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Frankfurt: Streit über neuen Mietspiegel

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Von: Christoph Manus

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Das gesamte Frankfurter Ostend gehört nun zum Gebiet, in dem Eigentümer:innen einen Mietzuschlag für zentrale Lage erheben können. Der Mieterverein „Mieter helfen Mieter“ kritisiert diese Änderung im Mietspiegel 2022 scharf.
Das gesamte Frankfurter Ostend gehört nun zum Gebiet, in dem Eigentümer:innen einen Mietzuschlag für zentrale Lage erheben können. Der Mieterverein „Mieter helfen Mieter“ kritisiert diese Änderung im Mietspiegel 2022 scharf. © Peter Jülich

Der neue Mietspiegel für Frankfurt, der am 1. Juni in Kraft tritt, stößt bei Mietervertretern auf Kritik. Falsch finden diese etwa die Erhöhung des Zuschlags für eine zentrale Lage.

Der Mieterverein „Mieter helfen Mietern“ zeigt sich unzufrieden mit dem neuen Frankfurter Mietspiegel. Er wirft der Stadt, die das Zahlenwerke mit Hilfe zweier Institute erstellt hat, vor, ihren Spielraum nicht ausreichend genutzt zu haben. Einem Mietspiegel, der im Schnitt Mietsteigerungen um fast zehn Prozent rechtfertige, habe der Verein nicht zustimmen können, sagte Sprecherin Conny Petzold am Dienstag der FR.

Der Mietspiegel tritt zum 1. Juni in Kraft. Die ortsübliche Vergleichsmiete, die mögliche Mieterhöhungen begrenzt, liegt nun im Schnitt bei 10,29 Euro pro Quadratmeter. Der ebenfalls auf repräsentativen Stichproben beruhende Mietspiegel 2018 hatte eine Nettokaltmiete von 9,36 Euro pro Quadratmeter ausgewiesen.

Mietervereine fordern: Bund soll Regeln zur Aufstellung von Mietspiegeln ändern

Der DMB-Mieterschutzverein Frankfurt, der dem Mietspiegel zustimmte, sieht angesichts der stark steigenden Vergleichsmiete den Bundesgesetzgeber in der Verantwortung. Dieser müsse etwa den Betrachtungszeitraum für deren Ermittlung von nun sechs auf zehn Jahre erhöhen, heißt es.

Auch „Mieter helfen Mietern“ hält Neuregelungen auf Bundesebene für erforderlich. Der Verein setzt sich dafür ein, dass alle Mietverhältnisse in die Bestimmung des Vergleichswerts einfließen, also nicht nur solche, bei denen in den vergangenen sechs Jahren die Miete verändert oder neu vereinbart wurde.

Verein „Mieter helfen Mietern“ sieht Verschlechterungen für Frankfurter Mieter:innen

„Mieter helfen Mietern“ wirft der Stadt vor, die Lage für Mieter:innen zu verschlechtern. Scharf kritisiert Petzold etwa die Erhöhung des Zuschlags für eine zentrale Lage, der jetzt bei 1,01 Euro pro Quadratmeter liege. Zudem wachse der Bereich, in dem Eigentümer:innen den Zuschlag erheben können, weiter. Nun gälten das ganze Ostend und Teile Bornheims als „zentrale Lage“ – also etwa Häuser an der Eissporthalle.

Massive Kritik am Mietspiegel äußern auch die Eigentümerverbände, die diesen in der Mietspiegelkommission allesamt ablehnten. Für den Verband der südwestdeutschen Wohnungswirtschaft nennt Geschäftsführer Axel Tausendpfund das Zahlenwerk einen „Zerrspiegel“, der der Vielfältigkeit des Markts nicht gerecht werde. Er kritisiert etwa, dass Vermieter:innen, die Wohnraum mit Augenmaß sanierten, keine Möglichkeit hätten, die Miete moderat anzupassen. Haus & Grund Frankfurt teilt diese Kritik. Und beklagt, Verbesserungsvorschläge der Verbände hätten bei der Arbeit am Mietspiegel zu wenig Gehör gefunden.

Der Mietspiegel sei nach allen Regeln der Wissenschaft erstellt worden, sagte Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD) am Dienstag der FR. Und betonte, dass es bei aller Kritik Grundkonsens unter den Beteiligten sei, dass ein qualifizierter Mietspiegel von großem Vorteil sei. Zur Kritik an den Zuschlägen verwies Gellert auf die erhobenen Daten. Aus diesen gehe etwa nicht hervor, dass Mieter:innen bereit seien, für einen höheren energetischen Standard höhere Mieten zu zahlen, sagte er.

Mehr zum Mietspiegel ist unter www.frankfurt.de/mietspiegel zu finden. Eine Beratung zum Mietspiegel ist jeweils von Montag bis Freitag, 10 bis 14 Uhr, möglich. Zu erreichen ist die Stabsstelle per E-Mail an mietspiegel@stadt-frankfurt oder unter 069 212 77 088.

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