Übt schon mal die Abstandsregeln im Zuschauerraum: Schauspielintendant Anselm Weber.
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Übt schon mal die Abstandsregeln im Zuschauerraum: Schauspielintendant Anselm Weber.

Kultur

Frankfurt: Städtische Bühnen zeigen erste Theater-Aufführungen

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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In Frankfurt wagen sich die ersten Theater aus der Corona-Pause. In den Kammerspielen gibt es ab Juni Aufführungen für 25 Besucher.

Die lange entbehrungsreiche Zeit für die Freunde des Theaters in Frankfurt geht zu Ende. Die Städtischen Bühnen geben nach Monaten der Schließung ein erstes zaghaftes Lebenszeichen von sich. Im Juni öffnen die Kammerspiele wieder, kündigt Sandra Strahonja an, die Sprecherin des Schauspiels Frankfurt. Doch das Theater im Zeichen der Corona-Pandemie wird ein ganz anderes sein als das gewohnte.

Die Kammerspiele sind das Kleine Haus des Schauspiels, das von seinem intimen Charakter lebt. Dicht an dicht sitzen die Menschen dort normalerweise in einer sehr konzentrierten Atmosphäre, nahe an der Bühne, eng am Stück. Davon wird jetzt nichts bleiben. Von den 200 Sitzplätzen im Saal, die amphitheaterähnlich angeordnet sind, dürfen in Corona-Zeiten gerade einmal 25 besetzt werden, mehr nicht. Mit großer Distanz zwischen den Besuchern. Wirtschaftlich lohnt sich das natürlich nicht für das Haus, wie Strahonja bestätigt.

Was aber bietet das Corona-Theater künstlerisch? Schauspielintendant Anselm Weber will mehrere Stücke zeigen, aus dem Repertoire, aber auch neue Stoffe. Die Inszenierungen werden sich dem Gebot des Abstands beugen, auch auf der Bühne. Nur wenige Darsteller. Man darf gespannt sein, wie sich Liebes- oder Kampfszenen jetzt entfalten. Ob die Akteure auf der Bühne mit Erfolg gegen das aseptische Gefühl anspielen können. Ob überhaupt Theateratmosphäre entsteht.

Kein Gesang auf der Bühne

Denn die Menschen werden das Haus nur mit Mund-Nasen-Schutz betreten dürfen. Erst wenn die Sitze im Zuschauerraum erreicht sind, können die Masken fallen. Livemusik oder Gesang auf der Bühne sind nicht erlaubt. Denn Sängerinnen und Sänger sollten nach Pandemiegebot einen Abstand von sechs Metern untereinander einhalten.

Das Team des Schauspiels glaubt dennoch, dass die Menschen kommen werden, um all das zu erleben. Das Publikum sei nach langer Abstinenz „hungrig“ nach dem Liveerlebnis im Theater, so schätzt es Strahonja ein. Es wird in jedem Fall ein sehr ausgewähltes Publikum sein, glücklich, wer eine Karte ergattert. Denn selbstverständlich muss das Schauspiel zunächst seine Abonnenten berücksichtigen, die bereits für eine ganze Spielzeit bis zum 3. Juli bezahlt haben. Was die Aufführungen an der Theaterkasse kosten werden, ist noch nicht ganz klar.

Das Große Haus mit seinen 700 Sitzplätzen aber bleibt definitiv geschlossen und wird in dieser Spielzeit nicht mehr öffnen. Darauf hat sich Intendant Weber festgelegt.

Doch auch hier gibt es ein hoffnungsvolles Zeichen. Am Dienstag dieser Woche hat das Ensemble mit den Proben für die neue Saison begonnen. David Bösch inszeniert „Was ihr wollt“ von William Shakespeare, eine Komödie, ein Verwirrspiel, in dem Masken und verborgene Identitäten im Zentrum stehen. Genau das Passende also für das Theater in den Zeiten der Pandemie. Im September, so hoffen Intendant Weber und das Ensemble, wird die neue Spielzeit 2020/2021 beginnen können. Ob das Publikum dann noch immer Masken tragen muss? Manches spricht dafür.

Von den 700 Sitzplätzen im Großen Haus, so hat Weber schon errechnet, wird er unter Pandemieregeln lediglich 140 anbieten können. Der Intendant und das Team sind entschlossen, auch diese Herausforderung anzunehmen.

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