Der Stadtplaner Torsten Becker ist Vorsitzender des Frankfurter Städtebaubeirats.
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Der Stadtplaner Torsten Becker ist Vorsitzender des Frankfurter Städtebaubeirats.

Stadtentwicklung

Frankfurt: Stadtplaner wirbt für eine Theatermeile

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Der Stadtplaner Torsten Becker wirbt für mehr Aufenthaltsqualität am Willy-Brandt-Platz. Ein erster Schritt könne ein Neubau der Oper sein.

Der Frankfurter Stadtplaner Torsten Becker wirbt für einen Neubau der Oper auf der gegenüberliegenden Seite des Willy-Brandt-Platzes oder auf dem Areal der Frankfurter Sparkasse zwischen Neuer Mainzer Straße und Wallanlagen.

„Die Spiegellösung am Willy-Brandt-Platz finde ich extrem interessant. Man könnte auf eine Interimslösung verzichten, indem man zuerst die Oper an der Stelle der Euro-Skulptur baut, dann den alten Opernstandort abreißt und das Schauspiel an seine Stelle setzt. Dadurch würde der Willy-Brandt-Platz durch Oper und Schauspiel gefasst“, sagte er. Ein Eingriff in die Grünflächen müsste indes ausgeglichen werden. So ließe sich auf dem neuen Gebäude ein großer Dachgarten bepflanzen; Verkehrsflächen in der Innenstadt ließen sich begrünen.

Spannend für die Oper sei auch der Standort der Frankfurter Sparkasse zwischen der Neuen Mainzer Straße und den Wallanlagen. Damit würden Gallus- und Taunusanlage zur Theatermeile mit Alter Oper, neuer Oper und Schauspielhaus am Willy-Brandt-Platz, integriert in einen durchgehenden Grünzug.

Der Platz vor dem Gebäude selbst müsste aber aufgewertet werden, sagte er. „Im Moment hat der Willy-Brandt-Platz, obwohl er auch historisch eine wichtige Funktion als Verbindung zwischen Bahnhof zur Altstadt erfüllt, keine Aufenthaltsqualität.“ Um den Platz auch tagsüber zu beleben, müsste das Theaterfoyer geöffnet sein, etwa mit Cafés.

Der Taunusturm habe es geschafft, mit Gastronomie und der Dependance des Museums für Moderne Kunst in die Wallanlagen hin auszustrahlen, anders als das frühere EZB-Gebäude, dessen Sockelgeschoss umgestaltet werden sollte. Auch an der stark befahrenen Gallusanlage sei bislang relativ wenig los. Der gepflasterte Willy-Brandt-Platz sollte seiner Ansicht nach grüner gestaltet werden, etwa mit Schattenelementen, einer Loggia oder einem Spiegeldach wie in Marseille.

Zur Person

Torsten Becker ist 49 Jahre alt und seit 2018 Vorsitzender des Städtebaubeirats der Stadt Frankfurt. Sein Büro für Städtebau und Stadtplanung gibt es seit 2002 in Frankfurt, es bearbeitet städtebauliche Projekte in ganz Deutschland.

In Frankfurt hat das Büro die Wettbewerbe für die Günthersburghöfe sowie das Quartier nordöstlich der Anne-Frank-Siedlung in Eschersheim gewonnen. fle

Den Standort am Osthafen für den Bühnenneubau, den die CDU bevorzugt, hält Becker für wenig geeignet. Dieser wäre nur dann in die Überlegungen miteinzubeziehen, wenn man den Osthafen als neues Stadtentwicklungsprojekt betrachten würde, um Frankfurt und Offenbach zusammenwachsen zu lassen. Das lasse der Beschluss, den Osthafen bis 2050 für Gewerbe zu nutzen, aber nicht zu.

Zwar bauten Städte wie Sydney, Kopenhagen, Hamburg, Oslo am Wasser. Mit solchen Lagen könne Frankfurt aber nicht konkurrieren. „Ich glaube, wir sollten lieber auf das spezifisch Frankfurterische abzielen, das Bankenviertel mit seinen Hochhäusern, der Taunusanlage und den Bühnen mittendrin, solch einen Stadtraum gibt es meines Wissens kein zweites Mal auf der Welt.“

Statt nur auf den Bilbao-Effekt mit einem Wahrzeichen zu schielen und damit vor allem Touristen aus aller Welt anzusprechen, sollte die Stadtgesellschaft seiner Ansicht nach eine Lösung finden, die aus ihrem Herzen kommte. „Die Bedürfnisse der Frankfurter Bürger sollten über dem stehen, was von außen erwünscht wird“, sagte er.

Die Bürgerinnen und Bürger müssten sich verständigen, was das Theater und die Oper der Zukunft sein sollten, ein klassisches Guckkastenprinzip mit Bühne und Zuschauerraum oder eine Öffnung nach außen in die Wallanlagen, um eine Wirkung in den Stadtraum zu entfalten und andere künstlerische Formate zu ermöglichen. Damit könne auch eine neue, bisher nicht dagewesene, ikonographische Architektur entstehen. „Das fände ich spannender als zu überlegen, ob wir auch so eine Elbphilharmonie brauchen.“

Gelungen sei das Theater in Kopenhagen mit dem großen Foyer, das für Besucherinnen und Besucher außerhalb der Bühnenzeiten zugänglich sei. Im dänischen Aarhus vereine das Dokk1 eine Bibliothek mit einem Kulturzentrum zu einem neuartigen hybriden Gebäude. In Paris gebe es das „Centquatre“, ein früheres Bestattungsinstitut, das zum offenen und informellen Kulturzentrum umgebaut wurde und in dem sich Menschen tagsüber aufhielten, probten, tanzten und begegneten.

Für Frankfurt könne man sich überlegen, andere Nutzungen bei Oper und Schauspiel miteinzubeziehen, etwa aus dem Bereich Bibliothek oder Medien. „Zu definieren, welche Art von Theater und Oper die Frankfurter Bürger brauchen und wollen, ist nun das Entscheidende“, sagte er.

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