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Hoteldirektorin Daniela Fette in der Präsidenten-Suite des Frankfurter Jumeirah Hotels.
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Hoteldirektorin Daniela Fette in der Präsidenten-Suite des Frankfurter Jumeirah Hotels.

Städtetrip trotz Corona

Hotels in der Pandemie: Corona-Sommer lief besser als erwartet

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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Im zweiten Corona-Sommer ging in den Frankfurter Hotels wieder etwas mehr. Vor allem deutsche Touristen kamen in die Stadt.

Frankfurt - Ein paar Gäste unterhalten sich in der Hotelbar, an der Rezeption des Luxushotels Jumeirah haben Touristen Fragen an den Concierge. Langsam kommt trotz der Coronapandemie wieder Leben in die Frankfurter Hotelwelt. „Sicherlich sind wir noch nicht da, wo wir 2019 waren. Diesen Sommer wurden wir vom Geschäft aber sehr positiv überrascht“, sagt Daniela Fette.

Sie ist die Hoteldirektorin des Jumeirah Frankfurt in der Innenstadt, direkt nebenan liegt das Einkaufszentrum MyZeil. „Wir merken, dass die Leute wieder reisen wollen und es auch können. Das liegt zum einen an der steigenden Impfquote und auch daran, dass Reiserestriktionen gelockert worden sind. Wir haben auch wieder Gäste aus dem Nahen Osten oder den USA.“ Diese hätten im ersten Corona-Sommer 2020 noch komplett gefehlt. Seit der Pandemie hätten sie auch eine neue Zielgruppe hinzubekommen. „Wir konzentrieren uns jetzt noch stärker auf deutsche Touristen, denen eine Auslandsreise mit dem Flieger noch zu unsicher ist und die Frankfurt für sich entdeckt haben.“

Hotels in Frankfurt: Seit Corona bleiben Zimmer nach der Abreise drei Tage leer

Die 40-Jährige sitzt beim Interview in der Präsidentensuite im 24. Stock, durch die Fensterfronten schaut man auf die Skyline. Das Zimmer ist frisch gereinigt und desinfiziert. „Eine getrennte Zu- und Abluft hatten wir schon vor Corona“, erzählt sie. Ansonsten müsse eben viel mehr desinfiziert werden. Ein Zimmer, das belegt war, wird nicht wie früher gereinigt und nach paar Stunden kommt der nächste Gast, sondern es vergingen drei Tage, bis es wieder belegt wird. „Erst bleibt es einen Tag liegen, am zweiten Tag wird es geputzt, und dann bleibt es nochmals 24 Stunden liegen. Wir wollen jegliche Infektion sowohl für unsere Gäste wie auch Mitarbeiter vermeiden.“

Und es gäbe neue Ideen seit der Pandemie. „Wir haben das Angebot eines Skyline-Dinners im Zimmer. Für Gäste, die sagen, wir wollen lieber nicht im Restaurant essen, sondern in privater Atmosphäre mit einem Butler. Das wird sehr gut angenommen.“ Auch fänden wieder Business-Meetings im Ballsaal statt. „Für jede Veranstaltung, ob Hochzeitsfeier oder Businessmeeting, haben wir ein passendes Hygienekonzept.“ Und was ist mit dem Personal? Mussten sie da reduzieren? Daniela Fette sagt, sie konnten nicht nur alle Beschäftigten behalten. „Ich freue mich, dass wir auch neun Auszubildende eingestellt haben und zwei von einem anderen Betrieb, der die Pandemie nicht überstanden hat, übernehmen konnten.“

Das Luxushotel Jumerirah ist in der Frankfurter Innenstadt. Direkt neben dem Einkaufszentrums MyZeils.

Coronavirus und Hotels: Stadthotels leiden unter fehlenden Geschäftsreisenden

Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gastronomieverbands Dehoga Hessen, sagt zur aktuellen Situation in Frankfurt: „In diesem Sommer ging viel mehr als im Vorjahr, aber eben alles sehr langsam. Es sieht noch nicht rosig aus. Die durchschnittliche Gesamtauslastung der Frankfurter Hotels liegt bei 22 Prozent, vor Corona waren es 66 Prozent.“ Denn es fehlten immer noch die Businessgäste, bedingt durch noch ausbleibende Messen und Kongresse. Und es kämen eben noch weniger internationale Touristen. Zudem bremsten die aktuellen 3G-Regeln das langsam wieder anlaufende Geschäft aus. Das gelte auch für Städte wie Darmstadt und Wiesbaden. Anders sehe es im ländlichen Bereich von Hessen aus. „Die Menschen entdecken ihre eigene Heimat und bleiben im Schnitt länger, also statt ein oder zwei Nächte mal eine Woche“, sagt Wagner.

Noch länger bleiben viele Gäste der drei Frankfurter Lindenberg-Hotels. Diese funktionieren als eine Art Hybridmodell. Einerseits kommen hier Menschen unter, die nur eine kurzweilige Bleibe suchen. Die Zimmer lassen sich aber auch für mehrere Monate oder sogar Jahre mieten. Gerade dieses Angebot habe sich während Corona als besonders beliebt erwiesen, sagt Nina Eschenröder, die bei Lindenberg für Vertrieb und Preisgestaltung verantwortlich ist. Vor neun Jahren wurde das erste Hotel im Ostend eröffnet. 2016 folgte dann das Libertine Lindenberg in Sachsenhausen und das Lindley Lindenberg auf der Lindleystraße im Ostend.

Städtetrip trotz Corona: Frankfurt ist ein beliebtes Ziel fürs Wochenende

Während der Pandemie konnten zwei der Häuser durchgehend geöffnet bleiben, während das Lindley-Haus im ersten Lockdown für sechs Wochen schließen musste. „Damals haben wir unsere Langzeitgäste einfach auf die anderen beiden Häuser umverteilt“, sagt Eschenröder. In Zeiten der Isolation konnten die Gäste hier trotz Auflagen Gemeinschaft erleben, etwa in der geteilten Küche, den Gemeinschaftsbüros oder der Terrasse, von der aus man auf Fabrikhallen schaut.

Um sich der Pandemie anzupassen, habe man die Zimmerpreise vergünstigt und das Angebot ausgeweitet. Im Lindley-Hotel stehen den Langzeitgästen nun 15 mehr Zimmer zur Verfügung als zuvor. In 25 der insgesamt 100 Zimmer leben derzeit Menschen für längere Zeit. „Das sind deutlich mehr als vor Corona“, sagt Eschenröder. Sie vermutet, diese Entwicklung hänge unter anderem mit der Unsicherheit zusammen, die die Pandemie verursache. Viele seien vorsichtig. Bevor sie sich eine teure Wohnung in Frankfurt anschafften, würden sie die Stadt lieber erst einmal auskundschaften. Ein Zimmer bei Lindenberg biete sich an, da es flexibel jeden Monat kündbar sei. In diesem Sommer hätten die Buchungen individuell Reisender wieder zugenommen. Neben Geschäftsreisenden seien die Hotels aber immer beliebter bei Freizeitreisenden, die vor allem an den Wochenenden nach Frankfurt kämen.

Hotels in der Corona-Pandemie: Einige Künstler:innen kamen kostenlos unter

„Wir haben durch die Pandemie zwar Einbußen gemacht, aber ich gehe davon aus, dass diese nicht so gravierend sind wie zum Beispiel bei Hotels, die sehr von internationalen Reisenden abhängig sind.“ Ihre Kundschaft sei vor allem national und häufig künstlerisch tätig. Kunstschaffende würden die Gemeinschaftsräume gern nutzen, um sich zu vernetzen und Anschluss zu finden. Während der Pandemie hatten gerade sie zu kämpfen, weil das kulturelle Leben weitgehend brach lag. Lindenberg bot deshalb an, fünf Künstler:innen eine kostenfreie Bleibe zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug dazu bot etwa ein Fotograf ein kostenloses Shooting für das Hotel. Das Angebot gelte weiterhin.

Ein Hotel, das normalerweise viele internationale Reisende bedient, ist das Maritim direkt an der Messe. Es gehört zu einer deutschen Kette mit insgesamt 40 Standorten. „Die Pandemie trifft uns in unserer Kern-DNA“, sagt Hoteldirektorin Constanze Neuhörl. Der Betrieb sei vor allem auf Gäste ausgerichtet, die für Messeveranstaltungen nach Frankfurt kämen. In diesem Sommer sei wieder ein wenig Bewegung ins Haus gekommen durch Privatpersonen und Familien, die Frankfurt als touristischen Standort entdeckt hätten. „Aber das ist auch endlich. Die Ferien sind vorbei und uns ist klar, dass das keine Dauerlösung ist.“

Hotels in Frankfurt hoffen auf Messebetrieb und Veranstaltungen nach Corona

Das Problem lasse sich nur lösen, wenn es wieder mit dem Messebetrieb losgehe. Vereinzelt werden bereits wieder Tagungen abgehalten, und im Herbst soll auch die Buchmesse teilweise in Präsenz stattfinden. Doch Neuhörl zeigt sich besorgt. „Viele Veranstalter sind immer noch verunsichert.“ Bisher seien viele Gäste noch zögerlich und warteten ab, ob sie Buchungen vornehmen oder die geplanten Veranstaltungen auf 2022 verschieben. „Ich kann diese Unsicherheit verstehen“, sagt die Hoteldirektorin. Man komme dem Kunden deshalb mit flexibleren Stornierungsfristen entgegen.

Macht die Schließung von drei Häusern der Flemings-Hotels vor wenigen Wochen und das Ende des Grandhotels Hessischer Hof 2020 der Branche Angst? Hoteldirektorin Daniela Fette sagt: „Angst macht es mir nicht. Es wird weiterhin gereist werden, es müssen Veranstaltungen stattfinden. Ich bin optimistisch, dass auch Businessgäste wieder vermehrt die Möglichkeit haben zu reisen. Es gibt Dinge, die man eben nur persönlich an einem Tisch besprechen kann.“ Sie betont: „Sicherlich wird sich das Geschäft verändern, aber es wird nicht aufhören und Frankfurt als Businessstadt wird auch weiterhin pulsierend sein. Die Stadt ist ein wichtiger Standort für Deutschland. Wenn die Impfquote steigt, sind wir auf einen guten Weg zur neuen Normalität.“

Auch Julius Wagner vom Dehoga glaubt an „The New Normal nach Corona“. Momentan rechne er auch nicht mit weiteren Hiobsbotschaften von Hotels, die schließen müssten. Aber er betont auch, dass sie sich als Dehoga dafür einsetzten, dass auch das Kurzarbeitergeld im ersten Quartal 2022 weiter auszahlt wird. Momentan sei es nur bis Ende des Jahres gesichert. „Sonst sind die Anstrengungen der letzten anderthalb Jahre umsonst gewesen.“ (KIKI BRUDER und KATHRIN ROSENDORFF)

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