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Leere Räume: Seit dieser Aufnahme vom 15. März 2019 hat sich im Amt für multikulturelle Angelegenheiten in Frankfurt nicht viel verändert: Ein Großteil der Räume steht leer, viele sind noch nicht einmal möbliert. Aktuell arbeiten auf 15.000 Quadratmetern gerade einmal 93 Mitarbeiter.

Städtisches Integrationszentrum

150 Quadratmeter pro Mitarbeiter: Stadt zahlt Millionen Euro Miete für kaum genutztes Gebäude

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15.000 Quadratmeter für 93 Mitarbeitende: Das städtische Integrationszentrum im Gallus in Frankfurt mit sieben Stockwerken wird bislang kaum genutzt. Schon wegen des Mietvertrags gab es seinerzeit Ärger in der Koalition.

Frankfurt - Zwei Jahre nach der Unterzeichnung eines umstrittenen Mietvertrages durch Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) steht das angemietete Gebäude des geplanten städtischen Integrationszentrums Mainzer Landstraße 293 in Frankfurt noch immer weitgehend leer. Bei einem Besuch an Ort und Stelle zeigten sich die sieben Geschosse des modernen Bürohauses überwiegend verwaist. In vielen Räumen gab es überhaupt keine Einrichtung.

Webers Referent Jan Pasternack sprach auf Anfrage von einem "ziemlich großen Integrationsprojekt, das sich noch im Aufbau befindet." Die Stockwerke würden "mehr oder weniger genutzt".

Frankfurt: 56 Millionen Euro Miete für 20 Jahre Nutzung

Die Kommune hat das Bürohaus auf eine Dauer von zwanzig Jahren von einer privaten Versicherungsgesellschaft angemietet, was die Steuerzahler 56 Millionen Euro kosten soll. Der Sinn des Zentrums ist es, viele Einrichtungen unter einem Dach zu vereinen, die der Integration von Migranten dienen. Nach den Worten Pasternacks arbeiten auf den rund 15.000 Quadratmetern Fläche aber gegenwärtig lediglich etwa 93 Personen. Heißt: Für jeden Mitarbeiter stehen rein rechnerisch mehr als 150 Quadratmeter Bürofläche zur Verfügung.

Das städtische Amt für multikulturelle Angelegenheiten "mit etwa 50 Personen" sei im Januar 2019 eingezogen. Es folgten die Gesellschaft für Jugendschutz mit rund 40 Beschäftigten und die Geschäftsstelle der Kommunalen Ausländervertretung (KAV), in der drei Menschen arbeiteten.

Obwohl die Stadt seit 1. November 2018 Miete bezahlt, ist die Einrichtung des Gebäudes längst nicht abgeschlossen. Die Infrastruktur des Hauses soll laut Pasternack "Mitte nächsten Jahres" vollständig sein. Der Referent sprach von langwierigen "Beschaffungsvorgängen" bei der Stadt: "Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten erhält jedoch fast wöchentlich neue Möbellieferungen." Wo immer es möglich sei, würden "Altmöbel" des Amtes verwendet.

Frankfurt: Millionen Euro Miete - Offizielle Eröffnung 2020

Das Integrationszentrum unter dem Titel "stadtRAUMfrankfurt" soll "offiziell im Frühjahr 2020 eröffnet" werden. Große Teile des Gebäudes dienten künftig Veranstaltungen. Allein zwischen Januar und Juni 2019 habe es bereits gut 60 Termine gegeben, bei denen mehr als 2000 Personen zu Gast gewesen seien.

Zu den Nutzern zählten unter anderem das English Theatre, das Schultheater-Studio, das Paritätische Bildungsnetzwerk, der Kinderschutzbund und die Diakonie Hessen. Pasternack kündigte an, es würden auch "Co-Working-Spaces" eingerichtet, um das Haus zu füllen, also Computer-Arbeitsplätze, die zeitweise angemietet werden können.

2017 hatte Bildungsdezernentin Weber den Abschluss des Mietvertrages mit dem Zeitdruck begründet, der bestanden habe. Andere Interessenten wollten den Bau ebenfalls anmieten.

Frankfurt: Teure Miete - Ärger in der Koalition

Sie unterschrieb damals den umstrittenen Kontrakt gemeinsam mit Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), weil es für einen Vertragsabschluss in dieser Größenordnung zwei Unterschriften von Magistratsvertretern bedurfte. Der eigentlich zuständige Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) wurde seinerzeit übergangen. Schneider hatte vergeblich protestiert und sagte damals: "Ich hätte den Vertrag so nicht unterschrieben." Die CDU bestritt, dass es überhaupt andere Interessenten für die Liegenschaft gab.

Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) nennt "die Potenziale dieses neuen Ortes so unerschöpflich wie die kreative Vielfalt unserer Stadt".

Von Claus-Jürgen Göpfert

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