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Frankfurt: Stimme erheben für mehr Repräsentanz

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Von: Timur Tinç

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Esad Sahin und Leyla Akpinar koordinieren das Projekt.
Esad Sahin und Leyla Akpinar koordinieren das Projekt. © Monika Müller

Die Jugendorganisation der Türkischen Gemeinde Young Voice stärkt junge Migrantinnen und Migranten, um sich für ihre Themen öffentlichkeitswirksam einzusetzen.

Egal, ob in der Politik, in Medien oder Verwaltungen. Migrantinnen und Migranten sind in sehr vielen Bereichen immer noch unterrepräsentiert. Das will Young Voice TGD, der Jugendverband der Türkischen Gemeinde Deutschland, ändern. Und zwar nicht nur für ihre eigene Community, sondern für alle. Im Jahr 2020 ist die Bundesgeschäftsstelle von Berlin nach Frankfurt gezogen. Projektleiter Esad Sahin und Projektmitarbeiterin Leyla Akpinar planen und konzipieren das Ganze.

„Unser erstes Projekt heißt Botschafter:innen des Wandels“, sagt Sahin. Das wird vom Programm „Demokratie Leben“ des Bundesfamilienministeriums gefördert. Bei sogenannten Akademien, deren Zyklus zweieinhalb Jahre dauert, kommen junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren aus allen Bundesländern zusammen. „Wir mussten anfangs auf das Netzwerk der Türkischen Gemeinde Hessen zurückgreifen und Onlineveranstaltungen wegen Corona machen“, erklärt Sahin. Dank der guten Arbeit in den sozialen Medien hätten sie aber schnell viele andere Menschen erreichen können.

„Wir haben sehr heterogene Gruppen. Egal ob kulturell, religiös oder bezüglich sexueller Orientierung“, erklärt Akpinar. Manche sind schon in Projekten aktiv, für andere ist es das erste Mal. Maximal 25 Menschen können an den Akademien teilnehmen. Die Zahl der Bewerber:innen liegt weit über 50. „Das Besondere ist der safer space“, sagt Akpinar. Heißt: Es sind diskriminierungsfreie Räume, wo es darum geht, sich über Diskriminierungserfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig zu stärken. „Wir geben ihnen Methoden und Werkzeuge mit auf den Weg, damit sie öffentlichkeitswirksam ihre Botschaften verbreiten können und die richtigen Instanzen erreichen“, sagt Akpinar. Die Themen sind Medien- und Digitalkompetenzen, Empowermentstrategien, Handlungskompetenztraining.

Neben dem Wissens- und Kompetenzerwerb gehe es auch darum, sich zu vernetzen und mit verschiedenen Akteurinnen und Akteuren aus Politik, Medien und Zivilgesellschaft zusammenzukommen. „Kürzlich hatten wir einen Onlinetalk mit der Antidiskriminierungsbeauftragten der Bundesregierung Ferda Ataman“, berichtet Sahin.

Zu den Akademien kämen außerdem hochkarätige Referentinnen und Referenten. Und: Eine Botschafterin oder ein Botschafter des Projekts bekommt auch immer eine aktive Rolle - mit Vortrag und Moderation.

„Wir sehen auch, dass viele der Botschafterinnen und Botschafter Jobs als Referentinnen und Referenten bekommen haben oder in einer Institution arbeiten“, sagt Sahin.

Der nächste Schritt für Young Voice sei es, die ausgebildeten Menschen mit anderen migrantischen Selbstorganisationen zu vernetzen und „Synergien zu schaffen“, erklärt Akpinar. Es gebe viele Organisationen, die in ihren jeweiligen Bereichen wirken, aber es fehle eine Art Allianz, um so die Perspektiven junger migrantischer Menschen nach außen mit stärkerer Stimme zu vertreten. Die junge Islamkonferenz war schon mit dabei, Vertretungen von Roma und Sinti, der Black Community Foundation, dem Integrationsbeirat oder der jüdischen Gemeinde. Bislang ohne Erfolg waren die Einladungen an die jesidische und die kurdische Community.

Im Frühjahr geht es in den nächsten Akademiezyklus. „Wir haben eine projektbezogene Förderung. Im nächsten Jahr läuft das Projekt aus“, sagt Sahin. Er und Akpinar setzen sich dafür ein, dass es eine Regelförderung und damit längerfristige Planbarkeit gibt. Der Bedarf nach solchen Projekten sei jedenfalls groß.

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