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Hochwasser am Main.
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Hochwasser am Main.

Klimawandel

Frankfurt: Städte sind auf Starkregen nicht gut vorbereitet

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Andreas Becker vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach fordert eine bessere Vorbereitung auf zukünftige Extremwetter-Ereignisse und warnt vor veränderten Verhältnissen.

In Japan, sagt Andreas Becker, weiß jeder Mensch, was zu tun ist, wenn es ein Erdbeben gibt. Alle werden von klein auf instruiert. Und in Deutschland? Was passiert, wenn beispielsweise das Hochwasser kommt, so wie im Juli in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen? Die Menschen waren völlig überrascht und weitgehend hilflos.

„Wir brauchen eine Handlungsempfehlung für Starkregen und Hochwasser“, sagt Becker, Leiter der Abteilung Klimaüberwachung beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Beim Online-Pressegespräch, vermittelt von einem Projekt freier Journalist:innen und unterstützt von der European Climate Foundation, fordert er mehr Vorbeugung gegen die Folgen des Klimawandels. Und dazu zählen Starkregenereignisse.

Becker hat mehr als zehn Jahre lang das Referat für Niederschlagsüberwachung beim DWD geleitet. Niederschlag wird immer wichtiger, weil seltener im Sommer, sagt er. Aber wenn er dann kommt, der Regen, dann inzwischen oftmals zu gewaltig. „Das ist der Fluch.“

Je wärmer unser Klima wird, desto größer werde der sogenannte Sättigungsdampfdruck, schildert der Fachmann. Das Phänomen beschere dem Regen dann mitunter eine doppelt so hohe Intensität, wie wir sie von früher kennen. Weltrekord bisher: 1800 Liter in 24 Stunden pro Quadratmeter in Madagaskar. Das Zweieinhalbfache dessen, was auf Frankfurt niedergeht – im Jahr.

„Wir haben jetzt schon ein enormes Schadensgeschehen“, sagt Andreas Becker, „aber die Atmosphäre könnte noch deutlich schlimmer.“ Keine Region dürfe sich sicher fühlen, denn: „Unser Siedlungsentwässerungskomfort ist auf Kante genäht. Deshalb sind wir da verwundbar.“

Die Kanalisation unserer Städte wurde konzipiert, als niemand vom Klimawandel wusste - beziehungsweise niemand die Warnungen ernst nahm, die es schon vor fast 50 Jahren gab. Jetzt ist diese Kanalisation mit den Regenmengen regelmäßig überfordert. Was tun? Die Straßen aufreißen und überall dickere Rohre verlegen? Ausgeschlossen. Die Schwammstadt ist es, die helfen soll. Begrünt, wo immer es geht, damit das Wasser wenigstens eine Weile festgehalten wird und nicht ungebremst durch versiegelte Wohngebiete rauscht. Aus Italien kennt Becker auch Straßen mit V-Profil, das Gefälle zur Fahrbahnmitte hin, nicht zum Straßenrand. Dann wird die Straße bei Hochwasser zum Fluss und kann nicht mehr befahren werden, leitet aber die Fluten gezielt weg von den Kellern am Straßenrand.

Nötig ist laut Becker beides: Klimaschutz und Klimaanpassung. „Was wir bei der Vorbeugung nicht schaffen, wird hinterher deutlich teurer – jedes Zehntelgrad bei der Erderwärmung zählt.“ Dennoch sei jetzt schon nicht mehr zu verhindern, dass es viel häufiger viel heftiger schüttet. Für diese Situationen sei eine Starkregenkarte sinnvoll, wie sie die Stadt Frankfurt jüngst im Internet veröffentlicht hat: mit Überflutungsszenarien an gefährdeten Orten. Es gibt bereits Ansätze, darauf mit dem Anlegen von Retentionsflächen zu reagieren, etwa in Nieder-Erlenbach.

In Köln, sagt Becker, habe es zunächst Bedenken gegeben, ob solch eine Karte nicht den Wert der Immobilien schmälert, die in Hochwassergefahrzonen stehen. Inzwischen habe sich aber die Auffassung durchgesetzt, dass der Starkregenplan ein wichtiges Mittel der Vorbeugung sei.

„Im Klimaschutz ist noch viel zu tun“, mahnt der Mann vom Wetterdienst, das sei die Grundlage. Darin ist er sich mit den Leuten vom Klimaentscheid einig, die gerade Unterschriften für ein Bürgerbegehren in Frankfurt sammeln. Ziel: klimaneutrale Energieversorgung so schnell wie möglich.

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