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Es dauert noch ein wenig, bis die Welt romantisiert wird: Bild von der Baustelle des Museums am Großen Hirschgraben.

Theaterpremiere „nicht abgestimmt“

Frankfurt: Streit um Eröffnungstermin der "Volksbühne"

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Während sich das Deutsche Romantikmuseum bis 2021 verzögert, wird um die „Volksbühne“ gerungen.

Michael Landes gerät ins Schwärmen, wenn er von Frankfurts neuem Theater spricht. Der Architekt verantwortet die Verwandlung des Vortragssaals aus den 50er Jahren in eine Spielstätte. Der Cantatesaal, Großer Hirschgraben 19, in Frankfurts Stadtzentrum soll die neue Heimat der „Volksbühne“ werden. Mit goldfarbener Decke und blauem Gestühl für 400 Zuschauer.

„Der rote Teppich ist ausgerollt, alle sind im Anmarsch“, schreibt Michael Quast im Programmheft. Am 19. September soll die „Volksbühne“ unter der Leitung von Komödiant Quast Eröffnung feiern. Doch ob es dazu kommt, steht nach wie vor in den Sternen. Denn der städtische Wohnungskonzern ABG als Bauherr des Theaters kann „nicht versprechen“, ob der Eröffnungstermin gehalten wird, sagt Geschäftsführer Frank Junker. Der ABG-Chef hatte bereits unlängst in der FR auf die großen Schwierigkeiten hingewiesen, die den Bau des Deutschen Romantikmuseums und des benachbarten Cantatesaals begleiten. Die Eröffnung des Museums verschiebt sich gegenüber dem ursprünglich genannten Termin – Goethes 270. Geburtstag am 28. August – um zwei Jahre auf 2021.

„Es wird eine enge Nummer“

Doch bei der „Volksbühne“ steht wesentlich schneller alles auf dem Spiel. Junker warf dem Theaterchef am Donnerstag im Gespräch mit der FR vor, die Eröffnung des Theaters ohne Rücksprache mit der ABG eigenständig angesetzt zu haben. „Der Termin war nicht mit uns abgestimmt“, sagte Junker.“

Quast konterte mit den Worten: „Der Termin ist entstanden aus den Informationen, die wir von der ABG bekommen haben.“ Die Wohnungsbaugesellschaft habe immer neue Termine für eine Übergabe des Theaters genannt, die alle verstrichen seien. Der Theaterdirektor zeigte sich überzeugt, dass der Wettlauf zu gewinnen sei: „Es wird eine enge Nummer.“

Die Bauarbeiten, sagt ABG-Chef Junker, seien unter anderem deshalb in Verzug geraten, weil im Gebäude des denkmalgeschützten Theatersaals sehr viel Asbest gefunden worden sei, das als Sondermüll habe entsorgt werden müssen. Derzeit behinderten die sehr hohen Temperaturen zusätzlich die Bauarbeiten. Den Arbeitern sei „schwerlich zumutbar“, bei 40 Grad unter freiem Himmel zu schuften. Junker gab zu, dass die Stromversorgung des neuen Theaters „noch nicht final gelöst“ ist. Schwierig sei auch die Aufbringung einer Asphaltdecke im Vorhof des Cantatesaals – der Asphalt werde „bis zu 1000 Grad“ heiß.

"Goethehöfe" im September bezugsfertig

Keine Probleme sieht der Manager dagegen bei den benachbarten „Goethehöfen“. Hier gruppieren sich in einem vierstöckigen Gebäudekomplex 28 Luxuswohnungen um einen Innenhof. Die Wohneinheiten sind nach den Worten des ABG-Geschäftsführers „im September bezugsfertig“. Der Wohnungskonzern selbst will sie vermieten, es gebe bereits „eine Reihe von Interessenten“ für die sehr individuell geschnittenen Wohnungen.

Die Miete bezifferte Junker auf 14 Euro pro Quadratmeter im Monat. Insgesamt entstehen 2674 Quadratmeter neuer Wohnraum im Herzen der Innenstadt, nur wenige Hundert Meter vom Römerberg entfernt.

In die „Goethehöfe“ und den Cantatesaal hat die ABG nach Junkers Worten 25 Millionen Euro investiert, für das Deutsche Romantikmuseum flossen zwölf Millionen Euro. Die ABG will das Haus „schlüsselfertig“ in der zweiten Augusthälfte an das Freie Deutsche Hochstift übergeben. Erst danach kann die Inneneinrichtung des Museums beginnen.

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