„Alle wollen ständig weggehen“ - es läuft ja auch nichts mehr an den Städtischen Bühnen. Foto: Peter Jülich
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„Alle wollen ständig weggehen“ - es läuft ja auch nichts mehr an den Städtischen Bühnen. 

Saison

Frankfurt: Städtische Bühnen brechen ihre Spielzeit ab

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Die Saison ginge noch bis Anfang Juli. 1200 Beschäftigte sind in Kurzarbeit.

wegen der Corona-Pandemie haben die Städtischen Bühnen in Frankfurt zum ersten Mal in der Nachkriegszeit ihre Spielzeit abbrechen müssen. Sie wäre planmäßig erst Anfang Juli zu Ende gegangen. Seit 30. April befinden sich die rund 1200 Beschäftigten der Bühnen-GmbH offiziell in Kurzarbeit, die bis zum Ende des Jahres befristet ist. Auch im städtischen Künstlerhaus Mousonturm gibt es in der dieser Saison keine Vorstellungen mehr.

Schauspiel-Intendant Anselm Weber, der sich im Gespräch mit der FR auch in seiner Eigenschaft als GmbH-Geschäftsführer äußerte, bezifferte die Einnahmeverluste seit der Schließung von Oper und Schauspiel am 13. März auf 3,5 Millionen Euro. Diesem Verlust stünden aber Ausgaben gegenüber, die wegen des ausfallenden Spielbetriebes nicht getätigt werden müssten.

Bis zur erzwungenen Schließung hatten die Bühnen eine wirtschaftlich sehr erfolgreiche Saison erlebt, allein die Auslastung des Schauspiels lag bei 95 Prozent. Jetzt ist die Perspektive für beide Häuser ungewiss. „Wir fahren auf Sicht“, gab der Intendant zu. Alle Planungen orientierten sich im zweiwöchigen Rhythmus an den Entscheidungen der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten zur Corona-Pandemie. Webers Absicht ist gegenwärtig, vom 18. Mai an am Schauspiel für die nächste Spielzeit zu proben. Die Saison könnte dann im September beginnen; im Detail vermag sich der Intendant noch nicht festzulegen.

Tickets

Bereits erworbene Karten  für die Städtischen Bühnen werden zurückgenommen. Für Veranstaltungen vom 13. März bis zum 20. April wird der Kaufpreis entweder zurückerstattet oder es gibt einen Gutschein in Höhe des Ticketpreises.

Für Veranstaltungen  ab dem 20. April bis zum Ende der Spielzeit erfolgt die Rückerstattung in Form eines Gutscheins. Auch Abonnenten erhalten Gutscheine.

Wer möchte, kann den Wert seiner Karte spenden, um den Bühnen zu helfen.

Beim Mousonturm  behalten Karten ihre Gültigkeit, wenn es für die abgesagte Vorstellung bereits einen neuen Termin gibt. Andernfalls wird der Kaufpreis zurückerstattet. 

Weber zeigte sich entschlossen, einen Spielbetrieb auch unter den Vorzeichen der Corona-Pandemie zu ermöglichen. „Wir müssen uns als Theater darüber im Klaren werden, ob wir uns der Situation stellen oder uns verstecken wollen.“ Er plädiere dafür, dass „wir uns als Kulturinstitut der Gesellschaft gegenüber öffnen“. So könnte sich der Spielbetrieb in der neuen Saison an den geltenden Abstandsregeln orientieren. Das würde nach den Worten des 57-Jährigen bedeuten, dass der Große Saal des Schauspielhauses statt 700 Sitzplätzen nur 140 anböte. In den Kammerspielen würde sich das Platzangebot von 200 auf 30 reduzieren. Im Spielplan werden geplante Inszenierungen verschoben.

Auch Gastdarstellern, die außerhalb des Ensembles engagiert werden sollten, musste der Intendant absagen. Näheres hofft Weber Ende Juni in einem Ausblick auf die künftige Saison erläutern zu können. Im Ensemble und im gesamten Schauspiel gebe es jedenfalls eine „große Bereitschaft“, auch ästhetisch auf die Herausforderungen durch die Pandemie zu reagieren. Inhaltlich werde sich das Schauspiel auch weiter mit den brennenden Fragen der Gesellschaft auseinandersetzen, etwa der rechtsextremen Gewalt.

Von den 1200 Bühnenbeschäftigten halten sich gegenwärtig nur noch 50 bis 60 in dem riesigen Gebäude am Willy-Brandt-Platz auf. Sie steuern die technischen Anlagen und gewährleisten die Sicherheit. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) bedauerte das erzwungene Ende der Spielzeit. Die Dimensionen und Folgen der Corona-Pandemie für den Spielbetrieb seien noch gar nicht abzuschätzen. Wenn die Bühnen ihren Betrieb wieder aufnähmen, müsse dabei ein „maßvolles Sicherheitskonzept“ verwirklicht werden. „Sicherheit ist oberstes Ziel,“ sagte die Stadträtin im Gespräch mit der FR. Es gelte, eine Balance zu finden zwischen der Angst der Menschen und ihrem Bedürfnis nach einem kulturellen Angebot. „Die Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf die Pandemie, was sie mit unserem Gefühlsleben macht, ist sehr verschieden.“

Unter den 1200 festangestellten Beschäftigten der Städtischen Bühnen hat es nach den Worten von Geschäftsführer Weber bisher keinen einzigen bestätigten Fall einer Corona-Erkrankung gegeben. Der Schauspielintendant bedankte sich ausdrücklich beim Betriebsrat für die rasche Übereinkunft für eine Betriebsvereinbarung zur Kurzarbeit.

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