Demo

Frankfurt: Streit um die Zukunft der Corona-Proteste

  • schließen

Bis zu 500 Menschen haben in Frankfurt gegen die Corona-Einschränkungen demonstriert. Der frühere Occupy-Aktivist Hajo Köhn will dem Unmut nun mit einer Kundgebung einen geordneteren Rahmen geben.

Nachdem am Samstag bis zu 500 Menschen unangemeldet in der Frankfurter Innenstadt gegen die Einschränkungen wegen der Coronavirus-Pandemie demonstriert haben, ist ein Streit um die Zukunft der Proteste entbrannt. Der frühere Occupy-Aktivist Hajo Köhn, der seit Jahren mit der Initiative „Neue Geldordnung“ in Frankfurt aktiv ist, will den Unmut in geordnetere Bahnen lenken. Er habe Sorge, dass berechtigte Bedenken vieler Bürger durch dubiose politische Akteure aufgegriffen würden und der Protest eskaliere, sagte der 67-jährige Rentner der Frankfurter Rundschau. „Ich will einen demokratischen Diskurs.“

Unter dem Motto „Hände weg vom Grundgesetz“ hat Köhn für Samstag, 16. Mai, 15 Uhr, eine Kundgebung auf dem Roßmarkt angemeldet. Die Kritik an den Einschränkungen, einer möglichen Corona-App und einer Impfpflicht sei berechtigt, sagt er. Die meisten Menschen, die am Samstag demonstrierten, hätten legitime Fragen und suchten nach Orientierung. Auf der Kundgebung sollten Schutzmasken getragen und auf die Einhaltung der Abstandsregeln geachtet werden.

Ärger mit Attac

Am Samstag hatten bis zu 500 Menschen ohne Anmeldung in der Innenstadt protestiert und dabei alle Hygienevorschriften missachtet. Die Polizei hatte die Demonstranten, die vor allem über Chatgruppen mobilisiert worden waren, gewähren lassen. Unter den Teilnehmern waren ältere Menschen und junge Familien, aber auch Impfgegner und Verschwörungstheoretiker. Mehrere Menschen trugen T-Shirts mit Wahlwerbung des US-Präsidenten Donald Trump, eine Frau die schwarz-weiß-rote Fahne des Deutschen Reiches.

Hajo Köhn, der ebenfalls an der Demonstration teilgenommen hatte, will nach eigenen Angaben verhindern, dass Rechte und Verschwörungstheoretiker die Bewegung dominieren. „Ich will nicht, dass solche Leute bestimmen“, sagt Hajo Köhn. Deshalb kämpfe er „um die Führung“.

Bei den Globalisierungskritikern von Attac sorgt Köhn, der selbst Attac-Mitglied ist und dort in einer Arbeitsgruppe zu Finanzthemen mitarbeitet, mit seinem Vorhaben für Unmut. Sollte er mit allen Teilen der diffusen neuen Protestbewegung kooperieren wollen, sei damit „klar eine Grenze überschritten“ sagte Attac-Sprecherin Frauke Distelrath der FR. Dafür sei „kein Platz bei Attac“. Man werde das Gespräch mit Köhn suchen.

Die Frankfurter Ortsgruppe der „Fridays for Future“ und das Netzwerk „Solidarisch trotz Corona“ kündigen derweil über Twitter bereits Proteste gegen eine mögliche nächste Demo gegen die Corona-Einschränkungen an. Es werde am kommenden Samstag antifaschistische Proteste geben, teilte „Solidarisch trotz Corona“ mit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare