+
Störche im Nieselregen.

Klima

Frankfurt: Der Storch als Klimabote

  • schließen

In Harheim wurde Adebar schon gesichtet. Frühe Frühlingsgefühle gibt es auch bei anderen Vögeln - doch das deutet auf Probleme hin.

Liebes Publikum, die Spiele sind eröffnet. Wie in jedem Jahr hat sich der Harheimer Storch zuerst der Anwohnerin und gewieften Storchfinderin Yukiko Kaneko offenbart, um sich dann traditionsgemäß vor dem Reporter der Frankfurter Rundschau zu verstecken.

Wir haben ein Beweisfoto. Es saß ein Storch auf dem Nest an der Nidda, das ist unbestreitbar. Aber es wäre natürlich die Pflicht einer seriösen Zeitung, das Tier selbst zu gewahren. In diesem frühen Stadium jedoch kann die FR so lang durch die Felder streifen, wie sie will – es sind reichlich Lerchen zu hören, es sind in der Ferne Lebewesen mit weißen Hemden zu sehen, die sich bei näherer Betrachtung jedoch als Menschen erweisen. Kein Storch.

„Früh?“, fragt Matthias Werner von der Staatlichen Vogelschutzwarte zurück. „Nee!“ Keineswegs seien die Störche in diesem Jahr besonders früh dran. „Vor 20 Jahren wäre das sehr früh gewesen“, sagt er. Aber inzwischen blieben die Rotschnäbel ja im Winter gerne hier, möglichst nah am Brutplatz. „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Je früher man brütet, desto besser.“

So geht das quer durch die Vogelwelt. Die Spechte fangen drei, vier Wochen eher mit der Familienplanung an, die Feldlerchen beginnen, vor sich hin zu tirilieren – „Frühlingsgefühle“, sagt Werner, „und eine gewaltige Anpassungsleistung“. Die Kraniche reisen im Herbst auch nicht mehr ganz so weit gen Süden und spekulieren auf gute Bedingungen: „Hab ich Rückenwind?“ Das Gros der Kraniche sei noch längst nicht durch.

Sonnenklar, womit das alles zusammenhängt. Es ist der Klimawandel, die Verschiebung der Jahreszeiten, die zur Veränderung der Zug- und Brutgewohnheiten führt. „Sie halten sich einfach nicht mehr an die gesetzliche Brutzeit“, scherzt der Ornithologe, als ob es sich um einen Regelverstoß der Gefiederten handelte. In Wahrheit bleibt ihnen nichts anderes übrig, wenn sie die Art erhalten wollen.

So gesehen, kam der Storch eindeutig als Klimabote – warum sonst hätte er ausgerechnet am letzten Tag der FR-Klimawette in Harheim seine Aufwartung machen sollen? CO2-frei in der Mobilität, nicht direkt vegetarisch, aber doch nachhaltig in der Ernährung. Vielen Dank für den Beitrag, Herr oder Frau Storch; am Samstag werden die Endresultate der Klimawette in der Zeitung zu lesen sein.

Ob es einer der Störche ist, die im vorigen Jahr ein erfolgreiches Familienunternehmen in Harheim gründeten, das vierte seit 2016, nachdem zuvor rund 50 Jahre lang kein Storchenpaar Frankfurt für würdig befunden hatte? Fraglich. Störche seien eher ihrem Horst treu als ihrem Partner, sagt Vogelschützer Werner. Aber vielleicht sieht man’s bald an den Fußringen.

Ein anderer Rückkehrer breitet sich deutlich mutiger in Frankfurt aus: der Biber. Seit Jahren knabbert er die Bäume im Norden an der Nidda nieder, auch ganz in der Nähe des Storchennests, und jetzt ist er sogar auf einer Maininsel mitten in der Stadt als Holzfäller aufgefallen, wie die „FAZ“ berichtet. Wir bleiben ihm auf den Fersen. Blickenlassen wird er sich eh nicht.

Alle Informationenzur beendeten Klimawette: www.fr.de/klimawette.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare