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Proteste gegen die IAA gab es auch in der Vergangenheit, wie im Jahr 2017 von der Deutschen Umwelthilfe. (Archivbild)

Proteste gegen IAA 2019

IAA 2019 in Frankfurt: Demonstranten wollen „Messe blockieren“

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Aktivisten gegen die IAA 2019 fordern eine radikale Verkehrswende und wollen in Frankfurt auf die Straßen gehen, um gegen den „Dinosaurier“ Auto zu protestieren.

Die Internationale Automobil-Ausstellung IAA ist für sie ein „Dinosaurier“, der „für ein Verkehrssystem von vorvorgestern“ steht. Deshalb wollen sie gegen die aus ihrer Sicht verfehlte Linie von Politik und Automobilindustrie auf die Straße gehen – und teils sogar versuchen, die Automesse zu blockieren. Die beiden Protestbündnisse „#aussteigen“ und „Sand im Getriebe“, die in den kommenden Tagen gegen die IAA und für eine radikale Verkehrswende demonstrieren wollen, haben am Montag in Frankfurt ihre Planungen und politischen Forderungen vorgestellt.

Man wolle zeigen, „dass die Mitte der Gesellschaft das, was sich auf der IAA zeigt, nicht mehr will“, sagte Uwe Hiksch von den Naturfreunden Deutschland. Die Messe sei ein „Dinosaurier“. Die Naturfreunde haben sich mit Greenpeace, dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), dem Naturschutzbund BUND, der Deutschen Umwelthilfe und anderen Organisationen zum Bündnis #aussteigen zusammengetan, das am Samstag eine Demonstration und eineFahrrad-Sternfahrt gegen die IAA organisiert.

Kritik an IAA 2019: „Nichts mit der Zukunft tu tun“ 

Die IAA folge Mobilitätsvorstellungen aus den 1960er- und 70er-Jahren und habe „nichts mehr mit der Zukunft zu tun“, sagte Hiksch. Die Bundesregierung müsse ein „ambitioniertes Klimaschutzprogramm“ aufstellen und dabei etwa den Bundesverkehrswegeplan reformieren, um für Straßenbau eingeplantes Geld in Radwege und den ÖPNV investieren zu können. Zudem müsse über einen „sozialverträglichen Umbau der Automobilindustrie“ diskutiert werden, um eine nachhaltige und klimagerechte Mobilität zu erreichen, so Hiksch. Wenn Radwege und ÖPNV flächendeckend ausgebaut würden, könnten Zehntausende neue Arbeitsplätze entstehen.

Spritfresser SUVs: „Stadtpanzer raus“

Auch Marion Tiemann von Greenpeace griff die IAA scharf an. „Dort werden Klimakiller gefeiert“, sagte Tiemann. Die Industrie habe ihre Ingenieurskunst genutzt, um bei Abgaswerten zu betrügen, anstatt auf Innovationen zu setzen. Zudem werbe die Industrie aggressiv für SUV und gieße damit „Öl in das Feuer der Klimakrise“. Die Mobilität müsse dringend umgebaut werden, es brauche generell weniger Autos in den Städten. Der Protest richte sich gegen die Politik und die Autohersteller, nicht gegen die Autofahrer und die Mitarbeiter der Konzerne, betonte Tiemann. Dass Menschen in ländlichen Gebieten auf das Auto angewiesen seien, liege daran, dass die Politik Alternativen vernachlässigt habe.

„Mit Öl keine Zukunft“: Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace demonstrieren 2017 gegen die Internationale Automobil-Ausstellung in Frankfurt.

Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, forderte mit Blick auf die immer mehr in Mode kommenden SUVs: „Stadtpanzer raus aus unseren Städten.“ Die deutsche Autoindustrie setze immer stärker auf die großen und schweren Geländewagen, anstatt gute E-Autos zu entwickeln, kritisierte Resch. Von den 20 weltweit beliebtesten Elektrofahrzeugen komme kein einziges aus Deutschland, die Industrie verliere völlig den Anschluss. Die Politik forderte Resch auf, den „unwiderruflichen Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor“ bis 2025 festzulegen.

IAA 2019 in Frankfurt: zahlreiche Demos geplant 

Ludger Koopmann vom ADFC sagte, für nachhaltige Mobilitätskonzepte müsse die Gesellschaft sich auch im Denken vom Auto emanzipieren. Damit auch Kinder oder ältere Menschen in den Städten auf das Fahrrad umsteigen könnten, müsse eine sichere, separierte Radwegestruktur aufgebaut werden. „Wir wollen nicht weniger Mobilität, aber weniger Verkehr“, sagte Koopmann.

Das Bündnis #aussteigen ruft für Samstag um 11.30 Uhr zu einer Großdemo auf der Hauptwache auf. Bereits ab dem frühen Morgen wollen Tausende Radfahrer auf 13 unterschiedlichen Routen aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet nach Frankfurt fahren, um gegen 14.30 Uhr vor dem Messegelände mit der Demonstration zusammenzutrefffen. Außerdem ist ein „Kidical Ride“ für Kinder und Eltern geplant.

Bündnis gegen IAA will „Messe blockieren und Ablauf stören“

Einen vehementeren Weg des Protestes wählt das Bündnis „Sand im Getriebe“, in dem sich mehr als 40 Klimaschutzgruppen gegen die IAA zusammengeschlossen haben. Man setze auf zivilen Ungehorsam und werde versuchen, „die Messe zu blockieren und den Ablauf zu stören“, sagte die Sprecherin des Bündnisses, die unter dem Pseudonym Tina Velo auftritt. „Wir haben es mit einer kriminellen Autoindustrie zu tun und mit einem unfähigen Verkehrsminister“, sagte Velo. Am Sonntag, 15. September, würden Hunderte Aktivisten zur Messe strömen, um die Eingänge zur IAA mit ihren Körpern zu blockieren. Man setze dabei weder auf Gewalt noch auf Sachbeschädigung, werde die Lage nicht eskalieren und lege großen Wert auf Sicherheit, sagte Velo. Bei der bewussten Regelübertretung sehe man sich in der Tradition etwa der Anti-Atomkraft-Bewegung der 1970er-Jahre, sagte Velo.

Geplante Proteste gegen die IAA 2019

Freitag, 13. September: Attac lädt zum Podium „Verkehrswende gemeinsam durchsetzen?“ mit Greenpeace, „Sand im Getriebe“ u.a. Saalbau Schönhof, Rödelheimer Straße 38, 19 Uhr.

Samstag, 14. September: Sternfahrt des Bündnisses #aussteigen aus ganz Hessen nach Frankfurt. Ab 11.30 Uhr Auftakt der Großdemo an der Hauptwache. Ab 13.30 Uhr „Kidical Ride“ für Kinder und Eltern auf dem Rad. Ab 14.30 Uhr Zusammentreffen aller Proteste vor dem Messegelände. 

Sonntag, 15. September: Geplante Blockaden des Bündnisses „Sand im Getriebe“ vor dem Messegelände. 

Mehr Informationen im Netz unter den Adressen www.iaa-demo.de bzw. www.sand-im-getriebe.mobi 

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