnern pauschal unterstellt, ihre Umwelt zu vergiften, was „einer nationalsozialistischen Seuchen- und Ungeziefermetaphorik“ gefährlich nahekomme. Man fordere den Magistrat auf, „die Diskriminierung der Bewohner*innen anzuerkennen, ihre Probleme ernst zu nehmen und mit ihnen einen Dialog auf Augenhöhe einzugehen“.

Auf dem Platz an der Bonameser Straße waren von der Stadt seit 1953 Schausteller, Schrotthändler, Jenische sowie Sinti und Roma angesiedelt worden, zunächst in Wohnwagen, später in kleinen und teils selbst gebauten Eigenheimen. Die aktuellen Bewohner leben dort teilweise schon in der vierten und fünften Generation. Die Stadt will die Nutzung des Platzes als Wohnfläche langfristig beenden und hat deshalb auch eine Forderung des Ortsbeirats 9 abgelehnt, einen Runden Tisch zur Zukunft der Wohngemeinschaft einzurichten. Die Stadt begründet ihr Vorgehen damit, dass die aktuelle Nutzung des Platzes illegal sei und man daher keinen Entscheidungsspielraum habe. Donna Ochs von der SPD-Fraktion im Ortsbeirat hatte sich bereits im Dezember empört darüber gezeigt, dass die Stadt sogar einen Dialog ablehnt.

Die Unterzeichner des offenen Briefes fordern ebenfalls Gespräche. Eine Reaktion der Stadt war zunächst nicht zu erhalten.

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