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Frankfurt: Storch im Sturm

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Von: Thomas Stillbauer

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Harheimer Storch bei Vollmond. Die Welt kann so schön sein.
Harheimer Storch bei Vollmond. Die Welt kann so schön sein. © Rolf Oeser

So früh wie noch nie sind die Frühlingsboten zurück in ihrem Harheimer Nest. Und diesmal sind sie sogar lieb zum FR-Reporter.

Erfahrene FR-Leserinnen und -Leser wissen Bescheid, was jetzt kommt. Sie kennen das Ritual seit sieben Jahren. Der Reporter hat von seiner Gewährsfrau in Harheim erfahren, dass mindestens ein Storch aus dem Winterurlaub zurück ist, macht sich auf den Weg zum Nest und wird bei den ersten fünf bis siebzehn Versuchen niemanden antreffen. Also dann, auf ein Neues. Viel Spaß.

Es ist früh, es ist regnerisch, und es ist vor allem: stürmisch. Ist das der Grund, der Adebar in diesem Jahr rekordverdächtig zeitig zurück in den hohen Frankfurter Norden trieb? Unbedingt den ersten krassen Frühjahrssturm miterleben? So richtig durchgepustet werden, oben auf dem Nest?

Sieht übrigens tipptopp aus, das Nest, haben der Reporter und seine bezaubernde Frau unlängst festgestellt. Den ganzen Herbst und Winter unbeheizter Leerstand – machen Sie das mal mit Ihrer Vier-Zimmer-Altbauwohnung. Und alle Fenster offen. Das wird eine schöne Bescherung. Das Harheimer Storchennest dagegen, 2015 von Nabu, Stadt und Mainova errichtet, von wechselnden Vogelfamilien bewohnt: astrein in Schuss. Mal sehen, ob jemand zu Hause ist. Ha ha.

Obwohl – aus der Ferne wirkt es fast, als könnte … na, wahrscheinlich ist es wieder eine Nilgans und lacht den Reporter aus, wenn er da ist. Der Weg von der Hermannspforte zum Nest ist lang und hat zwei Problemstellen, an denen man den Horst vor lauter Bäumen nicht sieht. Außerdem blendet die Sonne. Das sind Probleme.

Vor zwei Jahren gab es noch ganz andere Probleme. Da versank, wer sich den einzigen Frankfurter Störchen näherte, im Morast. Die Wege durch die landwirtschaftlichen Flächen hindurch: eine einzige Katastrophe. Dann hatte die Stadt ein Einsehen und sanierte. Seither säumen diese Wege Schottersteine. Es ist nicht so, dass man mit Steigeisen und Bergstiefeln über jeden einzelnen Stein drüberklettern müsste, aber fast. Mit anderen Worten: Es ist sehr unkommod, ob zu Fuß oder per Fahrrad. In diesem Jahr will die Stadt daher nachbessern. Zur Abwechslung nicht ausgerechnet mit schwerem Gerät in der Brutzeit der Störche. Hat sie versprochen. Das ist fein.

Apropos Störche. Beim Erstankömmling handele es sich ziemlich sicher um die Storchendame vom vorigen Jahr, hat Yukiko Kaneko durchgegeben, die Harheimerin, die praktisch jede neue Wendung in der Storchengeschichte des Stadtteils mitbekommt. Und ja, langsam sieht es so aus, als könnte das tatsächlich ein Storch sein, dort hinten, in der Entfernung, auf dem Nest. Es ist sehr weiß, was da draufsitzt. Wenn es kein Schwan ist (als hätte man je einen Schwan gesehen, der keine 40 Meter Nidda zum Wassern braucht) und kein Königstiger (aber wie käme der eine glatte, zwölf Meter lange Stange hoch?), dann könnte es wirklich – aber wir wollen hier den Storch nicht vor der Ankunft loben.

1968 hatten sich zum letzten Mal Rotschnäbel zum Zwecke der Fortpflanzung auf einem Schornstein in Bonames niedergelassen, worauf eine lange, lange Zeit der Storchlosigkeit folgte. Erst 2016 erwies wieder ein Paar dem Stadtgebiet die Ehre, Frankfurt als Schlüpfort seiner Küken in die Kinderausweise eintragen zu lassen, und zwar in Harheim. Seitdem gab es jedes Jahr dort Nachwuchs. Und auf keinem der anderen Nester in der Umgebung, in Harheim, Nieder-Erlenbach, am Alten Flugplatz Kalbach/Bonames und auch nicht in Fechenheim. Obwohl der Siedlungsdruck auch unter Störchen zunimmt. In Hessen sind sie enorm im Kommen.

So, der erste tote Winkel ist überwunden, der zweite auch – und da sitzt doch tatsächlich ein Storch in der Höhe und macht keine Anstalten wegzufliegen. Mit dem Nestbau beschäftigt. Leicht zerzaust, dem Sturme trotzend. Wenn es tatsächlich wieder das Weibchen aus dem vorigen Jahr ist, wie Yukiko Kaneko berichtete: Heldin im Sturm! Schnell dem Fotografen Bescheid geben. „Grad ist der Storch da!“ Fotograf: „Ich habe ihn schon heute Morgen mit Vollmond fotografiert.“ Respekt.

„Wir möchten, dass sich der Storch bei uns wieder heimisch fühlt“, hat Ingolf Grabow vor sieben Jahren gesagt – der beste Vogelkenner weit und breit–, als dieses Nest aufgestellt wurde. Das hat geklappt. Viel Erfolg beim Brüten, liebe Familie, auch in diesem Jahr. Passt auf im stürmischen Wetter. Und danke für die unverhoffte Begegnung schon beim allerersten Versuch.

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