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Beim Heizen geht derzeit sehr viel Geld durch die Schornsteine.
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Beim Heizen geht derzeit sehr viel Geld durch die Schornsteine.

Wirtschaft

Frankfurt: Steiler Anstieg der Strom- und Gaspreise

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
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Wenn Billiganbieter nicht mehr liefern können, fallen die Haushalte in die teurere Grundversorgung zurück. Tausende Haushalte betroffen.

Damian D. ist genervt. Sein Stromanbieter „Stromio“ hat sich einfach aus dem laufenden Vertrag verabschiedet. Eingesprungen ist der lokale Grundversorger, die Energieversorgung Offenbach (EVO). Was an sich gut ist, damit D. und Familie nicht im Dunkeln sitzen. Jetzt aber, so sagt D., beginne der Kampf, einen halbwegs günstigen Stromanbieter zu finden.

Das ist einst „Stromio“ gewesen. Heute verweist das Unternehmen auf seiner Internetseite auf eine „historisch einmalige Preisentwicklung im Strommarkt“, eine „Preisexplosion“. Zuletzt habe sich der Strompreis in der Spitze um über 400 Prozent erhöht. Darum hat „Stromio“ alle Lieferverträge beendet. Das betrifft Kundinnen und Kunden in ganz Deutschland.

Bereits Anfang Dezember hat die Mainova AG in Frankfurt mehr als 5000 ehemalige Kund:innen des Erdgasdiscounters gas.de übernommen, Mitte Dezember dann 7600 von „Stromio“. Die ungeplanten zusätzlichen Mengen an Strom und Gas müsse die Mainova zum aktuell hohen Preis nachbeschaffen. Der Energieversorger hat darum Anfang Januar Neukundentarife für Gas und Strom in der Grund- und Ersatzversorgung eingeführt. Den Grundpreis bei Strom und Gas kalkuliert die Mainova wie bei den Bestandskunden. Der Arbeitspreis erhöht sich beim Strom von 32,61 Cent pro Kilowattstunde auf 79,88, beim Gas gibt es einen Aufschlag von 8,94 auf 27,85.

Bestandskund:innen, dazu zählen auch die Neuzugänge aus dem Dezember, profitieren weiterhin von einer „langfristigen Beschaffungsstrategie“, so die Mainova. Dank dieser könne der Energieversorger die Auswirkungen der aktuell hohen Großhandelspreise abmildern. So trifft der Preisanstieg vorerst nur die künftige Kundschaft.

Wobei Gas für alle teurer wird. „Hier wirkt sich beispielsweise der Preis für CO2-Emissionen aus“, sagt Sven Birgmeier von der Mainova-Pressestelle. Im Basis-Tarif „Mainova Erdgas Classic“ mit einem Jahresverbrauch von 12 000 seien das rund 8,81 Euro mehr im Monat.

„Wir halten die unterschiedliche Bepreisung für Bestands- und Neukunden zumindest für sehr fragwürdig“, sagt dennoch Peter Lassek von der Verbraucherzentrale Hessen. Die Spaltung widerspreche „unserem Verständnis des freien Marktes und der Liberalisierung im Energiemarkt“. Die Grundversorgung zähle zur Daseinsfürsorge, sie sei auch Auffangbecken für die Verbraucher:innen, die etwa wegen der Insolvenz ihres Versorgers aus ihrem Sondervertrag gefallen sind.

Man dürfe nicht Kundinnen und Kunden dafür bestrafen, wenn sie an ein Unternehmen geraten, das unzureichend kalkuliere oder unlauter am Markt agiere. Zumal Neukund:innen nur einen geringen Anteil am Kundenstamm der Grundversorger ausmachen dürften, die Auswirkungen auf die Beschaffungsstrategie sollten sich also in Grenzen halten, findet Lassek. Sven Birgmeier von der Mainova sieht das anders. „Wir gehen davon aus, dass vor dem Hintergrund der außergewöhnlichen Marktsituation die von uns gewählte Vorgehensweise zulässig ist.“ Das sehe auch der Branchenverband kommunaler Unternehmen so, der sich bei den Landeskartellbehörden Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen rückversichert habe.

Einfacher scheint die Einschätzung mit Bezug auf den verflüchtigten Anbieter. Wenn der seiner vertraglichen Verpflichtung nicht nachkomme und die Kundinnen und Kunden dann beim Grundversorger mehr bezahlen müssten, entstehe durchaus ein Schaden. „Den müssen Sie gegenüber dem Anbieter darlegen und Ausgleich einfordern“, rät Peter Lassek.

Damian D. wird das versuchen. Wenngleich ihm schwant, dass da womöglich nicht viel zu holen ist: Mehrere Hunderttausend Haushalte sollen von „Stromios“ Abgang betroffen sein.

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