Kultur

Spaziergang mit Geräuschkulisse

  • vonKathrin Hartmann
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Uraufführung des Musiktheaters „Terminal X“ im Stadtwald. Am 21. August gehts los.

Der Frankfurter Stadtwald ist seit der vom Coronavirus ausgelösten Krise der Luftfahrt ein ungewohnt stiller Ort. Als die Komponistin Julia Mihály und die Dramaturgin Maria Huber Anfang des Jahres begannen, das Musiktheater „Terminal X – Building Our Future“ zu konzipieren, eine Mischung aus musikalischer Performance, Hörspiel und Spaziergang mit Kopfhörern, da dröhnten noch im 30-Sekunden-Takt Flugzeuge über die Baumwipfel.

„Inzwischen nimmt es aber schon wieder zu“, sagt Mihály. „Der Fluglärm bleibt prägend für die Region. Als ich 2012 nach Frankfurt ziehen wollte, wurde das schon bei der Wohnungssuche zum Thema.“ Nach dem Umzug fiel der Komponistin Mihály eine Schallplatte mit Protestliedern aus der Bauzeit der Startbahn West in die Hände. Dieser Kampf der Bürgerinitiativen habe sie sofort fasziniert, erzählt sie. „Das war ein Vorreiter für spätere Protestbewegungen.“

Im vergangenen Jahr inspirierten die Proteste der späten 70er und frühen 80er Jahre die Musikerin zu einer Auftragskomposition, die in Dresden-Hellerau uraufgeführt wurde. „Das wollte ich aber unbedingt weiterentwickeln und nach Frankfurt bringen.“ Derzeit stünden sie im Austausch mit dem Verbund der Bürgerinitiativen gegen Fluglärm und die Erweiterung des Flughafens, sagt Mihály. Damit wollen sie ein „kritisches Fachpublikum“ für die Aufführungen im Stadtwald gewinnen und Diskussionen anstoßen.

Auf dem Gelände der geplanten musikalischen Performance, die der Frankfurter Mousonturm organisiert und die am 21. August uraufgeführt werden soll, wird sonst der Wäldchestag gefeiert.

„Es war gar nicht so einfach, eine Genehmigung von der Stadt zu erhalten, weil dort eigentlich nichts anderes stattfinden soll“, berichtet Mihály. Die Genehmigung haben Huber und sie dann aber doch bekommen, und laut ist es auch trotz weniger Fluglärm. Die Autobahn, eine vierspurige Bundesstraße und die ICE-Strecke schaffen eine dauernde Geräuschkulisse. „Das ist schon krass“, meint sie.

Es werden wohl drei recht exklusive Abende, die Mihály und Huber mit ihrem Team planen. Nur jeweils 35 Zuschauer können mitgehen, bekommen eigens entworfenen Mundschutz und drahtlose Kopfhörer, auf die während des Waldspaziergangs historische Tonaufnahmen und live mit einem Richtmikrofon eingefangene Geräusche übertragen werden.

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