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Frankfurt: Solidarität mit iranischen Protesten

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Von: Timur Tinç

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„Frau. Leben.Freiheit“ steht neben dem Bild von Mahsa Amini, gemalt auf ein Gebäude im Gallusviertel.
„Frau. Leben.Freiheit“ steht neben dem Bild von Mahsa Amini, gemalt auf ein Gebäude im Gallusviertel. © christoph boeckheler*

Das Künstlerkollektiv „Kollektiv ohne Namen“ hat ein Porträt von der im Iran getöteten Mahsa Amini gemalt. Weitere Demonstration der Exil-Iranerinnen und Exil-Iraner in Frankfurt in Planung. Die Polizei ermittelt nach mehreren Angriffen auf das Generalkonsulat.

Ein riesiges Porträt der im Iran getöteten 22-jährigen Mahsa Amini prangt seit diesem Wochenende an einem Gebäude in der Nähe der Camberger Brücke im Frankfurter Gallusviertel. Daneben steht auf kurdisch: „Jin, Jiyan, Azadi“. Es bedeutet: Frau, Leben, Freiheit. Gemalt worden ist es vom „Kollektiv ohne Namen“. „Für ein selbstbestimmtes Leben für alle Frauen* – überall! Wir sind nicht frei, solange Frauen* nicht frei sind“, schreibt das Kollektiv auf seinen Kanälen in den sozialen Netzwerken und solidarisiert sich mit dem „Befreiungskampf im Iran“.

Amini war von der sogenannten Sittenpolizei wegen eines Verstoßes gegen die strenge islamische Kleiderordnung festgenommen worden. Was genau mit der jungen Frau danach geschah, ist unklar. Fest steht nur, dass sie ins Koma fiel und am 16. September in einem Krankenhaus verstarb. Seitdem demonstrieren überall im Iran Zehntausende Menschen auf der Straße, die Polizei geht massiv gegen die Demonstrierenden vor.

„Von Stunde zu Stunde spitzt sich die Lage zu“, sagt Reza Rouchi, Vorsitzender der Deutsch-Iranischen Gesellschaft in Hessen. Zwischen 100 und 140 Menschen sollen bereits bei Protesten getötet worden sein. Das Regime agiere mit aller Härte gegen die eigene Bevölkerung im Land, beklagt er. Zudem ist das Internet im Land abgestellt worden. „Wir haben noch unsere Kanäle in den Iran“, sagt Rouchi. Außerdem hofft er auf die Aktivierung vom Breitbanddienst Starlink von Multimilliardär Elon Musk, um die Internetsperre zu umgehen.

Am Sonntag war Rouchi einer von 1800 Demonstrierenden in der Frankfurter Innenstadt. Schon am Freitag waren rund 150 Exil-Iraner:innen dem Aufruf des Nationalen Widerstandsrates Iran (NWRI) gefolgt und protestierten vor dem iranischen Generalkonsulat.

Am Donnerstag waren mit brennbarer Flüssigkeit befüllte Glasflaschen auf das Gelände des Konsulats geworfen worden und hatten ein Blumenbeet kurzzeitig in Brand gesetzt. Auch am Samstagabend wurden Brandsätze geworfen, die laut Polizei nur eine Fußmatte kurz zum Brennen gebracht habe. „Das finden wir nicht richtig“, betont Rouchi. Das Regime werde solche Vorfälle ausnutzen, „um die Leute als Krawallmacher darzustellen.“

Die Frankfurter Polizei befasst sich aktuell mit der Frage, ob das Generalkonsulat besser geschützt werden muss. Bei den möglichen Tätern werde in alle Richtungen ermittelt.

Zudem beschäftigt die Polizei sich mit den Vorwürfen der Demonstrant:innen, die am Sonntag einen vermeintlichen Spion ausgemacht haben wollen. „Einem Mann ist eine Kamera aus der Hand geschlagen worden, die dann plötzlich weg war“, sagte ein Sprecher. Die Polizei habe den Mann schützen müssen, der von einer Menge gejagt worden sei. Inwiefern diese Vorwürfe stimmen, könne nicht gesagt werden. „Natürlich nehmen wir uns auch dieser Sache an und werden alle Seiten beleuchten.“

Reza Rouchi will mit seinen Mitstreiter:innen womöglich am Sonntag eine weitere Demonstration in Frankfurt anmelden und steht in Kontakt mit dem Ordnungsamt für einen geeigneten Ort. „In Zeiten der Internetsperre wollen wir den Demonstranten das Signal geben: Wir geben euch unsere Stimme, dass die Weltöffentlichkeit mitbekommt, was im Iran passiert“, sagt Rouchi.

Er ist davon überzeugt, dass die jungen Menschen und insbesondere die Frauen im Iran dieses Mal das Regime in Bedrängnis bringen können. „Vorher waren die Aufstände nur alle zwei oder drei Jahre, jetzt werden es mehr“, erklärt Rouchi. Nicht nur in der Hauptstadt Teheran werde demonstriert, sondern auch in ganz kleinen Städten im Land.

Bürgermeisterin und Diversitätsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne), die selbst aus dem Iran stammt, teilt mit: „Mahsa Aminis Tod muss ein Weckruf sein, Solidarität mit all jenen Frauen zu üben, die selbstbestimmt leben wollen und für ihre sowie LSBTIQ-Rechte eintreten. Ihre Unterdrückung weltweit ist nicht hinnehmbar. Es muss Konsequenzen für das islamistische Regime im Iran geben.“

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