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Frankfurt: Spannungsmomente im Hörsaal

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Von: Georg Leppert

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Student Chris beim Experiment zur Stromerzeugung in der Kinder-Uni.
Student Chris beim Experiment zur Stromerzeugung in der Kinder-Uni. © Monika Müller

Die Vorlesung der Kinder-Uni mit Professor Thorsten Kolleger dreht sich um das Thema Strom.

Es sind die ganz großen Fragen, die am Donnerstag in der Kinder-Uni besprochen werden. Es geht um Energie und damit auch um das Klima und damit letztlich um unser Überleben. So explizit führt das Professor Thorsten Kolleger, Experte für „Green IT“, zwar nicht aus. Denn die Studierenden im Hörsaal sind halt Schüler:innen und erst in etwa acht bis zehn Jahren bei „Fridays for Future“ aktiv. Aber die Richtung ist klar. Es fallen Begriffe wie: Energiesparen, CO2 und „Kraftwerke, die man früher so hatte, wie Kohlekraftwerke“. Auf andere Schlagwörter, die auch recht nahe liegen, verzichtet Kolleger: Russland, Streckbetrieb, FDP-Chef Lindner ... Und ist das Thema auch noch so ernst, es ist und bleibt eine Vorlesung der Kinder-Uni.

Kolleger, der für den erkrankten Computerwissenschaftler Volker Lindenstruth eingesprungen ist, zieht die Vorlesung zeitweise wie eine Quizshow auf. Woher Strom kommt, sollen die Kinder beantworten. Aus der Steckdose, aus dem Kraftwerk oder aus einer Batterie? Mit bunten Karten stimmen die Kinder ab. Die ganz große Mehrheit entscheidet sich für das Kraftwerk. Richtig. „Siuuu“, rufen die Kinder in den hinteren Reihen, was übrigens ein Kunstwort ist, das mit Cristiano Ronaldo zu tun hat und ein hohes Maß an Zustimmung signalisiert. Daraufhin folgen Bilder und Erklärungen dazu, wie so ein Kraftwerk funktioniert – die für Schüler:innen aus der Oberstufe aber mindestens genauso interessant wären wie für die sichtlich beeindruckten Acht- bis Zwölfjährigen.

Kinder-Uni: Energiefresser Fön

Aber die Fragen im Quiz werden immer schwerer. Was denn mehr Strom verbraucht: Fön, Kühlschrank oder Lampen, will der Prof wissen. Die Karten gehen bei „Kühlschrank“ hoch, Lehrer:innen und Begleitpersonen diskutieren über Einsparmöglichkeiten und neue Modelle mit dem Zertifikat A+++, aber dann ist gar nicht der Kühlschrank die richtige Lösung. Der Fön gewinnt, was ja auch logisch ist: Fünf Minuten fönen verbraucht mehr Strom als fünf Minuten Kühlschrankbetrieb. Wobei der Kühlschrank halt 24 Stunden am Tag läuft, und niemand fönt sich 24 Stunden am Tag. Zumindest nicht die Jungs mit der Kurzhaarfrisur aus dem Osten Frankfurts. Die hassen das Fönen sowieso und haben jetzt neue Argumente in der wöchentlichen Diskussion mit ihren Eltern.

Und weiter geht die unterhaltsame Reise durch den Stromkreis, doch nun dürfen auch die Kinder Fragen stellen. Manche sind praktischer Natur: „Wie stellt man ein wasserdichtes Handy her?“ (Kolleger: „Viel Gummi drum herum zum Dichten.“) Andere verfolgen einen historischen Ansatz: „Wer hat den Strom entdeckt?“ (Kolleger: „Die alten Griechen.“) Und die eine oder andere Frage beantwortet der Professor aus gutem Grund nicht ganz so ausführlich: „Wie entstehen Stromschläge?“

Es ist und bleibt eben eine Vorlesung an der Kinder-Uni.

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