Hier fehlt es dem Architekten an mehr Grün. Dafür dürften es gerne ein paar Steine weniger sein.
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Hier fehlt es dem Architekten an mehr Grün. Dafür dürften es gerne ein paar Steine weniger sein.

Interview

Frankfurt: Stadtplaner Christoph Mäckler fordert mehr Grün am Willy-Brandt-Platz

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Architekt Christoph Mäckler spricht  über die Kulturmeile und die Umgestaltung des öffentlichen Raums in Frankfurt.

Christoph Mäckler (69) gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigen Architekten und Stadtplanern in Deutschland. 

Herr Mäckler, seit Jahrzehnten kämpfen Sie für die Verbesserung des öffentlichen Raums in den deutschen Städten. Wie ist der Zustand des öffentlichen Raums in der Frankfurter Innenstadt, wie ist das Befinden der grünen und durch eine Servitut geschützten Wallanlagen?
Es gibt Bereiche, die sehr viel besser geworden sind. Zum Beispiel ist das Umfeld des Hochhauses Taunusturm am Taunustor sehr schön gestaltet worden. Andere wichtige Teile der Innenstadt wie der Willy-Brandt-Platz sind schrecklich. Der Platz ist eine riesige Steinwüste, alles ist geplättelt. Aber alle Brandtplätze in Deutschland sind schlecht mit Ausnahme von Bochum, das hat dieser wunderbare Mann nicht verdient. Auf dem Frankfurter Platz fehlt es an Grün, es müssen dort großkronige Bäume hin. Diese Wüste schlägt eine breite Schneise in die grünen Wallanlagen, das muss sich ändern.

Sie haben auf Bitte der Stadt eine städtebauliche Studie zu der sogenannten Kulturmeile erstellt, die eine neue Oper an der Neuen Mainzer Straße mit einem neuen Schauspiel am Ostrand des Willy-Brandt-Platzes verbindet. Ist der wichtige Effekt der Kulturmeile also eine Verbesserung des öffentlichen Raumes?
Alles beginnt mit dem Städtebau. Der Städtebau steht am Anfang. Der öffentliche Raum ist der soziale Raum unserer demokratischen Gesellschaft. Man sieht das jetzt in den Zeiten der Corona-Pandemie: Es ist für die Menschen sehr wichtig, sich in den Parks und auf den Plätzen treffen zu können.

Zur Person

Christoph Mäckler (69) gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigen Architekten und Stadtplanern in Deutschland.

In Frankfurt entwarf er etwa den Opernturm, den Wiederaufbau der Alten Stadtbibliothek, die Neugestaltung der Alten Brücke, den Tower 185 und das neue Deutsche Romantikmuseum, das 2021 eröffnet werden soll.

Mäckler war Vorsitzender des Gestaltungsbeirates für die neue Altstadt. jg

Der vorgeschlagene Bau einer neuen Oper auf dem Grundstück der Frankfurter Sparkasse Neue Mainzer Straße 47–51 würde aber doch stark in die Wallanlagen eingreifen. 
Es würde einen Eingriff in die Wallanlagen geben, das ist richtig. Aber insgesamt würde die Kulturmeile das Grün der Wallanlagen um 5000 Quadratmeter vergrößern, weil ja viel Grün dort entstünde, wo heute noch die Oper steht. Das neue Opernhaus würde also insgesamt die Wallanlagen nicht zerstören, sondern sie aufwerten.

Rückt die neue Oper nicht viel zu dicht an das Hochhaus des Japan-Centers heran?
Nein. In unseren Plänen entsteht zwischen dem neuen Opernhaus und dem Japan-Center ein richtiger Platz.

Die Neue Mainzer Straße ist heute eine vielbefahrene, vierspurige Strecke. Was muss sich dort ändern?
Die Neue Mainzer Straße ist schon immer von Hochhäusern gesäumt, sie ist schon immer die Frankfurter Bankenklamm. Die Stadtplaner arbeiten seit Jahren daran, die Situation für die Fußgänger zu verbessern. So erhielten Hochhäuser wie das Japan-Center Arkaden, unter denen man flanieren oder sitzen kann.

Der Architekt Jürgen Engel schlägt vor, die Neue Mainzer Straße auf nur noch zwei Spuren zu verengen und sie mit Bäumen und breiten Bürgersteigen zu einem Boulevard umzugestalten.
Man kann die Neue Mainzer Straße nicht isoliert einfach auf zwei Spuren verengen. Man braucht einen Gesamtverkehrsplan für die Innenstadt. Man muss sich auch Gedanken machen über die Zukunft der Berliner Straße und der Zeil. Man hat bei der Zeil der Mode der Fußgängerzonen gefrönt und den Autoverkehr herausgenommen. Jetzt will man aber gleichzeitig noch den Autoverkehr von der nördlichen Mainuferstraße nehmen und die Berliner Straße verengen. Ich schlage vor, vernünftige Stadtstraßen anzulegen. Das würde bedeuten, die nördliche Mainuferstraße und die Berliner Straße mit breiten Gehsteigen und weniger Raum für die Autos umzubauen. Gleichzeitig müsste man die Zeil wieder zweispurig für den Autoverkehr öffnen.

Das halte ich für ökologisch bedenklich.
Mein Credo ist: Stadtstraßen für Fußgänger, Radwege und Autos statt breiter Verkehrstrassen. Auch die Neue Mainzer Straße muss zur Stadtstraße werden. Das muss keineswegs bedeuten, überall Bäume zu pflanzen. Ich würde Bäume an der Neuen Mainzer Straße nur auf dem neuen Platz zwischen der neuen Oper und dem Japan-Center setzen. Eine Straße sorgt auch für soziale Kontrolle gerade abends und nachts. Wo würden Sie nachts lieber alleine unterwegs sein, auf der Zeil oder auf der Kaiserstraße?

An einer Stelle ihrer städtebaulichen Studie beenden Sie den Durchgangsverkehr völlig. Sie wollen die vielbefahrene Hofstraße südlich der Städtischen Bühnen nur noch zu einer Sackgasse machen, die der Erschließung der Bühnen und des Jüdischen Museums dient.
Ja. Das würde einen großen Zugewinn für die grünen Wallanlagen bedeuten. Sie würden dann bis zum Mainufer führen. Es entstünde ein großer Landschaftspark. Zugleich würde die Erschließung des neuen Schauspiels für den Lastwagenverkehr stark verbessert. Heute ist die Erschließung der Städtischen Bühnen von hinten über die vielbefahrene Hofstraße eine Katastrophe. Die Lastwagen müssen da in aller Enge rangieren.

Der Willy-Brandt-Platz ändert in ihrem Plan für die Kulturmeile sein Gesicht vollständig. Es gäbe nicht nur mehr Grün und Bäume. Sie würden den Platz auch zum Teil durch das neue Gebäude des Schauspiels einfassen lassen.
Richtig. Es entstünde ein gefasster Platz mit einer baulichen Begrenzung, das ist mir wichtig. Zugleich könnte man den Autoverkehr aus der Münchener Straße und dem Bahnhofsviertel heraus über den Willy-Brandt-Platz direkt in die Bethmannstraße hineinführen. Die Straßenbahn mit ihren Gleisen würde auf dem heutigen Kurs bleiben, da bräuchte man nichts zu ändern.

Interview: Claus-Jürgen Göpfert

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