Umweltdezernentin Heilig will für ein neues Opernhaus die Neue Mainzer Straße nutzen.
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Umweltdezernentin Heilig will für ein neues Opernhaus die Neue Mainzer Straße nutzen.

Stadtentwicklung

Frankfurt: Sorge um die Zukunft der Wallanlagen

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Wird ein möglicher Neubau der Oper in geschützte Frankfurter Grünflächen eingreifen? Drei Mitglieder des Magistrats schauten sich den Bauplatz jetzt bei einem Rundgang an.

Frankfurts Umweltdezernentin geht das Thema mit der gewohnten Direktheit an. Für eine neue Oper an der Neuen Mainzer Straße in Frankfurts Innenstadt sollten keine Bäume in den geschützten Wallanlagen gefällt werden, fordert Rosemarie Heilig. „Lasst alle Bäume stehen und baut das Opernhaus statt dessen in die Neue Mainzer Straße hinein“, so das Plädoyer der Grünen im Gespräch mit der FR. Die heute vierspurige, viel befahrene Achse durch das Bankenviertel sollte „maximal vom Verkehr entlastet“ werden, mit anderen Worten: stillgelegt. Und Heilig fügt gleich ihr Ceterum Censeo an: „Wir brauchen eine autofreie Innenstadt!“

Die Gründezernentin äußert sich nach einem ungewöhnlichen Termin, den der Städtebaubeirat organisiert hatte, ein Gremium mit Architekten und Planern, die die Stadtregierung beraten. Der Vorsitzende, Stadtplaner Torsten Becker, lud Heilig sowie den Planungsdezernenten Mike Josef (SPD) und Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) zum gemeinsamen Rundgang durch die Wallanlagen ein. Und alle drei kamen. Und gingen durch die geschützten Grünflächen in der City, die durch vielfache Eingriffe in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter geschrumpft sind.

Rasch konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf das Grundstück Neue Mainzer Straße 47-51, auf dem die SPD die neue Oper errichten möchte. Heute steht hier die Zentrale der Frankfurter Sparkasse. Sie und die Helaba als Dachorganisation haben dementiert, dass die Kommune mit ihnen überhaupt gesprochen hat. Planungsdezernent Josef wiederum beharrt darauf, Gespräche geführt zu haben und bei der Helaba auf Wohlwollen gestoßen zu sein. Jenseits solcher Widersprüche zeigte die Besichtigung laut Umweltdezernentin: „Der Platz für die Oper ist wahnsinnig knapp bemessen.“

Gerade einmal 5500 Quadratmeter Grundfläche stünden zur Verfügung für ein neues Opernhaus und zugleich einen neuen Büroturm, den der städtische Hochhaus-Rahmenplan der Sparkasse an dieser Stelle zubilligt. Das bedeutet: „Das Opernhaus muss in das Hochhaus integriert werden“, so Stadtplaner Becker. Anders ließen sich beide auf der knappen Fläche nicht unterbringen. Die Oper entstünde in einem zwei- bis dreigeschossigen Sockel, aus dem der Büroturm herauswüchse. Selbst unter diesen Bedingungen würde das neue Bauwerk ins geschützte Grün der Wallanlagen eingreifen. Becker schätzt, bis zu zwölf Meter tief müsste der Baumbestand weichen. „Die erste Baumreihe müsste gefällt werden“, bestätigt die Umweltdezernentin.

Auf ihrem Rundgang gingen Politiker und Planer dann noch an der vielbefahrenen Neuen Mainzer Straße entlang. Becker: „Da ist überhaupt kein Fußgänger unterwegs, da muss etwas passieren.“ Auch die Seitenstraßen seien „für Fußgänger kaum überquerbar“. Seine Folgerung: „Der Verkehr muss deutlich reduziert, die Verkehrsfläche zurückgenommen werden.“

Planungsdezernent Mike Josef unterstützt das: „Die Neue Mainzer gehört auf zwei Fahrspuren abgespeckt.“ Er befürworte den Vorschlag des Frankfurter Architekten und Planers Jürgen Engel in der FR, die Abbiegespuren in der Neuen Mainzer Straße wegzunehmen. Auf diese Weise entstehe genug Raum, um die Neue Mainzer Straße in eine Allee mit bepflanztem Mittelstreifen umzuwandeln.

Das Fazit von Umweltdezernentin Heilig nach dem Rundgang: Sie will das neue Opernhaus lieber am Willy-Brandt-Platz errichten lassen und das neue Schauspiel gegenüber, wo heute das Eurozeichen steht.

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