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Frankfurt: Stadtverordneter zieht sich nach Drohungen zurück

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Von: Christoph Manus

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Der Frankfurter SPD-Stadtverordnete Omar Shehata kämpft als integrationspolitischer Sprecher seiner Fraktion gegen Rassismus. Nun wird er selbst beleidigt und bedroht.
Der Frankfurter SPD-Stadtverordnete Omar Shehata kämpft als integrationspolitischer Sprecher seiner Fraktion gegen Rassismus. Nun wird er selbst beleidigt und bedroht. © christoph boeckheler*

Der Frankfurter SPD-Stadtverordnete Omar Shehata überlegt, sein Mandat aufzugeben. Damit reagiert er auf Drohungen und Hass-E-Mails nach einer Kundgebung.

Der Frankfurter Stadtverordnete Omar Shehata will sich nach Hass-E-Mails und Drohungen gegen ihn zunächst nicht mehr öffentlich äußern und denkt darüber nach, ob er sein Mandat niederlegt. „Wenn Gewaltandrohung gegen mich oder mein privates Umfeld herrscht, muss ich leider diese drastischen Maßnahmen ergreifen“, teilte der integrationspolitische Sprecher der SPD im Römer am Montagabend auf Facebook mit. „Das Ganze hat eine Dimension angenommen, die über jede Kritik hinausgeht.“

Schon wegen einer Petition, mit der er verhindern wollte, dass Stefan Müller – dem er eine rassistische Äußerung vorwirft – Frankfurter Polizeipräsident wird, habe er hasserfüllte E-Mails erhalten, sagt Shehata im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Nun aber sei er mit einer „Flut an Drohungen und Hetzereien“ konfrontiert. Diese stünden in Zusammenhang mit einer Kundgebung, bei der am Samstag der Islamkritiker Michael Stürzenberger auf dem Goetheplatz sprach.

Dort hatte Shehata laut seinen Unmut über Aussagen des Redners, der in der „Bürgerbewegung Pax Europa“ aktiv ist, geäußert. Stürzenberger reagierte. Es kam, wie auf zwei Videos zu sehen ist, die auf Youtube veröffentlicht wurden, zu Wortgefechten. Auch Omar Shehatas voller Name ist in dem Video zu hören; ein Mann identifizierte ihn als SPD-Mitglied. Dass er Stadtverordneter ist, sagte Shehata bei der Kundgebung selbst.

Seit diesem Vorfall hat Shehata, wie er der FR berichtete, unter anderem eine E-Mail erhalten, in der es heiße: „Verpiss Dich aus Deutschland, Du Dreckskerl!“. Zudem seien unter den Videos Kommentare zu lesen gewesen, in denen Shehata beleidigt und bedroht werde. Einiges davon sei inzwischen offenbar gelöscht worden, sagt der Stadtverordnete. Er habe die Kommentare aber gesichert. Besonders schlimm findet Shehata, dass ein Kommentator implizit Unterstützung von Patrioten und Motorradgangs für Stürzenberger gefordert hat. Das hält er für eine Drohung.

Shehata hat nach eigenen Angaben bei der Polizei Anzeige erstattet und den Staatsschutz informiert. Diesem wollte er am Dienstag die Videos schicken.

Nach den Angriffen brauche er erst mal eine Pause, Zeit für sich, sagte Shehata der FR. In den kommenden Wochen werde er zudem darüber nachdenken, ob er sein Mandat als Stadtverordneter aufgibt. „Mir tut es sehr leid für alle, die mich gewählt haben und meine Politik verfolgen“, hat Shehata bereits am Montag auf Facebook geschrieben – und versprochen: „Ich werde weiterhin im Hintergrund eure Interessen vertreten.“

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