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Bei einer Infobörse präsentieren sich jedes Jahr Projekte für gemeinschaftliches Wohnen.

Immobilienmarkt

Sozialverträglicher Hausverkauf

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Die Stadt gibt ein Gutachten für eine genossenschaftliche Immobilienagentur in Auftrag. Sie soll eine Anlaufstelle für Hauseigentümer:innen werden, denen ihre Mieter wichtig sind.

Es soll sie geben, die Hauseigentümer:innen, die nicht den größtmöglichen Profit aus dem Verkauf ihrer Immobilie herausholen wollen. Sondern denen wichtig ist, dass ihre Mieter:innen bleiben können, zu gleichbleibenden und fairen Konditionen. Doch eine Anlaufstelle fehlt bislang, die Stadt will sich nun dafür einsetzen. Denn wenn sich Mieter:innen verzweifelt an sie wendeten, sei es meist schon zu spät, erläutert Cora Lehnert, Vorstand der Wohnbaugenossenschaft in Frankfurt.

„Gerade in der Innenstadt kommt es nach dem Verkauf oft zu Verdrängungen und Mieterhöhungen“, sagt Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Je höher der Preis, desto unwahrscheinlicher, dass zu fairen Konditionen vermietet werde. Meist sei der auch der Grund, weshalb weder Stadt noch Genossenschaft zuschlagen können.

Im vergangenen Jahr seien in Frankfurt 394 Mehrfamilienhäuser verkauft worden, berichtet Josef. Bei den wenigsten wurde wohl die Immobilie sozialverträglich überführt. Das könnte eine genossenschaftlichen Immobilienagentur (Gima) erreichen. Die Stadt hat deshalb nun gemeinsam mit den Frankfurter Wohnbaugenossenschaften und der städtischen Konversions-Grundstücksentwicklungsgesellschaft (KEG) ein Gutachten für deren Gründung in Auftrag gegeben. Die Beratungsstelle Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen soll es erstellen.

Auf dessen Grundlage will die Stadt entscheiden, ob und wie sie sich beteiligt, so Josef am Donnerstag bei der Vorstellung des Projekts. Die zentrale Frage sei, unter welchen Bedingungen die Eigentümer:innen bereit wären, an Genossenschaft oder Mieter:innen zu verkaufen, sagt Birgit Kasper, Leiterin des Netzwerks Frankfurt. Das bedeute nicht, dass Hausbesitzer:innen ein Minusgeschäft fürchten müssen, man werde sich am Verkehrswert orientieren, fügt Josef hinzu.

Gima muss wirtschaftlich tragbar sein

Die Gima müsse jedoch wirtschaftlich tragbar sein, sagt Kaspar. Nun werde man schauen, welche Instrumente die Agentur brauche – als Vermittler. Das Netzwerk Frankfurt habe gute Verbindungen und Erfahrung. Doch es funktioniere nur, wenn alle zusammenarbeiten und schnell agierten.

Die Gima würde die Beratung und Öffentlichkeitsarbeit übernehmen, erklärt Robin Mohr vom Netzwerk Frankfurt. Und dafür sorgen, dass die Idee bekannter wird sowie Eigentümer:innen etwa mit Fachleuten und Genossenschaften zusammenbringen. Zur Vorarbeit gehöre auch, zu überlegen, wie man die Hausbesitzer:innen erreiche, sagt Kasper. Über ihre Netzwerke, Ortsbeiräte, aber man wolle auch ins Gespräch mit dem Verband Haus und Grund kommen. Zudem gebe es jetzt eine Internetseite.

Und gibt es genug Vermieter:innen, die so sozial eingestellt sind? Nach unserer Erfahrung und Wahrnehmung schon, sagt Kasper, die Gima sei gleichwohl ein Experiment. Die Immobilienagentur werde nicht das große Wohnungsproblem lösen, so Josef, aber sei ein kleines Rädchen. „Und entsprechende Anträge sind bei uns schon eingegangen.“ In München gebe es bereits eine Gima, die seit mehr als zehn Jahren erfolgreich tätig sei.

Wichtig sei zu erwähnen, dass mit der Gima keine neue Wohnungsgenossenschaft entstehe und diese gemeinwohlorientiert sei, bekräftigen die Koordinator:innen. Klar sei aber auch, dass wenn etwa eine Genossenschaft ein Haus kaufe, Mieter:innen Mitglied werden müssten, erklärt Lehnert. Aber schließlich bekämen sie dadurch dauerhaftes Nutzungsrecht und die zu zahlenden Anteile glichen meist denen einer Kaution.

Das Gutachten werde man aus dem Topf der Stadt für genossenschaftliches Wohnen finanzieren, sagte Josef. Die Stadtverordneten müssen dann nächstes Jahr nach der Sommerpause darüber abstimmen.

Informationen gibt es auf www.gima-frankfurt.de.

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