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Wasserfontäne, Zinnteller, Tora-Zeiger, Halterung für Tora-Rolle (v.l.) im Jüdischen Museum.

Restitution

Stadt gibt Raubobjekte zurück

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Erstmals seit 1954 gibt die Stadt Frankfurt Objekte, die während der Nazi-Zeit gestohlen worden waren, an das Jüdische Museum zurück. Weitere Restitutionen können folgen.

Es sind unscheinbare Objekte, die das Jüdische Museum Frankfurt in zwei Kartons präsentiert, ein Zinnteller, ein Tora-Zeiger, eine Wasserfontäne zum Händewaschen, eine Halterung für die Stäbe einer Tora-Rolle. Diese Objekte, die in der Zeit des Nationalsozialismus aus jüdischem Besitz geraubt worden waren und in den Besitz des Historischen Museums Frankfurt gelangten, hat die Stadt nun an die Jüdische Gemeinde Frankfurt zurückgegeben.

Den Restitutionsvertrag unterschrieb Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) seitens der Stadt. Die Jüdische Gemeinde, vertreten durch die Vorstandsmitglieder Salomon Korn und Marc Grünbaum, liehen die fünf Objekte – die Halterung für die Tora-Rolle gibt es zweimal – per Vertrag an das Jüdische Museum zurück. Museumsdirektorin Mirjam Wenzel will sie im neuen Jüdischen Museum am Bertha-Pappenheim-Platz zeigen. Es eröffnet am 21. Oktober.

Die Objekte hätten „weder herausragende wirtschaftliche noch herausragende kulturelle Bedeutung“, sagte Marc Grünbaum. Um den Wert gehe es auch nicht, sondern um die Botschaft: Erstmals seit 1954 restituiere die Stadt Frankfurt Raubkunst an die Jüdische Gemeinde. Seit 1954, also seit 66 Jahren, seien die städtischen Institutionen den Fragen der Provenienz, „die aufgetaucht sein müssen“, nicht nachgegangen, sagte er. „Heute wird das zweite Unrecht, das nach dem Raub geschehen ist, korrigiert.“ Dies sei ein längst überfälliges Zeichen.

Ina Hartwig nannte das jahrzehntelange Ignorieren der Herkunft von Objekten in den Museumsbeständen eine „Geschichte der Verdrängung, die Teil der bundesrepublikanischen Geschichte ist“. Doch damit sei jetzt Schluss. Schon 2018 hätten vier Frankfurter Museen – das Historische Museum, das Museum Angewandte Kunst, das Weltkulturen-Museum und das Museum Judengasse – sich in verschiedenen Ausstellungen der Provenienz gewidmet. Stellen für Provenienzforschung wurden geschaffen. Die fünf Objekte, die nun zurückgegeben wurden, tauchten in diesem Zusammenhang auf.

„Diesen Weg gilt es konsequent weiterzugehen“, sagte Hartwig. „Die Sammlung eines modernen Museums muss vollumfänglich rechtmäßig erworben sein. Kein Frankfurter Museum soll sich in Zukunft noch mit Raubkunst schmücken.“ Sie hob hervor, dass sich das Fritz-Bauer-Institut in einer Studie mit der Arisierung von Wohneigentum durch die Stadt Frankfurt beschäftige. Die Stadt habe dafür 300 000 Euro zur Verfügung gestellt. Wenn die Studie 2023 vorliege, erwarte sie „einige Überraschungen“.

Auch kann die Provenienzforschung an den Frankfurter Museen zur Rückgabe weiterer Objekte führen.

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