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Frankfurt: Spanische Literatur nicht nur zur Buchmesse

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Von: Andreas Hartmann

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Der Leiter des Frankfurter Instituto Cervantes, Ferrando Melià Ferran, ist während der Buchmesse besonders gefragt.
Der Leiter des Frankfurter Instituto Cervantes, Ferrando Melià Ferran, ist während der Buchmesse besonders gefragt. © Monika Müller

Ferran Ferrando leitet seit Dezember das spanische Kulturinstitut Instituto Cervantes in Frankfurt – der Auftritt Spaniens auf der diesjährigen Buchmesse dürfte ein Höhepunkt seiner langen und vielfältigen Karriere werden.

Die spanischsprachige Welt in Frankfurt hat seit 2008 so etwas wie eine eigene Kultur-Botschaft, untergebracht im architektonisch sehr reizvollen ehemaligen Amerika-Haus neben dem Rothschildpark. Das Instituto Cervantes, spanisches Pendant zum ebenfalls weltweit agierenden deutschen Goethe-Institut, bietet seither neben Sprachkursen, Ausstellungen und Vorträgen ein umfassendes Programm, das Dutzende Länder und vielfältige Regionen, von Argentinien bis Andalusien, von Mexiko bis Mallorca, abdeckt.

Seit vergangenen Dezember leitet es der Deutsch-Spanier Ferran Ferrando Melià – und der ist grade ein sehr gefragter Mann. Spanien ist Ehrengast der größten Buchmesse der Welt, die in der kommenden Woche in Frankfurt beginnt, und Ferrando ist mit seinem Instituto so etwas wie der lokale Gastgeber des Gastlandes.

Das Literaturland Spanien ist sicher eines der interessantesten und vielfältigsten der Welt – zwar kann der Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse offiziell nur Autorinnen und Autoren mit spanischer Staatsbürgerschaft einladen, doch selbstverständlich stehen zur Eröffnung beim großen Empfang des Instituto Cervantes sämtliche Konsulate der spanischsprachigen Welt Frankfurts auf der Gästeliste, wie Ferrando berichtet.

Der 62-Jährige kennt beide Länder, Deutschland wie Spanien, sehr gut. „Ich bin ein Gastarbeiterkind und in Kassel aufgewachsen“, sagt er lächelnd. Geboren wurde Ferrando in der Nähe von Valencia, mit fünf Jahren zog er mit den Eltern nach Nordhessen. Hier wuchs er dreisprachig auf, mit Katalanisch, Spanisch und Deutsch. „Wir haben zu Hause Katalanisch gesprochen, aber schreiben gelernt habe ich es erst an der Uni“, berichtet er.

Spanische Literatur am Rothschildpark

Das Frankfurter Instituto Cervantes im ehemaligen Amerikahaus, Staufenstraße 1, versteht sich als Repräsentationsort der spanischen und spanischsprachigen Kultur. Neben einer umfangreichen Bibliothek bietet das Haus auch Sprachkurse, Kunstausstellungen, Lesungen und Konzerte und wird oft als inoffizielle, länderübergreifende Botschaft der spanischsprachigen Welt gesehen. In Deutschland gibt es weitere Institute in Berlin, München, Hamburg und Bremen. Benannt sind sie nach dem berühmten Autor des „Don Quijote“, Miguel de Cervantes (1547-1616).

Spanien ist diesjähriger Ehrengast auf der vom 19. bis 23. Oktober dauernden Frankfurter Buchmesse. Fast 200 Autor:innen, dazu Übersetzer:innen und Verleger:innen aus Spanien sind zu Gast, der spanische Pavillon bietet mehr als 50 Veranstaltungen und zwei Konzerte.

Beim parallel stattfindenden Lesefest „Open Books“ in der Evangelischen Akademie am Frankfurter Römerberg stellen sich die spanischen Autor:innen Javier Cercas (19.10., 18 Uhr), José Ovejero (20.10., 18 Uhr), Elena Medel (22.10., 18 Uhr) und Miqui Otero (22.10. , 20 Uhr) vor.

Weitere Lesungen in Frankfurt gibt es, jeweils mit Übersetzung, unter anderem mit Rosa Ribas (19.10., 18 Uhr) im Gewerkschaftshaus in der Wilhelm-Leuschner-Straße, mit Najat El Hachmi in der Romanfabrik (19.10., 20 Uhr), dem Flamencosänger Niño de Elche im Mousonturm (20.10., 19.30 Uhr) und mit der Poetry Slammerin Elvira Sastre (21.10., 20 Uhr, ebenfalls Romanfabrik). aph

Die Mehrsprachigkeit hat er weitergegeben. Seine beiden inzwischen erwachsenen Kinder sind ebenfalls dreisprachig, würden bis heute am liebsten Katalanisch mit ihm sprechen, wie er erzählt. Der promovierte Romanist könnte sich auch auf Französisch, Italienisch oder Portugiesisch unterhalten.

„Meine Eltern haben damals die Chancen erkannt, die das deutsche Bildungssystem damals für mich bot. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Ferrandos Lebenslauf ist beeindruckend und entsprechend international, Barcelona, Neapel, Stockholm, München und auch schon ein paar Jahre Frankfurt sind nur einige der Stationen. Aus der Frankfurter Zeit in den 1990er Jahren habe er immer noch viele Kontakte, berichtet er. „Als ich im vergangenen Dezember nach Frankfurt zurückkehrte, konnte ich erst einmal ein paar Monate bei Freunden in Darmstadt leben.“

Inzwischen wohnt er im Frankfurter Stadtteil Dornbusch, schwärmt von der Stadt, die er immer noch so gut kennt, vom prallen Kulturangebot im Rhein-Main-Gebiet. Das will er auch für das Instituto nutzen, plant die Zusammenarbeit mit deutschen Institutionen in der Region, etwa bei Tanz oder Film. Er ist überzeugt: Spanien und Deutschland können viel mehr voneinander lernen als die Sprachen. Ausbauen will er das Angebot der Institutsbibliothek für Kinder und Jugendliche, und er hat noch viele Ideen für die fünf Jahre, auf die sein Vertrag in Frankfurt befristet ist, etwa zur Geschichte der spanischen Migration nach Deutschland.

Jetzt heißt es aber erstmal, die Buchmesse zu überstehen. Vielleicht kommt sogar der spanische König Felipe IV., der zusammen mit Ehefrau Letizia die Buchmesse offiziell eröffnet, zum Empfang im Amerika-Haus. Königin Letizia, eine studierte Kommunikationswissenschaftlerin, werde sicher an dem Fest teilnehmen. Sie interessiere sich sehr für die weltweite Arbeit des Instituto Cervantes. Sie und ihr Mann kennen das Frankfurter Haus bereits: Sie eröffneten es 2008, damals noch als Kronprinzenpaar.

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