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Frankfurt: Sorge vor Verteilungskämpfen in der Kultur

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Von: Florian Leclerc

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Das Theater Landungsbrücken ist Teil der freien Szene in Frankfurt. Foto: Michael Schick
Das Theater Landungsbrücken ist Teil der freien Szene in Frankfurt. © Michael Schick

Der Kulturausschuss im Römer debattiert über den Haushaltsentwurf 2022, der Sparmaßnahmen in der Kulturszene vorsieht. Die Dezernentin will Kürzungen in diesem Jahr vermeiden.

Gegen Kürzungen bei kulturellen Einrichtungen in Frankfurt hat sich im Kulturausschuss am Donnerstagabend der Regie-Student Konrad Amrhein ausgesprochen. Er habe den Haushaltsentwurf 2022 mit großer Sorge gelesen, sagte Amrhein, der an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) studiert.

Vorgesehen sind Kürzungen von 172 Millionen Euro auf 155 Millionen Euro im Kulturetat. „Das würde für junge Menschen einen Zukunftsverlust bedeuten“, sagte er. Derartige Kürzungen hätten Stellenstreichungen und Verteilungskämpfe in der staatlichen und freien Szene zur Folge. Aushilfsengagements an Einrichtungen wie dem Mousonturm oder dem Schauspiel seien für junge Kreative meist die ersten Schritte in eine selbstständige Arbeit nach dem Studium. „Wenn man das zur Disposition stellt, wären unseren ersten Schritte verbaut.“

Kürzere Öffnungszeiten in Museen

Michael Müller, der Fraktionsvorsitzender der Linken im Römer, kritisierte die geplanten Sparvorgaben im Kulturetat und die verkürzten Öffnungszeiten in städtischen Museen. Bei letzteren würden 750 000 Euro gespart. Für die Restaurierung des Rathausturms „Langer Franz“ sei hingegen ein städtischer Zuschuss von einer Million Euro vorgesehen. „Das ist völlig verhältnislos“, sagte er. Auch habe die Schirn Kunsthalle eine eigene Leitung erhalten, was die Kosten treibe, Uwe Paulsen, der kulturpolitische Sprecher der Grünen im Römer, beschwichtigte.

„Wir gehen davon aus, dass die kulturelle Infrastruktur so, wie sie ist, erhalten bleibt. Niemand möchte etwas abwickeln“, sagte er. Jutta Ditfurth (Ökolinx) gab sich damit nicht zufrieden. „Es wird Kürzungen geben, aber keiner will es aussprechen.“ Ditfurth erkannte auch keine Bereitschaft der Koalition, den Gewerbesteuersatz zu erhöhen, um Einnahmen zu steigern. Christian Becker (CDU) sprach sich dagegen aus, die Kulturszene kaputtzusparen. „Wenn sie diesen Haushalt im Frühling beschließen, wird es für die Kultur Herbst.“

Peter Paul Thoma (FDP) sagte, die kulturelle Infrastruktur solle erhalten bleibe. Bei der Verkürzung der Öffnungszeiten in Museen werde moderat gespart, ohne Museen zu schließen. „Sie sparen die Kultur kaputt, über kurz oder lang“ meinte Nico Wehnemann (Die Partei). Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) führte aus, alle Dezernate müssten Sparmaßnahmen prüfen. Aber: „Mein Ziel ist, dass es bei der freien Szene und bei den städtischen Häusern in diesem Jahr keine Kürzungen gibt.“ Derzeit werde über den Haushalt 2022 diskutiert. 2023 könne sich die Einnahmesituation ändern.

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