Wegen Corona dürfen maximal 500 Besucher das Festivalgelände der Sommerwerft betreten.
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Wegen Corona dürfen maximal 500 Besucher das Festivalgelände der Sommerwerft betreten.

Kultur

Frankfurt: Sommerwerft einmal anders

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Das Festival fällt in diesem Jahr wegen der Corona-Beschränkungen wesentlich kleiner aus. Besucher freuen sich über das kulturelle Angebot.

Weitläufig ist das Gelände der „Sommerwerft – Limited Edition 2020“ in diesem Jahr. Das dürfte ein Eindruck sein, den Besucher des Theater- und Performancefestivals am frühen Samstagabend gewinnen, nachdem sie die Drängelgitter passiert haben, an deren Ende sie ihre Adressen hinterlassen mussten. Von der Flößerbrücke bis fast zur Kaimauer unterhalb des Restaurants Oosten erstreckt sich das Gelände, das in diesem Jahr erstmals eingezäunt wurde. Die Bauzäune an der Weseler Werft reichen bis zum Wasser.

Vieles ist dieses Mal anders. Weder das gewohnte große Zirkus-, noch das Beduinenzelt wurden aufgestellt. Weniger als die Hälfte der sonst üblichen Bands treten auf. Der Flohmarkt an den Sonntagen wird ebenfalls kleiner ausfallen. Die 19. Ausgabe des Festivals steht unter besonderen Vorzeichen, nachdem viele Kulturveranstaltungen in Hessen aufgrund von Besucherbeschränkungen wegen Covid-19 abgesagt wurden.

Angenehm leer

„Wir sind ein Pilotprojekt, wie es gehen kann“, sagt Bernhard Bub, künstlerischer Leiter des Festivals und im Vorstand des veranstaltenden Vereins „Protagon“, der in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert. Bub hält einen Eimer voller Kleister und Plakate in den Händen, um die aktualisierten Termine für Straßentheateraufführungen in Frankfurter Stadtteilen sowie hessischen Städten anzubringen. Erst am Mittag des Vortags sei die finale Zusage gekommen, dass das Festival stattfinden könne. Gleich mehrere Stellen von Ordnungsamt, über Polizei und Feuerwehr bis zum Gesundheitsamt, hätten zustimmen müssen.

„Nur noch zehn Prozent der Besucher“ könnten sie aufgrund von Auflagen auf das Gelände lassen, berichtet Bub. Aktuell seien es maximal 500. Um das zu prüfen, sitzen einige der rund 60 Helfer – viele von ihnen Ehrenamtliche – am Eingang und zählen, wer raus und wer rein kommt. Protagon-Pressesprecherin Feyza Morgül sagt, das Gelände sei für 800 Personen ausgerichtet. Besucher sind verpflichtet Mund-Nasen-Schutz zu tragen, sie dürfen ihn nur an ihren Sitzplätzen abnehmen.

„Mobiles Stationstheater“


Bis zum 9. August werden bei dem internationalen Theater- und Performancefestival neben Schauspielaufführungen, Konzerten und Workshops an der Weseler Werft in diesem Jahr erstmals weitere Orte bespielt. An der Werft gibt es von Donnerstag bis Sonntag Vorführungen.

Von Montag bis Mittwoch geht die „Sommerwerft Mobil“ auf „szenische Reisen“. Neben Stationen in Gießen, Hanau, Offenbach und Wiesbaden hält sie heute Abend um 17.30 Uhr am Spielplatz im Rödelheimer Zentmarkweg sowie um 19.45 Uhr in der Griesheimer Kiefernstraße. Am 3. August, 17.30 Uhr, geht es nach Niederrad (Im Mainfeld) sowie um 19.30 Uhr in den Riederwald (Straße noch unbekannt). Am 5. August ist die Konstanzer Straße in Fechenheim die letzte Station. Weitere Infos: sommerwerft.de

Deshalb gehen nur wenige Leute über das Kopfsteinpflaster, meist nur dann, wenn sie zur Toilette müssen oder etwas zu essen oder trinken holen wollen. Bleibt man länger an einer Stelle stehen, bitten Helfer freundlich und zurückhaltend, sich einen Sitzplatz zu suchen.

Brigitte Machintzke und Christian Besser haben sich das Konzert des Trios „Jacky Basteks Humblo“ angehört. Gestern habe sie zufällig das Festivalplakat in der Frankfurter Innenstadt gesehen, berichtet Machintzke. „Ich dachte, es findet gar nicht statt“, sagt die 54-jährige Gelnhäuserin, die die Sommerwerft, wie ihr Begleiter, schon häufig besucht hat. „Mir persönlich ist es wichtig, Kunst und Künstler zu unterstützen“, ergänzt sie. Der kulturelle Ausgleich“ habe ihr in den vergangenen Monaten gefehlt.

„Gewöhnungsbedürftig“, findet Christian Besser die Situation. „Man hat seinen festen Platz und muss sich genau überlegen, wo gehe ich demnächst hin“, sagt der 59-Jährige. Dann fügt er noch hinzu: „Es ist etwas lästig, eine Maske tragen zu müssen.“

Eine Frau, die hinter dem Paar sitzt, klinkt sich in das Gespräch ein. Sie sagt: „Ich bin froh, dass alles Open-air ist“. Das Beduinenzelt habe sie ohnehin als „zu stickig“ empfunden. „Ich finde es toll, dass sie’s am Leben halten“, fügt sie hinzu. In den kommenden beiden Festivalwochen wollen alle drei wiederkommen.

Einige Meter dahinter auf einer Wiese sitzen Besucher an Biertischen. Fast alle sind besetzt. Vor Laura Kolzer (24) und Carolin Bauerhenne (22) stehen zwei kleine Flaschen Apfelwein. Die beiden gebürtigen Münchnerinnen sind zum ersten Mal bei der Sommerwerft. Sie freuten sich, mal wieder ein bisschen „Festivalatmosphäre“ zu erleben. „Es sieht supercool aus und die Stände sind voll schön dekoriert“, sagt Bauerhenne. Ihre Freundin nickt. Einen Vergleich zu den Vorjahren, ohne Corona-Abstandsregeln, hätten sie ja nicht, berichten die Frauen. Angenehm leer und ohne Gedränge sei das Festival jedoch dadurch. Und das gefalle ihnen.

Bevor weiter vorne die abendliche Theatervorstellung beginnt, werden Kameras eingerichtet. Denn alle Vorstellungen werden über einen Stream erstmals in diesem Jahr live im Internet übertragen.

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