Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

So breite Fahrradwege braucht es nicht.
+
So breite Fahrradwege braucht es nicht.

Verkehr

Frankfurt: Streit über Autobahnen

Das Bündnis Verkehrswende Frankfurt lässt die Frankfurter Direktkandidatinnen und -kandidaten vor der Bundestagswahl über die Verkehrswende diskutieren. Dem Publikum fehlt eine klare Linie in den Plänen der Parteien.

Vom geplanten Riederwaldtunnel bis hin zu neuen Spuren auf A3 und A5: Der Protest gegen Autobahnausbau in Hessen brodelt. Das Bündnis Verkehrswende Frankfurt fordert ein radikales Ende des Autobahnbaus und eine Einschränkung des motorisierten Individualverkehrs. Stattdessen wünscht sich der Zusammenschluss aus der Bürgerinitiative Riederwald, Frankfurt22, dem Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn, dem VCD Rhein-Main, dem BUND, Greenpeace und Attac den Vorrang für die Schiene.

Die Diskussion am Mittwoch, zu der das Bündnis fünf Frankfurter Politiker:innen ins DGB-Haus eingeladen hatte, zeigte Einigkeit unter allen Parteien – zumindest, was den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs angeht. Die Positionen zu Autobahnaus- und -neubau spiegelten dagegen die bundespolitischen Differenzen in Sachen Verkehrswende wider.

Bettina Wiesmann, die als CDU-Abgeordnete für den Wahlkreis 183 im Bundestag sitzt und wieder für das Direktmandat antritt, kommt demonstrativ mit ihrem Fahrradhelm auf die Bühne und vertritt folgend die Ansicht, man könne auf absehbare Zeit nicht auf den Autobahnausbau verzichten – beim Publikum eine hörbar unbeliebte Meinung. Dass der Verkehr in Deutschland seit dreißig Jahren konstant gut 160 Millionen Tonnen CO2 ausstößt, ist für sie ein Zeichen für Wirtschaftsaktivität. „Menschen haben ein Mobilitätsbedürfnis“, so Wiesmann. Man müsse Güter transportieren und Arbeitsplätze erreichen – dabei könnten aber E-Autos, Carsharing und ein ausgebauter ÖPNV helfen. Letzteren kostenfrei anzubieten, lehnt die CDU-Politikerin ab.

Anders Pearl Hahn, Stadtverordnete der Linken im Römer und Kandidatin für die Bundestagswahl auf der Landesliste ihrer Partei: Sie fordert den Nulltarif. Um in der Verkehrswende auf den Bau emissionsarmer Autos zu setzen, gäbe es nicht genügend Rohstoffe auf der Welt. Anstelle dessen fordert sie, den Bahn- statt Flugverkehr zu subventionieren.

Auch Deborah Düring, grüne Direktkandidatin im Wahlkreis 182, hält den Straßenausbau in Zeiten des Klimawandels nicht für verantwortbar: „Autobahnen bauen darf nicht so einfach sein“, erklärt sie wütend. Düring setzt auf den Bundesverkehrswegeplan. Die jetzt geplanten Autobahnen sollen die letzten sein, die ausgebaut werden. Auch um die 3000 Verkehrstoten jedes Jahr zu verhindern, will Düring die Rad- und Fußwege bis 2030 verdoppeln, außerdem ein 365-Euro-Ticket einführen. Die Stadt müsse offen sein für barrierefreie, frauenfreundliche Konzepte statt „Auto, Auto, Auto“.

Das 365-Euro-Ticket wünscht sich auch Kaweh Mansoori, der für die SPD im Wahlkreis 183 antritt. Er pflichtet Pearl Hahn bei: „Emissionsfreie Individualmobilität ist nicht, was wir brauchen.“ Der Schiene räumt er klaren Vorrang ein. Mansoori will den öffentlichen Raum zurückgewinnen, Autos sollen an der Stadtgrenze stehen bleiben, Bürger:innen auf Zug und Bus umsteigen können.

FDP-Politiker Thorsten Lieb, ebenfalls Direktkandidat im Wahlkreis 183, hält Autobahnen nicht wegen des Individualverkehrs, sondern für Warentransport für erforderlich. In der Stadt setzt er auf Streckenertüchtigung und -ausbau bei der Bahn, unterirdische Schienen würden neuen Raum schaffen, die Taktung könne zudem weitaus höher sein. Dafür möchte Lieb die Bahn privatisieren.

Das Publikum fragt sich, wie alle Vorhaben gleichzeitig umgesetzt werden sollen: mehr Fahrradwege, mehr E-Mobilität, mehr Schiene und ÖPNV. „Man kann nicht alles machen“, wirft Friedhelm Ardelt-Theeck vom Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn dem Podium vor.

Zumindest können die Bürger:innen am Sonntag auch diesbezüglich eine Wahl treffen, wie sie sich den Verkehr der Zukunft vorstellen.

Von Lena Walbrunn

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare