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Verkehr

Sommergärten statt Parkplätzen

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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In der Braubachstraße gibt es jetzt mehr Platz für Außengastronomie, Fahrräder und Flaneure.

Es ist ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer für die Braubachstraße. In der vom Verkehr geplagten Altstadtgasse hat die Stadt nun Anwohnern und Gästen ein bisschen Lebensqualität geschenkt. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) formuliert es so: „Es ist ein kleiner Schritt von der Automobilstadt zur Bahn-Stadt.“ 20 Parkbuchten wurden entfernt und durch Außengastronomie, Fahrradbügel und Bänke ersetzt.

Zu dem Ortstermin am Donnerstag hat sich noch ein zweiter Dezernent gesellt. „Ich bin als Vertreter der Anwohner hier“, sagt Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne). Das Dezernatsbüro des Stadtrats befindet sich seit fast zehn Jahren in der Braubachstraße. Majer kann viele Geschichten erzählen über die täglichen Kämpfe um Fläche. „Wenn ein SUV schlecht parkt, stauen sich gleich fünf Straßenbahnen, weil die nicht mehr durchkommen.“

Braubachstraße

Als Kulturmeile ist die Braubachstraße wegen seiner Galerien einst gepriesen worden. Mittlerweile gibt es dort auch zehn Gastronomiebetriebe. Die haben nun für eine Bewirtung im Freien teils deutlich mehr Platz.

20 Stellplätze für Autos wurden entfernt. Dafür gibt es jetzt auf 100 Metern Länge mehr Außengastronomie. Vor allem die Nordseite profitiert, während auf der Südseite Parkplätze für den Lieferverkehr blieben.

Für Fahrradfahrer wurden 16 Bügel angebracht, dazu vom Grünflächenamt vier Bänke gestellt.

Die Stellplätze seien für manches moderne Auto auch schlicht zu klein. Zumindest in Richtung Willy-Brandt-Platz können die Straßenbahnfahrer nun aufatmen. Auf der nördlichen Seite der Braubachstraße ist künftig weder Parken noch Schlechtparken mehr möglich. Majer weist noch darauf hin, dass er spätestens seit der Eröffnung der neuen Altstadt kaum noch Platz gefunden habe, um sein Fahrrad anschließen zu können. Er macht keinen Hehl daraus, dass die Umgestaltung der Brauchbachstraße ihm auch ein persönliches Anliegen war und dankt seinem Stadtratskollegen Oesterling für die schnelle Umsetzung.

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Begeistert sind auch die Gastronomen und Gastronominnen wie etwa Raffaela Schöbel. „Ich finde es großartig und wir sind stolz, ein Teil der Braubachstraße zu sein“, lobt die Inhaberin des Restaurants Margarete das Konzept. Gefreut habe sie sich auch über die Möglichkeit der Begrünung. So blüht jetzt in der Braubachstraße, bislang nicht als grüne Lunge der Stadt bekannt, sogar Oleander im Topf. Von der Möglichkeit der Begrünung haben die Gastronomen durchweg Gebrauch gemacht, allein schon, weil es eine Auflage war. Denn in den Sommergärten ist eine bauliche Begrenzung zur Straße hin erforderlich, damit die Gäste nicht aufstehen und gedankenverloren vor die nahende Straßenbahn treten.

Oesterling würde nach der Braubachstraße gerne noch weitere Straßen fußgängerfreundlicher umgestalten. „Im Kopf“ habe er etwa die Weißadlergasse, um die Ecke vom Goethehaus. Konkrete Planungen gebe es aber noch nicht. Ohnehin haben die Gastronomen viele Freiflächen in der Stadt erobert und mit Tischen und Stühlen versehen.

Das Verkehrsdezernat zeigt sich dieser Tage coronabedingt deutlich generöser als sonst. Auch das findet Braubach-Anlieger Majer als Gesundheitsdezernent gut: „Ich bin um jeden froh, der auf der Gasse sitzt und sein Brötchen isst.“

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