+
Bei der AWO-Kreiskonferenz am Samstag in Frankfurt mussten die Medien draußen bleiben. Frank Rumpenhorst/dpa

AWO-Affäre

Frankfurt: AWO stellt sich neu auf

  • schließen

Die Neuwahl soll, vor dem Hintergrund der schweren Vorwürfe, am 15. Februar stattfinden. Bei einem Krisentreffen am Samstag haben sich mehrere Kandidaten für die Wahl des Präsidums vorgestellt.

Auf der Kreiskonferenz der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Frankfurt haben sich am Samstag mehrere Kandidaten für die Neuwahl des Präsidiums vorgestellt. Wie die Sitzungsleiterin Sylvia Schenk (SPD), frühere Sportdezernentin der Stadt Frankfurt, mitteilte, wolle die Juristin Petra Rossbrey (SPD), Geschäftsführerin der Fraport-Tochterfirma GCS, für den Vorsitz des Präsidiums kandidieren.

Zur Wahl als Stellvertreterin und Stellvertreter hätten sich Barbara Dembowski, Juristin beim Hessischen Datenschutzbeauftragen, und Hauke Hummel vom AWO-Ortsverein Nied bereiterklärt.

Die Wahl des neues Präsidiums sei für Samstag, 15. Februar, angesetzt. Die amtierenden Präsidiumsmitglieder Turgut Yüksel (SPD) und Rudi Kraus hätten ihre Unterstützung zugesagt. „Wir wollen mit guten Kandidatinnen und Kandidaten den Neuanfang bei der AWO Frankfurt und die AWO in sicheres Fahrwasser lenken“, sagte Schenk.

Bei den Beschäftigten und den Betreuten der AWO herrsche angesichts der Vorwürfe, die bestünden, große Unsicherheit, sagte sie. Beschäftigte fürchteten nicht nur den weiteren Prestigeverlust ihres Arbeitgebers, sondern auch um ihre Jobs. Insgesamt sind bei der AWO Frankfurt laut Pressesprecher Johannes Frass derzeit 1105 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Kreiskonferenz fand vor dem Hintergrund schwerer Vorwürfe gegen führende Funktionäre der AWO Frankfurt, Wiesbaden und des AWO-Bezirks Hessen-Süd statt. Dabei geht es unter anderem um überhöhte Rechnungen, sehr hohe Gehälter, teure Dienstwagen und Grundstücksdeals, aber auch die starke personelle Verflechtung der Kreisverbände Wiesbaden und Frankfurt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug. Die Stadt Frankfurt hat Strafanzeige gestellt. Die AfD hat wiederum Strafanzeige gestellt, die sich gegen Amtsträger der Stadt richtet. Die Stadt habe die Praktiken der AWO viel zu lang geduldet, hieß es. Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) wies dies zurück.

Wie der AWO-Sprecher mitteilte, habe der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler bei der Kreiskonferenz über die Prüfung der Geschäfte der AWO-Frankfurt berichtet. Dabei hätten die Prüfer schon jetzt „erhebliche Verstöße gegen den Governance-Kodex“ der AWO festgestellt. Es seien noch nicht alle Unterlagen gesichtet worden. Die Prüfung dauere an.

Wie Frass weiter ausführte, nahmen rund 110 Delegierte und Mitglieder an der Versammlung teil. Die Stimmung beschrieb er als „nicht hitzig“. Viele hätten ihre eigene Situation und ihre Gefühlswelt „relativ sachlich“ dargestellt. Die Kreiskonferenz fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Sylvia Schenk fasste die Stimmung so zusammen: „Viele waren wütend und traurig zugleich.“ Einzelne AWO-Mitglieder, die sich seit Jahrzehnten für den Sozialverband engagierten, hätten sich entsetzt ob der Vorwürfe gezeigt.

Die Staatsanwaltschaft hat in der vergangenen Woche bei Ermittlungen gegen zwei Frauen und vier Männer, die bei der AWO in Frankfurt oder Wiesbaden leitend tätig waren, sechs Wohnungen und acht Geschäftsräume durchsucht.

Nicht an der Kreiskonferenz teil nahmen laut Schenk der frühere Geschäftsführer der AWO Frankfurt, Jürgen Richter, der frühere Vorsitzende der AWO Frankfurt, Ansgar Dittmar, der Geschäftsführer der AWO Protect gGmbH, Klaus Roth, und der Rechtsberater Panagiotis Triantafillidis. Die Abwesenheit des alten Führungspersonals sei „mit Erleichterung“ aufgenommen worden, sagte Schenk.

Entlastet wurde das alte Präsidium am Samstag nicht. Es sei rechtlich möglich, das alte Präsidium nicht zu entlasten, um juristische Schritte abzuwarten, und gleichwohl am 15. Februar ein neues Präsidium zu wählen, sagte Schenk. Bei der Kreiskonferenz am Samstag hätten aufgrund möglicher Formfehler keine Beschlüsse getroffen werden können.

So sei die Einladung durch den AWO-Vorsitzenden Ansgar Dittmar (SPD) am selben Tag ergangen, an dem er zurückgetreten sei. Auch wurde das bisherige Präsidium im Juni gewählt, aber erst im Dezember ins Vereinsregister eingetragen. Die Einladung zur Kreiskonferenz sei schon vorher ergangen.

Kritik kam von Yanki Pürsün (FDP), Frankfurter Stadtverordneter und Mitglied des Hessischen Landtag. „Die AWO hat eine weitere Chance für einen Neuanfang verpasst“, sagte er. Zu viele, die ihre Privilegien verteidigten und ihre Verfehlungen nicht zugäben, seien bei der Versammlung nicht zugegen gewesen. Er forderte die Beschuldigten auf, sich von ihren jeweiligen Posten zurückzuziehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare