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Hans Busch vor dem Frankfurter Römer.

SPD Frankfurt

Frankfurter Sozialdemokrat Hans Busch gestorben - Abschied vom Ur-Gestein

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Hans Busch, der jetzt mit 89 Jahren starb, verkörperte eine SPD, die es nicht mehr gibt. Das Ur-Gestein der Sozialdemokraten Frankfurt saß 34 Jahre lang im Stadtparlament.

Frankfurt - Kaum ein anderer Sozialdemokrat in Frankfurt verkörperte die große Tradition der Partei so wie er – mit ihren Licht- und Schattenseiten. Jetzt ist Hans Busch, der Stadtverordnetenvorsteher war und 34 Jahre im Stadtparlament saß, gestorben. Er wurde 89 Jahre alt.

Man darf davon ausgehen, dass der alte Gewerkschafter unter den schlechten Nachrichten über die Arbeiterwohlfahrt am Ende sehr gelitten hat. Denn seine Familie engagiert sich seit Jahrzehnten für die AWO, Buschs Ehefrau Hannelore ebenso wie seine Tochter Ursula, die heute die SPD-Fraktion im Römer führt.

Busch stammte aus einer alten sozialdemokratischen Familie, fünf Generationen hintereinander. Sein Großvater war Mitbegründer der SPD in Hannover. Busch hat stets von einer Kindheitserinnerung erzählt: Als Fünfjähriger stand er weinend an der Hand seiner Mutter im Flur, während die Gestapo die Wohnung durchsuchte, auf der Suche nach seinem Vater, der im Untergrund gegen die Nazis kämpfte.

Frankfurt: SPD-Veteran Hans Busch gestorben

Mit dreizehn Jahren barg er Tote aus den Häusern im Riederwald, die durch Bomben zerstört worden waren. Die Leichen waren nur noch verkohlte kleine Puppen. Als er fünfzehn Jahre alt war, rannte er bei einem Tieffliegerangriff auf Frankfurt um sein Leben, nur wenig hinter ihm schlug eine große Bombe ein.

Diese Schrecken prägten ihn. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte er mit anderen Sozialdemokraten eine neue, demokratische Gesellschaft aufbauen. Mit dem späteren Oberbürgermeister Rudi Arndt gründete er die Sozialistische Jugend Die Falken. Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg: Diesem Motto fühlte sich noch der 85-Jährige verpflichtet, der gegen Deutschlands Militäreinsatz in Afghanistan kämpfte.

In der Frankfurter SPD war Busch als Wortführer des rechten Parteiflügels, des „Nieder Kreises“, ein gefürchteter Strippenzieher. Jahrzehntelang kam niemand, der in der Partei Karriere machen wollte, an ihm vorbei.

Hans Busch (SPD) aus Frankfurt:  „Ohne meine Frau würde ich nicht mehr leben“

Bis zum Schluss hat der Veteran vehement dementiert, dass er 1993 zu den „vier Schweinen“ gehörte, die im Stadtparlament durch ihre Stimmenverweigerung die damalige rot-grüne Römer-Koalition zu Fall brachten. Auch bestritt er stets, dass er als „Königsmörder“ 1991 den sozialdemokratischen Oberbürgermeister Volker Hauff zu Fall brachte, der entnervt von der eigenen Partei aus der Stadt floh.

Mehr als 70 Jahre lang gehörte Busch der Gewerkschaft an, er war Postler und begleitete den Niedergang der Bundespost mit Trauer und Kritik. Wie er sich überhaupt im Alter immer mehr radikalisierte, für manche Juso-Position Verständnis aufbrachte.

Jahrzehntelang hat er bei Frankfurter SPD-Parteitagen mit seiner Ehefrau in der ersten Reihe der Delegierten gesessen, mehr als 60 Jahre waren die beiden zusammen. Sie pflegte ihn, als er 1998 durch eine Virusinfektion drei Wochen im Koma lag und einen Unterschenkel verlor.

Als Redner und Parteistratege war Busch gefürchtet, er konnte mit schneidender Schärfe innerparteiliche Gegner angreifen.

Über seine Gefühle sprach der Sozialdemokrat sein Leben lang öffentlich sehr wenig. „Ohne meine Frau würde ich nicht mehr leben“: Das war seine größte Liebeserklärung – in einem Gespräch mit der FR. Hans Busch steht für eine alte Sozialdemokratie, die es so nicht mehr gibt. Mit seinem Tod ist sie noch ein Stück weiter geschwunden.

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