Frankfurt: Spendenkassen aus Moscheen gestohlen - Gericht fällt Urteil
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Ein 43-jähriger Mann muss sich vor dem Land- und Amtsgericht Frankfurt am Main verantworten. Er hat Geld und Wertgegenstände in vier Moscheen gestohlen.

Justiz

Spendenkassen aus Moscheen in Frankfurt gestohlen - Gericht fällt Urteil

  • Stefan Behr
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Beschuht und in kurzer Hose hat ein Mann Geld und Wertgegenstände aus vier Moscheen in Frankfurt geklaut. Überwachungskameras zeichneten alles auf.

  • Ein 43-Jähriger hat Geld und Wertgegenstände aus vier Moscheen in Frankfurt gestohlen
  • Überwachungskameras filmten den Mann bei seinen Taten
  • Nun musste er sich vor dem Amtsgericht verantworten

Frankfurt - Seine irdischen Richter braucht Ugur E. nicht zu fürchten. Mit denen hat er seine Erfahrungen. 20 Eintragungen zählt sein polizeiliches Kerbholz, etliche seiner Lebensjahre hat der 43-Jährige im Gefängnis verbracht, meist wegen Betrugs und Diebstahls.

Im Juli und August 2018 hatte E. in drei Moscheen Frankfurts die Spendenkasse geplündert, in einer vierten einen Laptop und einen Beamer stibitzt und so laut Anklage 2220 Euro Beute gemacht – am Ende des Amtsgerichtsprozesses wird der Staatsanwalt die Summe auf 1300 Euro nach unten korrigieren. 

Frankfurt: Spendenkassen in Moscheen geplündert - Überwachungskameras filmten Tat

Leugnen ist zwecklos: Überwachungskameras hatten in allen Fällen E.s schändliches Tun gefilmt und dazu noch dessen Verstoß gegen die guten Sitten dokumentiert: Die Gotteshäuser betrat der Täter beschuht und in kurzen Hosen. Und in zwei Fällen nächtens mit Schraubenzieherhilfe, nachdem er am Tage die Moscheen aufgesucht, bei den Anwesenden erfolgreich um Almosen gebettelt und die Standorte der Spendenkasse ausbaldowert hatte.

Das ist E. heute natürlich rasend peinlich und tut ihm wahnsinnig leid. „Meine Eltern waren dreimal in Mekka, alle beide“ schwört er, und sein Onkel sei jahrelang Vorsitzender einer Kasseler Moschee gewesen – und jetzt so was. Aber Gelegenheit mache Diebe, und er habe ja gewusst, „dass Gottes Türen immer offen stehen. Das klingt jetzt vielleicht blöd.“ In religiösen Fragen sei er selbst aber tolerant: „Ich esse Schwein.“ Zur Tatzeit habe er in sämtlichen Moscheen Erscheinungen gehabt, und zwar Entzugserscheinungen. Er habe nach eigenen Angaben damals täglich zehn Gramm Kokain und fünf Gramm Heroin konsumiert, was zumindest mal eine Leistung wäre. Das Spendengeld habe er für Drogen geklaut und verprasst.

Frankfurt: Spendenklau in Moscheen - Täter brach bereits mehrfach Drogentherapien ab

Immer wieder unterbricht E. seit Erreichen des Strafmündigkeit seine Knastaufenthalte für Drogentherapien, die er dann abbricht. Die jüngste, sagt er, habe er etwa beendet, weil ihm das Therapiekonzept nicht konveniert habe und zudem außer ihm „da nur Osteuropäer waren, die mich wegen meiner Herkunft in eine Schublade gesteckt haben“. Ugur E. stammt aus Kassel, ist aber kein Kasseläner. „Wir haben den Täter nach Sichtung der Videoaufnahmen für einen Südländer gehalten“, sagt ein Frankfurter Moschee-Mitarbeiter im Zeugenstand über den Nordhessen.

Nach allem, was man soeben gehört habe, sagt E.s Verteidiger in seinem Plädoyer, könne man meinen, sein Mandant sei „ein Bremsklotz am Siegeswagen der Nation“. So etwas Ähnliches sagt der Staatsanwalt auch. Sei er aber nicht, sagt der Verteidiger. Da ist der Staatsanwalt anderer Auffassung.

Frankfurt: Zwei Jahre Gefängnis nach Spendenklau in Moscheen

Das Amtsgericht verurteilt E. zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren. E. hofft, das Gefängnis schon bald in Richtung Therapie verlassen zu können. Er arbeite daran, „ich muss nur noch den Kostenträger von der Notwendigkeit meiner Therapie überzeugen“, aber das wäre ja nicht das erste Mal.

Neu hingegen ist E.s Vorsatz, in Zukunft mit seiner Ehefrau und seinen zwei Kindern ganz offen über seine Drogensucht zu reden. Das habe er bislang vermieden, sagt er. „Wahrscheinlich aus Angst, mein Gesicht zu verlieren. Damals dachte ich, ich hätte noch eines.“

Von Stefan Behr

Ebenfalls vor dem Frankfurter Amtsgericht wurde ein Fall verhandelt, bei dem ein Mann mutmaßlich schnelles Geld mit Hunden (Welpen) auf Ebay machen wollte. Doch der Plan ging ziemlich schief. Wegen des Diebstahls von Nudeln und Butterkeksen musste sich ein Paar vor dem Amtsgericht Frankfurt-Höchst verantworten. Vier junge Schläger sollen einen Kellner mit einem Messer und Tischbeinen attackiert haben, um Rache zu üben. Beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Frankfurt geht es zunächst um Sprachbarrieren.

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