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Frankfurt: Stadträtin rät zu Bühnen-Neubau

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    Florian Leclerc
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Die Stabsstelle Städtische Bühnen sieht von einer Sanierung der Städtischen Bühnen ab. Der Verstoß der Kulturdezernentin wird kontrovers aufgenommen.

Als Ergebnis einer einjährigen Prüfung empfiehlt die Stabsstelle der Kommune „unbedingt“ einen Neubau der Städtischen Bühnen in Frankfurt. Auch Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) verlangte am Donnerstag vor Journalisten „eine rasche Grundsatzentscheidung“ der Römer-Koalition für einen Neubau von Oper und Schauspiel.

Der Abschied von der heutigen Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz aus dem Jahr 1963 falle ihr nicht leicht, sagte die Sozialdemokratin. Sie forderte, dass „mindestens eine Bühne“ auch künftig am Willy-Brandt-Platz bleiben müsse. Dafür spreche neben der großen Tradition auch die gute Erschließung dieses Standorts durch öffentliche Verkehrsmittel. Die zweite Bühne muss aus Hartwigs Sicht in der Innenstadt entstehen, „in Korrespondenz mit der Architektur der Hochhäuser“.

Die „kulturelle Stadtlandschaft der Innenstadt“ gehöre weiterentwickelt. Klar positionierte sich die Kulturdezernentin gegen die Haltung der CDU, den Willy-Brandt-Platz ganz aufzugeben und einen Neubau im Frankfurter Osthafen ins Auge zu fassen. Das von der CDU immer wieder genannte städtische Grundstück Mayfarthstraße 12 am Osthafen, das heute an die Firma Raab-Karcher verpachtet ist, erklärte Hartwig für „ungeeignet“. Das städtebauliche Umfeld sei „unattraktiv“, die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel schlecht. Eine Sanierung der Bühnenanlage am Brandt-Platz könne sie „nicht mehr empfehlen“.

Die Prüfung der Stabsstelle ergab, dass eine „verbesserte Sanierungsvariante“ 918 Millionen Euro kosten würde. Zahlreiche Mängel wie Gebäudestruktur und „steinzeitmäßige“ Verkehrserschließung blieben dennoch bestehen, sagte der Leiter der Stabsstelle, Michael Guntersdorf.

Hohe Kosten für zwei Interimslösungen

Außerdem entstünden hohe Kosten für zwei Interimslösungen für Oper und Schauspiel während der Sanierung. Für einen Neubau nur am Willy-Brandt-Platz ermittelte die Stabsstelle Aufwendungen von rund 875 Millionen Euro. Bei der Variante mit zwei getrennten Neubauten, die Hartwig empfahl, fielen Kosten von 809 Millionen Euro an – sie wäre also die wirtschaftlichste.

Guntersdorf nannte es einen Erfolg, dass es der Stabsstelle gelungen sei, die Kosten gegenüber der ersten Machbarkeitsstudie von 2017 um 200 bis 250 Millionen Euro zu drücken. Das heutige Bühnengebäude bezeichnete er als „insgesamt desolat“, die Haustechnik sei „abgängig“.

Dringend empfiehlt die Stabsstelle, ein eigenständiges „Produktionszentrum“ für die Bühnen künftig auszugliedern. Hier sollen die Probebühnen und die Werkstätten konzentriert werden. Die Intendanten von Oper und Schauspiel, Bernd Loebe und Anselm Weber, sprachen sich am Abend für einen Neubau der Bühnen aus. Beide wünschten sich möglichst einen Standort im Herzen der Stadt. Innerhalb der Römer-Koalition wurde Hartwigs Vorschlag kontrovers aufgenommen. Thomas Dürbeck, der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, bekräftigte den gemeinsamen Beschluss seiner Fraktion und Partei, einen gemeinsamen Neubau beider Institutionen an einem anderen Ort als dem Willy-Brandt-Platz vorzuziehen. Ein Verzicht auf Interimsspielstätten spare der Stadt bis zu 100 Millionen Euro, führte er aus. Das von der CDU bevorzugte Areal am Osthafen sei „keine Peripherie“. Das Gebiet entwickele sich rasant. Nun müsse die ÖPNV-Erschließung geklärt werden.

Zurückhaltend gab sich die Grünen-Fraktion im Römer. „Wir laden Frau Hartwig in der nächste Woche ein, uns das Konzept im Detail vorzustellen“, sagte der Fraktionsvorsitzende Sebastian Popp. Er betonte, dass die Grünen den Verbleib beider Häuser am Willy-Brandt-Platz bevorzugten. Allein die SPD im Römer stellte sich geschlossen hinter Hartwigs Vorstoß, eine Sparte am Willy-Brandt-Platz zu belassen. Eine Vermarktung des städtischen Areals komme nicht infrage, sagte die kulturpolitische Sprecherin, Renate Wolter-Brandecker.  

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