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Frankfurt stellt sich nach ruhigen Jahren auf ein wildes Silvester ein

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Von: Hanning Voigts

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Die traditionelle Silvesterparty im Kurhaus ist bereits vor Wochen abgesagt worden. Auch ein Feuerwerk wird es auf dem Bowling Green nicht geben. Als Grund für die Absage nennt Martin Michel, Geschäftsführer der Wiesbaden Congress & Marketing-Gesellschaft, die Auswirkungen der Corona-Pandemie und die Energiekrise. Die Menschen besuchten Kulturereignisse noch nicht in dem Maße wie vor der Pandemie. Somit sei die Wirtschaftlichkeit der Party infrage gestellt. Das farbenprächtige Spektakel zum Jahreswechsel wird üblicherweise komplett aus den Einnahmen des Party-Ticketverkaufs finanziert. Es gibt aber kein Böllerverbot in der Stadt. Vielmehr gelten die Regeln des Landes Hessen, wonach nicht in der Nähe von Krankenhäusern, Altenheimen, Kirchen und Fachwerkhäusern geböllert werden darf. mre
Die traditionelle Silvesterparty im Kurhaus ist bereits vor Wochen abgesagt worden. Auch ein Feuerwerk wird es auf dem Bowling Green nicht geben. © Michael Schick

Viele Verletzte befürchtet. Unfallklinik bittet bereits um Verständnis, falls es längere Wartezeiten geben werde.

Die Unfallklinik in Frankfurt bittet vorsorglich um Verständnis für eventuell längere Wartezeiten zum Jahreswechsel. Ab den späten Abendstunden an Silvester und besonders nach Mitternacht rechnet die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik (BGU) mit einer erhöhten Zahl an Notfällen wegen des Alkoholkonsums sowie mit Hand- und Explosionsverletzungen durch Feuerwerkskörper, wie der Ärztliche Direktor Reinhard Hoffmann sagte.

Besondere Vorkehrungen trifft die Spezialklinik nicht – man bereite sich wie jedes Jahr auf Silvester sehr entspannt vor. Die Notfall-Dienstgruppen seien wie immer gut besetzt, eine zusätzliche, vorsorgliche Aufstockung sei daher nicht erforderlich, sagte Hoffmann. Bei einem außergewöhnlich großen Anfall von Verletzten sei ein Aufstocken aber jederzeit möglich.

Auch im Frankfurter Universitätsklinikum und im Bürgerhospital wird es rund um Silvester eine normale Personalbesetzung geben, wie Sprecher der jeweiligen Klinken berichteten. Die Notaufnahmen seien aber für alle Notfälle gerüstet.

„Mit längeren Wartezeiten ist in jedem Fall zu rechnen“, sagte Reinhard Hoffmann von der BGU: „Für die chirurgische Versorgung stehen dann hoch spezialisierte OP-Teams zur Verfügung.“ Die Versorgung dieser Patient:innen ziehe sich allerdings in aller Regel bis weit in den Neujahrstag und auch darüber hinaus hin.

An Silvester kämen Patient:innen mit abgetrennten Fingern, Verbrennungen, Frakturen und Weichteilverletzungen, berichtete Christoph Hirche, Chefarzt der Plastischen, Hand- und Rekonstruktiven Mikrochirurgie an der BGU. „Oft sind die Verletzungen so schwer, dass die Betroffenen trotz schneller ärztlicher Hilfe und erfolgreicher rekonstruktiver Eingriffe irreversible Schäden davontragen oder eine Wiederherstellung nicht mehr möglich ist.“ Besonders oft betroffen seien junge Männer.

Aufgrund der hohen Verletzungsgefahr warnte der hessische Sozialminister Kai Klose (Grüne) vor riskanten Experimenten mit Feuerwerkskörpern. Verbraucher:innen sollten nur zugelassene Produkte kaufen und sie nur nach Anleitung abfeuern, sagte Klose. Besonders warnte der Minister vor illegalem oder selbstgebasteltem Feuerwerk. Dieses sei „erheblich unsicherer als zugelassenes Feuerwerk“.

Die Party nach Corona

Nach den Einschränkungen in der Corona-Pandemie dürfte der Jahreswechsel in diesem Jahr wieder vielerorts in Hessen im gewohnten Umfang mit Böllern und Feuerwerk eingeläutet werden. Umwelt- und Tierschützer:innen sehen das kritisch: Das Böllern verschmutze nicht nur die Luft, sorge alljährlich für zahlreiche Verletzte und bringe Unmengen von Müll hervor, auch viele Wild- und Haustiere gerieten zu Silvester heftig unter Stress. Wie in früheren Jahren werden Appelle zu Verboten oder einem Verzicht auf privates Feuerwerk laut.

An keinem Tag im Jahr sei die Feinstaubbelastung der Luft höher als zu Silvester, erklärt etwa der Umweltschutzverband BUND Hessen. Auch Sigrid Faust-Schmidt vom Landestierschutzverband Hessen erklärt: „Aus Tierschutzsicht sind Silvester-Feuerwerke tatsächlich abzulehnen. Für alle Tiere, vom Haustier, Wildtier, Zootier bis zum sogenannten Nutztier bedeutet das Böllern zu Silvester Stress.“ Schlimmer werde es dadurch, dass das Zünden der Feuerwerkskörper nicht mehr auf die Stunde um den Jahreswechsel begrenzt sei. Vielmehr versetze teils tagelanges Knallen die Tiere mit ihrem meist empfindlichen Gehör in Dauerpanik.

Nach zwei Silvesterfeiern ohne Feuerwerk und mit Kontaktbeschränkungen erwartet auch die Stadt Frankfurt in diesem Jahr wieder eine ausgelassene Feiernacht und damit einhergehend mehr Sachbeschädigung, mehr Verletzte, mehr Feinstaub.

Dass die vergangenen beiden Jahreswechsel ruhiger waren, zeigt sich auch in den Schäden dieser Nächte. So hat die Zurich Versicherung ausgewertet, dass es bei den Sach- und Gebäudeschäden einen Rückgang um 29 Prozent in den sechs größten deutschen Städten gab. Spitzenreiterin ist Köln mit einem Rückgang von 43 Prozent. Frankfurt liegt mit 28 Prozent knapp unter dem Durchschnitt und belegt Rang drei der sechs Städte. Bei den Kfz-Versicherungsschäden in den vergangenen beiden Silvesternächten war es ähnlich. Der Schaden ging um 37 Prozent zurück. Spitzenreiterin ist München mit minus 50 Prozent, Frankfurt landet wieder im Mittelfeld mit 40 Prozent Rückgang. (dpa / han / tjs)

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