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Frankfurt: Strategie zur Zukunft ohne Autobahnausbau

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Von: Florian Leclerc

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Etwa 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zur Veranstaltung in den Saalbau Südbahnhof. Foto: Renate Hoyer
Etwa 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zur Veranstaltung in den Saalbau Südbahnhof. © Renate Hoyer

Das Bündnis Verkehrswende stellt ein Strategiepapier zur Mobilitätswende vor - demnach geht es auch ohne den Ausbau von A661 und A66.

Der Verkehr in Frankfurt kann künftig durchaus ohne den Ausbau der Autobahnen A661 und A66 abgewickelt werden. Zu diesem Schluss kommt das Bündnis Verkehrswende in einem neuen Strategiepapier. Es sieht zahlreiche Pull-Maßnahmen zur Verbesserung des Angebots bei Bus und Bahn, Rad- und Fußverkehr vor sowie Push-Maßnahmen wie Tempolimits und Pförtnerampeln, die Autofahren weniger attraktiv machen sollen.

Das Konzept stellte Willi Loose, ein Sprecher des Bündnisses, am Donnerstagabend bei einer Podiumsveranstaltung im Saalbau Südbahnhof vor; die Präsentation soll demnächst auf der Website des Bündnisses veröffentlicht werden.

365-Euro-Ticket gefordert

Konkret sehen Loose und seine Mitstreiter:innen den beschleunigten Ausbau der nordmainischen S-Bahn vor. Die U-Bahn-Linie U4 soll nach Maintal fahren; zu diesem Zwecke soll die nördliche Fahrbahn der A66 umgebaut werden. Expressbusse sollen aus dem östlichen Umland zum zentralen Umsteigeknoten am Hessen-Center fahren. Der RMV soll Zusatzverkehr für das Kinzigtal und den Raum Aschaffenburg nach Frankfurt bestellen. Die Planung einer Regionaltangente Ost soll beginnen. Zwischen Frankfurt und Hanau sollen die Preise für Fahrkarten billiger werden. Für Hessen fordert das Bündnis ein 365-Euro-Ticket.

„Wir wollen den Autofahrern eine Alternative bieten“, sagte Loose vor etwa 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Er begrüßte die geplante Straßenbahnverbindung von Bad Vilbel nach Frankfurt und schlug die Weiterführung der U-Bahn-Linie U7 über die Leuchte bis ans Riedbad vor. Vom Riederwald aus könnte eine U-Bahn-Verbindung über die Gwinnerstraße nach Seckbach und Bergen gebaut werden.

Damit nicht mehr so viele Menschen über die Autobahn fahren, soll die A66 ab dem Autobahnkreuz Hanau zur tempobeschränkten Bundesstraße zurückgebaut werden. Um den Autoverkehr von der A66 in Richtung Frankfurt auf die Hanauer Landstraße umzuleiten, schlägt das Bündnis am Wilhelmsbader Weg eine Verbindung zur Hanauer Landstraße vor.

Westlich des Riederwalds sollen Autos auf einem neuen Bauwerk im Zuge der verlängerten Ernst-Heinkel-Straße über die Gleise auf die Hanauer Landstraße fahren können. Die Straße am Erlenbruch soll verkehrsberuhigt werden. An der Borsigallee wird eine Pförtnerampel vorgeschlagen, ebenso an der Wilhelmshöher Straße und der Friedberger Landstraße südlich der A661. Das Publikum regte in der Fragerunde weitere Projekte an, etwa eine City Maut oder eine Verkehrsabgabe nach französischem Vorbild. Demgegenüber zeigte sich Willi Loose offen.

„Unser gegenwärtiges Mobilitätssystem ist nicht nachhaltig und bringt soziale und ökologische Probleme hervor“, sagte auch Jutta Deffner vom Institut für sozial-ökologische Forschung, die die Pendlerproblematik erläuterte. Mehr als 387 500 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte pendelten vor der Pandemie zu ihrer Arbeit nach Frankfurt; etwa 100 000 aus der Stadt hinaus.

Das Bündnis fordert auch: Tempo 30 auf Hauptstraßen in Frankfurt, die durch Wohngebiete führen; den Ausbau von Radschnellwegen, die Ausweitung des Fechenheimer Walds. Auf Bundesebene sollten die Dienstwagenprivilegierung und die Pendlerpauschale wegfallen sowie eine fahrleistungsabhängige Pkw-Maut und das Recht auf Homeoffice eingeführt werden.

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