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Die Büros in den obereren Stockwerken der Frankfurter Hochhäuser werden auch immer teurer. Foto: Rolf Oeser

Büros in Frankfurt

Steigende Büromieten in Frankfurt zwingen Unternehmen in die Randgebiete

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In der Frankfurter Innenstadt sind die Mieten für Büros so hoch, dass Unternehmen zunehmend Flächen außerhalb des Zentrums suchen. Auch Randlagen werden dadurch teurer.

  • Unternehmen finden immer schwieriger bezahlbare Büroflächen
  • Betroffen sind vor allem Start-Ups
  • Nachfrage nach Immobilien in Frankfurt weiterhin hoch

Frankfurt - Für Unternehmen wird es immer schwieriger, in Frankfurt halbwegs bezahlbare Büroflächen zu finden. Die Durchschnittsmiete ist nach Zahlen des Maklerhauses JLL im vergangenen Jahr stark gestiegen. Sie liegt mit fast 21,50 Euro pro Quadratmeter 6,5 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Günstige Flächen sind kaum noch zu haben – auch weil Bürohäuser in einfachem Standard in größerem Umfang in Wohnraum umgewandelt wurden. Noch 2018 gab es laut JLL 188 Abschlüsse mit Mieten unter 15 Euro pro Quadratmeter. Vergangenes Jahr waren es nur noch 98. Dagegen stieg die Zahl der Abschlüsse mit Mieten über 40 Euro pro Quadratmeter von elf auf 24.

Büromiete in Frankfurt: Schwierigkeiten für Start-Ups

Als Folge der besonders in der Innenstadt steigenden Mieten schauen Unternehmen auf Bürosuche nach Beobachtung des Maklerhauses zunehmend in dezentrale Lagen, sichern sich zum Beispiel Flächen in der zu Bockenheim gehörenden City-West, in der inzwischen Lyoner Quartier genannten Bürostadt Niederrad oder in Eschborn. Und das lässt überall im Marktgebiet die Mieten wachsen. Die liegen auch im Offenbacher Stadtteil Kaiserlei etwa inzwischen bei bis zu 16 Euro pro Quadratmeter.

Vor besonders große Schwierigkeiten stellt das teure Angebot Start-ups. Weil auch die Co-Working-Flächen – deren Zahl, wenn auch in sinkendem Tempo, weiter steigt – für junge Unternehmen viel zu hohe Mieten verlangen, seien diese teilweise gezwungen, sich außerhalb Frankfurts anzusiedeln, sagte Markus Kullmann, Regional Manager Frankfurt bei JLL, am Donnerstag bei der Vorstellung des Marktberichts.

Steigende Büromiete in Frankfurt: Nachfrage nach Immobilien bleibt groß

Anders sieht die Situation nach Beobachtung des Maklerhauses bei den großen teuren Flächen in den neuen Hochhäusern aus, die im Bankenviertel oder auch an der Messe entstehen. Für die Masse dieser „Prime-Flächen“, die derzeit und in den kommenden Jahren auf den Markt kommen, gingen Frankfurt und Region langsam die Mieter aus, sagte Kullmann. Denn letztlich sei der Frankfurter Bürovermietungsmarkt eine Art großer Verschiebebahnhof. Spektakuläre Neuzugänge von Mietern aus anderen Regionen gebe es – anders als in Berlin – kaum.

Die Nachfrage nach Immobilien in Frankfurt bleibt indes sehr hoch. Wegen der weiter gesunkenen Zinsen drängten derzeit zum Beispiel Versicherungen sehr aggressiv in den Markt, sagte Marcus Lütgering, Head of Office Investment Germany bei JLL. Dass der Umsatz auf dem Investmentmarkt mit knapp zehn Milliarden Euro deutlich geringer ausfiel als im Rekordjahr 2018, habe vor allem mit dem „eklatanten Angebotsmangel“ zu tun. Der Verkaufswillen von Eigentümern habe nachgelassen. Denn die hohen Mieten garantierten diesen einen sicheren Ertrag. Verkaufen lohne sich nicht – schon weil der Erlös wegen der mangelnden Anlagealternativen ohnehin wieder in Immobilien gesteckt werde.

Prognose: Mieten und Preise in Frankfurt steigen weiter

Für 2020 rechnet JLL mit weiter steigenden Preisen und Mieten. Und das obwohl nach Prognose der Makler durch den Personalabbau im Bankensektor bis zu 70 000 Quadratmeter Bürofläche auf den Markt kommen könnten und etwa 100 000 Quadratmeter noch unvermieteter Büros in neuen Projekten fertig werden.

Der Leerstand ist zuletzt aber von Jahr zu Jahr gesunken. Und was im Bau ist, wird im Schnitt zu sehr hohen Mieten zu haben sein. Insbesondere in der Innenstadt werden Eigentümer nach Einschätzung von JLL zudem bei auslaufenden Verträgen deutlich höhere Mieten verlangen.

Die Wohnkosten steigen in Frankfurt viel stärker als die Einkommen. Selbst Durchschnittsverdiener finden kaum noch eine für sie bezahlbare Wohnung. Das hat auch Folgen für das Umland.

5300 Euro pro Quadratmeter hat 2019 eine Eigentumswohnung in Frankfurt im Schnitt gekostet. Ganz oben in den Wohntürmen wird teils sogar das Vierfache gezahlt.

Büromarkt Frankfurt

580.000 Quadratmeter Bürofläche sind nach Zahlen des Maklerhauses JLL im vergangenen Jahr in Frankfurt neu vermietet worden. Das ist das drittbeste Ergebnis der vergangenen zehn Jahre. 

Die größten Flächen mieteten die Deka Bank (Niederrad), die Stadt (City West), die Banken ING (City West) und BNP (Bockenheim) und der Personaldienstleister Randstad (Eschborn) an. 

Die Leerstandsquote sank auf 5,5 Prozent. 637 000 Quadratmeter Büroraum stehen leer, 2014 waren es noch 1,25 Millionen Quadratmeter. 

Die Durchschnittsmiete stieg laut JLL auf 21,50 Euro pro Quadratmeter, die Spitzenmiete auf 41,50 Euro. Andere Maklerhäuser sehen die Spitzenmiete gar bei 45 Euro pro Quadratmeter. cm

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