Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Gedenkstätte an der Großmarkthalle.
+
Die Gedenkstätte an der Großmarkthalle.

Gedenken und Kultur

Frankfurt: Stopp für Salsa auf Gedenkstätte für deportierte Juden

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
    schließen

Ein Runder Tisch soll den Ärger über den Salsa-Tanztreff an der Großmarkthalle in Frankfurt beenden, wo einst Menschen deportiert wurden.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) will sich dafür einsetzen, dass an der Gedenkstätte für deportierte Jüdinnen und Juden im Ostend nicht weiter getanzt wird. Bürgermeister Uwe Becker (CDU) hatte sich vehement gegen die Tanzveranstaltungen ausgesprochen. Unter der Überschrift „Keine Tanzschritte am Ort deportierter Frankfurterinnen und Frankfurter“ wandte er sich in einer Mitteilung gegen Salsa-Tänzerinnen und -Tänzer, die sich in der Nähe der ehemaligen Großmarkthalle treffen.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung und der Hessische Rundfunk hatten zuvor berichtet, an manchen Tagen seien es bis zu 500 Personen, die sogar aus anderen Bundesländern anreisten, um dort zu tanzen. Dass in der Umgebung einst die Nationalsozialisten die jüdische Bevölkerung in Züge trieb, um sie in Konzentrationslager zu deportieren, tue dem Tanzvergnügen keinen Abbruch. Die Tanzenden bewegten sich teils auf den Bahnschwellen von einst, in der Nähe der Gedenkinschriften.

„Unachtsamkeit, Unwissenheit oder Gedankenlosigkeit“: Bürgermeister Becker kritisiert Salsa-Gemeinde

„Wer hier bisher aus Unachtsamkeit, Unwissenheit oder Gedankenlosigkeit fröhlich das Tanzbein geschwungen hat, sollte im Respekt vor den Deportierten und Ermordeten schon von sich aus einen anderen Ort wählen“, fordert Bürgermeister Becker. Darauf könne auch mit zusätzlichen Schildern hingewiesen werden. Da die Einsicht einiger jedoch offenbar fehle, „dass am Ort der letzten Schritte vieler Frankfurterinnen und Frankfurter keine Tanzschritte erfolgen sollten“, müsse die Stadt gegebenenfalls auch „rechtlich notwendige Wege gehen, um hier das Tanzen und Feiern zu unterbinden“. Er selbst werde darauf im Magistrat hinwirken, so Becker.

OrtGedenkstätte Großmarkthalle
AdressePhilipp-Holzmann-Weg
Eingerichtet22. November 2015

Stadträtin Hartwig hat derweil Kontakt zu den Organisator:innen der Veranstaltung aufgenommen, berichtet sie, mit dem Ziel, einen alternativen Ort zum Tanzen zu finden. Das Kulturamt werde zu einem Runden Tisch einladen.

Die Tanzveranstaltungen seien „mit der Würde des Ortes nicht vereinbar, ebenso wenig mit dem Respekt vor den Opfern der ersten Massendeportationen aus Frankfurt, derer hier gedacht wird“, so Hartwig. Es sei gleichwohl wichtig, dass Menschen den öffentlichen Raum nutzen könnten, gerade nach den Einschränkungen wegen Corona. Einer der Salsa-Organisatoren habe sich für den Runden Tisch offen gezeigt und zugesichert, bis auf weiteres nicht mehr zum Tanz auf dem Gelände der Erinnerungsstätte einzuladen. Das Dezernat für Kultur und Wissenschaft setze daher zunächst nicht auf ein Verbot.

Ordnungsamt in Frankfurt: Keine Handhabe gegen Salsa an Gedenkstätte für deportierte Juden

Das Frankfurter Ordnungsamt sieht keine Handhabe, das Tanzen zu beenden. „Es gibt keine Rechtsgrundlage“, sagt Sprecher Ralph Rohr im Gespräch mit der FR. „Nach den Bestimmungen, die uns vorliegen, lässt sich gegen Tanz im öffentlichen Raum nichts sagen – wenn, dann müsste die Politik etwas Entsprechendes beschließen.“

Uwe Becker betont: „Man kann an den gesunden Menschenverstand appellieren, man kann aufmerksam machen und man kann verbieten. Wenn die ersten beiden Möglichkeiten nicht wirken, müssen wir den notwendigen Rahmen als Stadt setzen, um die Würde dieses besonderen Ortes zu wahren und zu schützen.“ Die Bedeutung des Ortes werde nicht ausreichend gewürdigt oder aber seine Geschichte „bewusst negiert“. Der Bürgermeister, der auch Beauftragter der Hessischen Landesregierung für Jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus ist, fordert: „Wir sollten schon jetzt im Magistrat die Weichen so stellen, dass wir Tanzen und Feiern an dieser Stelle auch aktiv unterbinden.“

Dem Bericht des HR zufolge hatten die Jüdische Gemeinde und das Jüdische Museum für Zurückhaltung im Umgang mit dem Gedenkort plädiert. Entscheiden müsse aber die Stadt. (Thomas Stillbauer)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare