Container im Schulbau

Frankfurt, Stadt der Pop-up-Schulen

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Container und Holzmodule lindern die akute Not an Schulräumen in der Stadt. Sie sind schnell aufgestellt - und könnten möglicherweise auch einmal für etwas anderes als eine Schule genutzt werden.

Sie sind momentan die Lösung schlechthin für die wachsende Stadt im Wettlauf gegen die Zeit. In jedem Jahr gibt es mehr Schüler in Frankfurt, in jedem Jahr müssen daher neue Schulplätze geschaffen werden, um nicht von der Realität überholt zu werden. Und das auf die Schnelle. Der Befreiungsschlag, der kurzfristig oder auch langfristig Luft verschafft, kommt in Form von Containern daher. Sie werden auf Pausenhöfen als Erweiterung des Schulgebäudes gestellt oder daraus ganze Schulen wie aus dem Baukasten zusammengesetzt.

Von den 166 öffentlichen Schulen in Frankfurt hat „fast jede inzwischen kleinere oder größere Container vor der Tür stehen“, sagt Günter Murr, Sprecher von Baudezernent Jan Schneider (CDU). Oder sie bestehen eben ganz aus Modulen. Schließlich lindern sie schnell die Raumnot. Pop-up-Schulen quasi, die innerhalb von ein paar Monaten komplett aufgestellt sind.

Für neue Schulen ein Gebäude aus Stein hochzuziehen, dauert dagegen Jahre. Zwar wird auch gebaut, aber so lange kann nicht gewartet werden. „Wir müssen rein rechnerisch jedes Jahr Platz für rund 2000 zusätzliche Schülerinnen und Schüler schaffen“, sagt Schneider.

Doch was, wenn sie nicht mehr als Schulen gebraucht werden? „Eine andere Nutzung der Container ist theoretisch denkbar“, sagt Murr. Schließlich können Container schnell umgesetzt werden. Wobei Container auch nicht gleich Container ist. Holzmodule sind gerade das Nonplusultra. Die Aufenthaltsqualität ist hoch in den Holzräumen, die Materialien modern. In Frankfurt steht inzwischen die weltweit größte Schule in Holzmodulbauweise: das Übergangsgebäude für Adornogymnasium – und Holzhausenschule, die aber noch einziehen muss – auf dem Campus Westend. 350 Holzmodule, Platz für mehr als 2000 Schüler, innerhalb von neun Monaten errichtet, Kostenpunkt: 56 Millionen Euro.

Ein solcher Holzmodulbau kann zwar auch wie ein Stahlcontainer umgesetzt werden, allerdings ist es logistisch aufwendiger: Er muss genauso wieder aufgebaut werden, wie er vorher gestanden hat. Die unteren Module unten, die oberen Module oben. Ein Stahlcontainer ist universeller einsetzbar, dafür ist seine Lebensdauer kürzer.

Für den Schulbau bedeutet das: „Holzmodule werden für Schulen verwendet, die länger stehen“, sagt Murr. Die Grundschule Riedberg III soll etwa nur zwei Jahre als Übergangsquartier stehen, hat deshalb Stahlcontainer bekommen. Ein Gymnasium Nord soll noch viele Jahre in Westhausen bleiben und ist in Holzmodulbauweise entstanden.

Nutzung als Büro denkbar

Auch wenn Holzmodule inzwischen im Wohnungsbau eingesetzt werden wie in der Platensiedlung – die Schulbauten könnten nicht so einfach zum Wohnen genutzt werden. „Die Sanitärräume sind etwa ein Problem“, sagt Murr. Schließlich gibt es in Schulen Gemeinschaftstoiletten. „Büros wären aber baulich kein Problem, da sind die Nutzungsanforderungen ähnlich“, sagt Murr.

Dennoch sieht es das Baudezernat derzeit nur als theoretische Option an, die Container anderweitig zu verwenden. „Der Bedarf an Schulplätzen ist nach den Prognosen nicht so schnell gedeckt“, sagt Murr. „Wir werden sicher nicht so schnell auf Container verzichten können.“ Davon geht auch Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) aus. „Wir werden nicht in die Verlegenheit kommen, sie für andere Dinge verwenden zu müssen.“

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