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Protest gegen Stellenabbau bei Sanofi vor der Jahrhunderthalle in Unterliederbach.

Entlassungen

Frankfurt: Stellenabbau bei Sanofi

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Rund 400 Beschäftigte protestieren gegen Entlassungen beim Frankfurter Pharmakonzern.

Dem Eingang der Jahrhunderthalle in Frankfurt prangt: „Sanofi Geschäftsführung verzockt unseren Standort“. Darunter haben sich rund 400 Beschäftigte des französischen Pharmakonzerns Sanofi versammelt. In orangen Warnwesten und mit Fahnen und Schildern ausgestattet, haben sie am Montagmittag im Vorfeld einer Betriebsversammlung gegen einen erneuten Stellenabbau am Standort in Frankfurt-Höchst demonstriert.

„Wir wollen hier ein wichtiges Signal in Richtung Paris senden“, sagt Ralf Erkens, Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Der in Frankreich sitzende Konzern habe vor, im Zuge von Restrukturierungen 168 Stellen am Frankfurter Standort abzubauen, 144 davon in der Forschungsabteilung, die weiteren 24 in der Arzneimittelsicherheit. Sanofi bestätigt einen Stellenabbau im niedrigen dreistelligen Bereich, betonte aber, dass der Konzern und der Betriebsrat erst am Anfang der Verhandlungen stünden. Diese Maßnahme wäre laut IG BCE die 15. in einer langen Reihe von Restrukturierungswellen, mit denen der Konzern seit 2010 scheibchenweise die Belegschaft verkleinert.

„Die zahlreichen Entlassungen führen neben dem Verlust von Arbeitskräften zu massiver Arbeitsverdichtung und Stress. Die Leute können sich ja auch nicht richtig um die Arbeit kümmern, wenn sie immer Angst haben müssen, morgen entlassen zu werden“, sagt Armin Wick, Betriebsrat und Vorsitzender der Vertrauensleute bei Sanofi. Ralf Erkens fügt an, dass Restrukturierungen durchaus verständlich und notwendig seien, aber nicht so, wie Sanofi sie durchführe. Neue Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bekämen nur noch Zeitverträge, demografische Probleme würden nicht beachtet. Darüber hinaus sei nicht abzusehen, welche langfristigen Konsequenzen die Umorganisation für den Standort mit sich bringe. Sanofi erwirtschaftet in Deutschland rund fünf Milliarden Euro im Jahr, vor allem mit dem Medikament Insulin. In Frankfurt sei aus der langjährigen Kernkompetenz Insulin ein voll integrierter Bio-Campus entstanden, teilt das Pharmaunternehmen mit. Man investiere in den Standort, das zeige beispielsweise das gerade erst eröffnete Entwicklungszentrum für medizinische Geräte.

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