Corona-Pandemie

Frankfurt: „Solidarisches Miteinander funktioniert“

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Zara Quanhi ist Mitbegründerin des Netzwerk „Solidarisch trotz Corona Frankfurt“- Im Interview spricht sie über die Mühen des Organisierens und die Hoffnung auf mehr Miteinander.

Frau Quanhi, Sie haben das Netzwerk „Solidarisch trotz Corona Frankfurt“ mitinitiiert, das sich bemüht, stadtweit Hilfe zu organisieren. Wie kam das?

Das hat damit angefangen, dass ich mich mit Freunden unterhalten habe, wie wir mit Corona umgehen wollen und wie wir uns in unseren WGs unterstützen können, wenn jemand in Quarantäne muss. Sehr schnell waren in unserem Chat dazu 750 Menschen. Und da haben wir gedacht: Wenn so viele Leute das Bedürfnis haben, sich zu vernetzen, müssen wir was daraus machen.

Ihr Netzwerk hat eine Homepage mit Informationen und organisiert Ortsteil-Chats über den Messenger Telegram. Wie viele Leute sind bereits aktiv?

Es gibt verschiedene Stadtteilgruppen, die jeweils Delegierte bestimmen. Es gibt in vielen Stadtteilen Gruppen für unsere Telefonhotlines und Menschen, die sich als Helferinnen und Helfer zur Verfügung stellen. Das Ganze ist der Versuch eines basisdemokratischen Netzwerks, alle sollen sich einbringen. Das Kernteam vom Anfang stellt die Infrastruktur und die Homepage. Wie immer, wenn viele Leute zusammenarbeiten, läuft alles etwas langsamer, aber wir hoffen, dass es dafür auch eine Nachhaltigkeit im sozialen Miteinander gibt. Wir vermuten, dass bis zu 3500 Menschen in irgend einer Form mit dem Netzwerk zu tun haben.

Ihre Homepage und Flyer wirken recht professionell. Haben Sie für so etwas Profis in ihren Reihen?

Es gibt einfach unheimlich viel Bereitschaft von verschiedenen Menschen, sich mit ihren Stärken einzubringen. Es kommen immer wieder neue Leute und bieten ihre Hilfe an, etwa beim Übersetzen von Informationen. Man merkt, dass die Leute gerade verstehen, dass sie aktiv werden müssen.

Können Sie sagen, wie viel konkrete Hilfe schon durch Ihr Netzwerk entstanden ist?

Zur person

Zara Quanhi(34) lebt in Frankfurt und ist eine der Initiatorinnen des Netzwerks „Solidarisch trotz Corona Frankfurt“. Das Netzwerk baut eine stadtweite Hilfestruktur auf und bietet u.a. Informationen in mehreren Sprachen, eigene Telefon-Hotlines und Hilfen beim Einkaufen für Risikogruppen an.

Mehr Informationenim Netz unter www.corona-soli-ffm.org und auf
Twitter unter @CoronaSoliFFM

Das läuft gerade an. Wir haben zum Beispiel schon viele Einkaufs- und Fürsorgepatenschaften vermittelt. Wir hoffen, dass daraus auch soziale Kontakte entstehen, denn wir wollen ja keine reinen Dienstleister sein.

Sie haben auch einen umfangreichen Katalog mit politischen Forderungen erstellt und sprechen sich etwa für ein Grundeinkommen aus. Warum?

Weil unser Hilfsangebot politisch ist! Wir machen uns für Solidarität stark, das schließt alle ein, auch Geflüchtete, Wohnungslose, Kranke, Alte, Alleinerziehende. Es kann nicht sein, dass Geschäfte geschlossen werden, betroffene Mitarbeiter aber weiter ihre Miete zahlen müssen. Es kann nicht sein, dass alle zu Hause bleiben sollen, zugleich aber die Versorgung von wohnungslosen Menschen eingeschränkt wird. Die Krise macht deutlich, dass wir nur in solidarischem Miteinander eine Gesellschaft gestalten können, in der alle gesund und menschenwürdig leben können. Und es zeigt sich, dass es viele wichtige Hilfsangebote aktuell gar nicht gibt und die Regierungen erstaunlich schlecht vorbereitet sind. Gegen die Corona-Pandemie helfen ja nicht nur staatliche Restriktionen.

Sehen Sie denn in der Krise auch eine Chance, dass es nach der Pandemie ein solidarischeres Miteinander geben könnte?

Wir sehen vor allem die Chance, dass Menschen in ihren Stadtteilen die Erfahrung machen, dass solidarisches Miteinander funktioniert. Wir sind in dieser Gesellschaft einfach aufeinander angewiesen, auch das macht die Krise deutlich.

Sie stecken extrem viel ehrenamtliche Arbeit in dieses Projekt. Was motiviert Sie?

Der Wunsch nach einem besseren Miteinander. Und die Erfahrung, dass Solidarität wirklich klappt. Viele Leute, die sich bei uns melden, sind unfassbar glücklich, dass sie diese Erfahrung machen können und nicht alleine sind.

Interview: Hanning Voigts

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