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Frankfurt: Streifenwagen der Stadtpolizei als Jobportal

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Von: Oliver Teutsch

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Die Frankfurter Stadtpolizei nimmt vielfältige Aufgaben in den Bereichen Sicherheit und Ordnung wahr.
Die Frankfurter Stadtpolizei nimmt vielfältige Aufgaben in den Bereichen Sicherheit und Ordnung wahr. © Arne Dedert/dpa (Archiv)

Um die Personalknappheit zu bekämpfen, geht die Frankfurter Stadtpolizei neue Wege. Vor allem im uniformierten Streifendienst fehlen Mutige.

Um die Personalknappheit zu beheben, geht die Frankfurter Stadtpolizei nun neue Wege. Seit dieser Woche dienen elf Einsatzfahrzeuge auch der Personalrekrutierung. „Lust, vorne mitzufahren? Bewirb Dich jetzt bei der Stadtpolizei“, ermuntern die Botschaften auf den Karosserien der modernsten Fahrzeuge. Ebenfalls aufgeklebt ist ein QR-Code. „Wer ein Passbild und einen Lebenslauf auf seinem Smartphone hat, kann sich direkt vor Ort bewerben“, verspricht Michael Jenisch, der Sprecher des übergeordneten Ordnungsamtes.

Einen Ansturm an Bewerbungen muss die Stadtpolizei deswegen jetzt nicht fürchten, das weiß auch Ordnungsdezernentin Annette Rinn (FDP): „Personalgewinnung ist schwieriger denn je. Der Arbeitsmarkt für Sicherheitsbereiche ist nahezu leer gefegt.“ Anders als ihr Vorgänger Markus Frank (CDU) hat Rinn öffentlich bislang auf den Ruf nach mehr Personal verzichtet. Denn sie weiß: Erst mal müssen die vorhandenen Stellen besetzt werden. Nun soll die mobile Art der Personalgewinnung helfen. „Unsere Streifenwagen sind täglich im gesamten Stadtgebiet unterwegs und bieten so eine niedrigschwellige Möglichkeit der Bewerbung bei der Stadtpolizei“, hofft Rinn.

Die Frankfurter Stadtpolizei nimmt vielfältige Aufgaben in den Bereichen Sicherheit und Ordnung wahr: vom Abfallrecht über Gesundheitsaufsicht, Ladenöffnungsrecht, Immissionsschutz und Straßenverkehr bis zum Versammlungs- und Waffenrecht. Dafür hat sie innerhalb des Ordnungsamts 214 Planstellen, von denen derzeit knapp 90 Prozent besetzt sind. Probleme mit der Besetzung freier Stellen gibt es vor allem bei den 143 Stellen des uniformierten Streifendiensts. Zwar liegt auch dort die Besetzungsquote bei etwa 90 Prozent, allerdings sitzen auf den Stellen eine gewisse Anzahl an Bediensteten, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr für den uniformierten Streifendienst eingesetzt werden können: entweder weil sie keine Waffentauglichkeit mehr besitzen oder körperlich nicht mehr geeignet sind.

Stadtpolizei

Die Bediensteten versehen ihre Arbeit sowohl in Uniform als auch in Zivil. Zu den uniformierte Dienstgruppen gehören die regionalen Einheiten, die Task-Force-Sicherheit, die Ermittlungsgruppe, die Hundestaffel, der Umwelt- und Naturschutz sowie die Motorrad- und Fahrradstaffel.

In Zivil unterwegs ist die Stadtpolizei in Sachen Immissionsschutz, Illegale Beschäftigung /Aufenthaltsrecht sowie Gewerbe- und Gesundheitsaufsicht. ote

Der Slogan „Lust, vorne mitzufahren?“ verschweigt nämlich, dass die Streifen der Stadtpolizei im vergangenen Jahr auch 36 327 Stunden zu Fuß unterwegs waren, vor allem in der Innenstadt und im Bahnhofsviertel. Das ist, gelinde gesagt, nicht immer ein einfacher Job und gilt selbst für das gutbürgerliche Nordend, etwa, wenn die Gäste des Friedberger Marktes oder anderer Plätze freitags zur Räumung bewegt werden sollen.

Das Arbeitsklima für die uniformierten Bediensteten der Stadt ist nicht zuletzt durch die Pandemie rauer geworden, wie der stellvertretende Leiter der Stadtpolizei, Steffen Gransow, unlängst bei der Präsentation der Statistik für 2021 bekannte: „Die Akzeptanz hat nachgelassen, die Aggression zugenommen.“

Wer sich dennoch für einen Job bei der Stadtpolizei entscheidet, bereut es womöglich irgendwann. Ordnungsamtsleiterin Karin Müller sprach an gleicher Stelle von einer „gewissen Fluktuation“ und antwortete auf die Frage nach einer möglichen Begründung ganz unumwunden: „Gemeinden im Umland haben kein Bahnhofsviertel.“

So gibt es immer wieder Interessent:innen, die sich zwar die rund 900 Stunden umfassende vielseitige Grundausbildung von der Stadt Frankfurt bezahlen lassen, später aber lieber ins Umland abwandern und dort für Recht und Ordnung sorgen. Denn: Es gibt entspanntere Orte für einen Dienst in Uniform als das Frankfurter Bahnhofsviertel. Wo die Müllabfuhr der FES den Sperrmüll nur noch unter uniformiertem Geleitschutz entsorgt, arbeitet niemand gerne. So offenbart der Slogan „Lust, vorne mitzufahren“ nur die halbe Wahrheit. Man muss leider auch ab und zu mal aussteigen.

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