Eine Simulation zu Neubauten von Oper und Schauspiel des Architektenbüros Gerkan, Marg und Partner zum möglichen neuen Opernstandort im Frankfurter Bankenviertel.
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Eine Simulation zu Neubauten von Oper und Schauspiel des Architektenbüros Gerkan, Marg und Partner zum möglichen neuen Opernstandort im Frankfurter Bankenviertel.

Neubau von Oper und Schauspiel

Streit um Städtische Bühnen: Plötzlich singen alle Loblieder auf die Kulturmeile

  • Simone Wagenhaus
    vonSimone Wagenhaus
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Selbst CDU-Chef Jan Schneider ist angetan vom Vorschlag von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) zu den Neubauten der Städtischen Bühnen in Frankfurt. Doch noch gibt's reichlich Konfliktpotenzial.

  • Die Städtischen Bühnen Frankfurt sollen Neubauten bekommen
  • Der Plan für eine Kulturmeile der SPD findet großen Anklang bei vielen Politikern
  • Trotzdem gibt es immer noch reichlich Konfliktpotenzial

Frankfurt – Eine neue Kulturachse im Zentrum der Stadt, mittendrin die Neubauten von Oper und Schauspiel: So sehen die Pläne von Kulturdezernentin Ina Hartwig und Planungsdezernent Mike Josef (beide SPD) aus. Und sie finden Anerkennung, wenngleich noch viele Fragen offen sind.

Eugen Emmerling, Vorsitzender des Frankfurter Kulturforums der Sozialdemokratie, bezeichnet den Vorschlag „als gelungenes Signal für eine Stadtentwicklung, die kulturelle und ökologische Ziele gekonnt verbindet“. Eine Weiterführung der Wallanlagen bis zur Hofstraße wäre „eine großartige Aufwertung der innerstädtischen Lage des Jüdischen Museums“. Dazu komme eine neue Parkanlage mit 3500 Quadratmetern zentralen Grüns in der City.

Neubau der Städtischen Bühnen Frankfurt: „Win-win-Situation für Kultur wie für Ökologie“

„Das ist eine Win-win-Situation für Kultur wie für Ökologie“, sagt Emmerling und appelliert an die CDU, endlich die Planspiele für einen Umzug von Oper und Schauspiel in den Osthafen einzustellen: „Wir sollten uns jetzt gemeinsam in der Römer-Koalition auf die bestmögliche Lösung konzentrieren, also auf den Verbleib des Schauspiels am Willy-Brandt-Platz und den Neubau der Oper in kurzer Entfernung davon an den Wallanlagen. Die Planspiele für eine Gewerbegebiets-Oper sind nicht nur kulturpolitisch kurzsichtig, sondern zielen auch auf die teuerste aller diskutierten Lösungen.“

Baudezernent Jan Schneider (CDU) lobt den „weiteren interessanten Beitrag zur Standortdebatte“ auf Facebook: „Es ist gut, dass an Plänen für einen Neubau der Städtischen Bühnen weitergearbeitet wird.“ Dass Hartwig und Josef sich vorstellen können, zur Finanzierung des Opern-Neubaus der Helaba Baurecht für einen bis zu 200 Meter hohen Turm zu gewähren und „ein weiteres neues Hochhaus nebst großzügiger Sockelbebauung am bisherigen Bühnen-Standort zuzulassen, zeugt von der zwischenzeitlich gereiften Erkenntnis, dass dieses ehrgeizige Projekt eine solide Gegenfinanzierung benötigt“, so Schneider weiter.

Städtische Bühnen Frankfurt: Neubau-Projekt lässt sich wegen Corona aus Haushalt allein nicht stemmen

Aus dem durch die Corona-Krise „schwer gebeutelten“ städtischen Haushalt allein werde das Projekt jedenfalls nicht zu stemmen sein. Und es bleibe abzuwarten, „ob die beiden Magistratskollegen dafür die Unterstützung ihrer Fraktion erhalten werden“. Zudem müssten die Vertreter dieser Idee auch erklären, wo das Produktionszentrum mit den großen Werkstätten und den Lagerflächen oder die Büroflächen für die Verwaltung in Zukunft angesiedelt werden sollen. „Die jetzt vorgelegten Pläne sparen das mindestens 100 Millionen Euro teure Produktionszentrum nämlich vollkommen aus, weshalb es am Ende zwar ein durchaus interessantes, in der Sache aber sehr verzerrtes Bild ergibt“, so Schneider.

Die Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus, die für eine Rekonstruktion des 1902 von Heinrich Seeling errichteten Jugendstilbaus streitet, zeigt sich vom städtebaulichen Konzept „beeindruckt“. Die Aktionsgemeinschaft hatte bereits 2018 ein Planungskonzept rund um den Seeling-Bau vorgelegt und eine Verlagerung der Oper an den Standort der Fraspa-Zentrale favorisiert.

Neubau der Städtischen Bühnen Frankfurt: Bloß nicht wieder nur eine Glaskiste

„Mehrfach ermunterten wir Lokalpolitiker, mit der neuen Spitze der Sparkasse darüber doch endlich Verhandlungen aufzunehmen. Dass dies nun so geräuscharm geschehen ist und zudem ein so schnelles Verhandlungsergebnis mit dem 200-Meter-Turm herauskam, hat uns positiv überrascht. Bleibt zu hoffen, dass mit einer neuen Oper dort nicht wieder eine Glaskiste entsteht, sondern ein zukunftsweisendes Landmark“, so der Vorsitzende Tobias Rüger.

Die städteplanerische Studie zeige auch, dass eine Unvereinbarkeit mit dem vom Landeskonservator angestrebten Erhalt des Wolkenfoyers gegeben ist. „Die Stadträtin tat gut daran zu unterstreichen, dass hier über einen Denkmalschutz noch zu reden sein wird“, sagt Rüger. „Die ablehnende Haltung von Hartwig zum Erhalt des Seeling-Baus zeige, dass ihr der historische und kulturelle Wert noch nicht klar geworden sei. Eine Kulturdezernentin kann und muss Neubauten planen, sie muss sich aber auch schützend vor erhaltenswerte Kulturbauten stellen“, sagt Rüger.

„Auch die ökologischen Vorteile mit einem begrünten Innenhof und einem romantischen Kolonnadenhof für 500 Gäste würden das Konzept einer Kulturmeile nach Süden hin perfekt abrunden“, ergänzt Rüger und kündigt an, mit neuen Unterlagen noch einmal das Gespräch mit der Dezernentin zu suchen.

Von Simone Wagenhaus

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