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Fitness auf Youtube: Christiane Wirth nimmt mit ihrem Tablet ein Sportvideo auf.
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Fitness auf Youtube: Christiane Wirth nimmt mit ihrem Tablet ein Sportvideo auf.

Sport in Frankfurt

Frankfurt: So kommt eine Personal Trainerin durch die Krise

  • Anja Laud
    vonAnja Laud
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Die Fitnesstrainerin und Pädagogin Christiane Wirth sichert mit digitalen Angeboten ihr Einkommen. Sie befürchtet, dass das erzwungene Sitzenbleiben für viele Folgen haben wird.

Wenn Christiane Wirth auf ihrem Youtube-Kanal „Fit mit Christiane“ zum „Energy Step“ einlädt, kommt sie sofort zur Sache. Noch während sie ihre Zuschauer:innen begrüßt, bewegt sie ihren Körper zu den Beats der Musik. Dann macht sie ihre erste Ansage. Die Frankfurterin arbeitet gleich in zwei Berufen frei: Sie ist Sporttrainerin, und sie bringt als Pädagogin Kindern das Lernen bei. In der Corona-Krise ist sie auch noch Youtuberin geworden. Das bringt ihr kaum Geld, aber als Freiberuflerin hofft sie, dadurch im Geschäft zu bleiben.

„Als der erste Shutdown begann, war ich verzweifelt“, erinnert sich Wirth ans Frühjahr vorigen Jahres. Die Schulen schlossen, sie konnte nicht mehr wie bisher in der Lernförderung tätig sein. Sportvereine wie die TG Bornheim und Studios, bei denen sie als Trainerin arbeitete, stellten ihr Kursprogramm ein. In der ersten Zeit ging bei der studierten Sozialpädagogin gar nichts mehr. Wie viele Freiberufler:innen fiel sie durch das Hilfenetz, das die Bundesregierung für Soloselbstständige spannte. Aus ihrem Tief rettete sie sich, indem sie sich in ihren beiden Berufen auf Neuland wagte.

Mit Hilfe ihres Ehemannes lernte die 53-Jährige, die digitale Welt für ihr berufliches Überleben zu nutzen. Zunächst als Pädagogin: Lernförderung für Kinder und Jugendliche bot sie über die Videokonferenz-Software Zoom an. Und sie war überrascht, wie gut dieses Angebot angenommen wurde. „Viele Eltern fühlen sich vom Homeschooling überfordert“, erläutert sie.

Um zu kompensieren, dass ihr Einkommen als Leiterin von Sportkursen und als Personal Trainerin wegbrach, arbeitete die bekennende Workaholic immer mehr in der Lernförderung. Bis ihr klarwurde, dass es ohne Sport nicht geht. „Ich muss fit bleiben, wenn ich nach dem Shutdown wieder als Trainerin arbeiten will“, sagt sie. Außerdem wollte sie unbedingt eine Verbindung zu denjenigen halten, die ihre Sportkurse besuchten.

Sport-Angebote

Das ist erlaubt: Gemäß der in Hessen geltenden Corona-Verordnungen darf Sport auf Anlagen im Freien und in Hallen lediglich allein, zu zweit oder mit Personen des eigenen Hausstands gemacht werden. Möglich sind zum Beispiel Paartanz, Tennis-Einzel, Tischtennis-Einzel, Golf mit zwei Personen oder Leichtathletik. Auch Kontaktsportarten wie Karate, Ringen oder Judo sind zulässig, sofern mit einem festen Partner trainiert wird. Im öffentlichen Raum, also auf Wegen, in Parks und im Wald, ist Individualsport wie Joggen, Wandern, Radfahren entweder allein oder mit Angehörigen des eigenen Hausstandes plus maximal einer weiteren Person erlaubt.

Der Turnverein 1874 Bergen-Enkheim hat seine Sporthalle für Mitglieder geöffnet. Eltern und Kinder, die in einem gemeinsamen Haushalt leben, können die Halle nach Anmeldung samstags und sonntags jeweils eine Stunde zum Kinderturnen nutzen und sich an Turngeräten, Kletterseilen und mit Bällen austoben. Damit Familien parallel in der Halle Sport treiben können, wird diese durch eine herunterfahrbare Trennwand in zwei Teile geteilt. Auch für Erwachsene gibt es Angebote. Mitglieder können, ebenfalls nach Anmeldung, jeweils in Zweierteams in einer der Hallenhälften ein Tischtennis-Wettkampftraining sowie ein Volleyball-Kraft- und -Koordinationstraining absolvieren.
www.tv-be.de

Die Turngemeinde Bornheim 1860 bietet ihren Mitgliedern ein „virtuelles Gym“ an. Erwachsene können im Livestream zu festen Zeiten Onlinekurse besuchen und mit Trainern und Trainerinnen beispielsweise Yoga, Pilates oder ein Dance-Workout machen. Kindern steht ein eigenes „virtuelles Kids Gym“ offen. Darüber hinaus ist montags bis freitags unter dem Titel „Fit in den Tag“ ein Sportprogramm der TG im HR-Fernsehen zu sehen. Die Sendungen beginnen gegen 8 Uhr. Jede Einheit dauert etwa 45 Minuten. Wer sie verpasst hat, kann sie auch über die Webseite des HR abrufen.
www.tgbornheim.de

Auch die Frankfurter Turn- und Sportgemeinschaft (FTG) bietet ihren Mitgliedern Training im Livestream an. Auf dem Videokanal des Sportvereins kann darüber hinaus jeder, der sich sportlich betätigen möchte, Videos zu den unterschiedlichsten Trainingseinheiten wie Yoga, Stretching oder Mini-Workouts herunterladen.
www.ftg-frankfurt.de

Im Sportzentrum Frankfurt-Kalbach , Am Martinszehnten 2, ist die Tennishalle geöffnet, ebenso die Mehrzweckhalle, in der die Stadt eigens vier Badmintonfelder eingerichtet hat. Dort kann Einzel gespielt werden oder – mit Mitgliedern des eigenes Hausstands – in größerer Runde. Zwischen den Feldern ist ausreichend Abstand, Duschen und Umkleidekabinen stehen nicht zur Verfügung. Termine können online unter www.frankfurtticket.de gebucht werden.

Der Frankfurter Kinder- und Jugendzirkus Zarakali , in der Platenstraße 79z beheimatet, bietet seinen Mitgliedern über die Videokonferenz-Software Zoom Spiel und Training im Livestream an. Nadja Menke, Sprecherin von Zarakali, weist darauf hin, dass auf der Webseite des Zirkusses auch das Jahresprogramm mit unterschiedlichen Workshops veröffentlich worden ist, die, so hofft sie, wieder auf dem Gelände in Ginnheim abgehalten werden können. Dazu werden Anmeldungen angenommen.
zarakali.de

„Raum Rödelheim“ , eine Einrichtung für Kinder und Teenager, lädt zu einer Rallye durch den Frankfurter Stadtteil ein, bei der sportliche Aktivitäten mit Denkaufgaben verbunden werden. Wer daran teilnehmen möchte, kann sich die wöchentlichen Aufgaben direkt im „Raum“, Wolf-Heidenheim-Straße 7, abholen oder sie über dessen Webseite unter dem Button „Raum in Coronazeiten“ herunterladen. Es gilt, ein Codewort herauszufinden, das aus einer Zahlenkombination besteht. Es kann ab 13. März eingesandt werden. Den Gewinner:innen winkt eine Schatzkiste mit Preisen.
www.raum-roedelheim.de

Die Katholische Betriebsseelsorge Südhessen bietet „Seelsorge to go“ an. Betriebsrät:innen und Beschäftigte, die Hilfe benötigen, können bei einem Spaziergang mit einer Beraterin oder Berater über ihre Sorgen sprechen. Treffpunkte sind in der gesamten Region und, so die Betriebsseelsorge, auch vor dem jeweiligen Werkstor möglich. Termine können per E-Mail vereinbart werden. lad/bö
ingrid.reidt@bistum-mainz.de
michael.ohlemueller@bistum-mainz.de

In einem Livestream, den die TG Bornheim für ihre Mitglieder anbot, machte Christiane Wirth erste Erfahrungen damit, was es heißt, vor einer Kamera und unsichtbarem Publikum Sporttraining zu machen. „Ich war super aufgeregt“, erzählt sie. Danach beschloss sie, online eigene Trainingseinheiten anzubieten. Einen Livestream in Eigenregie schloss sie für sich aus. „Das ist technisch viel zu aufwendig.“ Außerdem wollten die meisten, die sich für Remote-Formate interessierten, nicht an feste Termine gebunden sein, sondern trainieren, wann immer es in ihren Tagesablauf passe.

Ihr Mann richtete ihr gleich im ersten Lockdown einen eigenen Youtube-Kanal ein. Anfangs schnitt sie die Videos, doch auch das erwies sich als zu aufwendig. „Das Schneiden selbst geht zwar schnell, aber das Hochladen eines solchen Videos blockiert meinen Computer über Stunden“, berichtet sie. Das könne sie sich nicht leisten, die Zeit gehe für den Zoom-Unterricht mit ihren Schüler:innen verloren. „Ich muss ja Geld verdienen“, sagt Wirth. Außerdem seien die ungeschnittenen Videos authentischer. „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erleben mich so, wie sie mich aus den Kursen kennen.“

Jede Menge Sportvideos in unterschiedlichen Längen hat Wirth in den vergangenen Monaten auf ihrem Kanal hochgeladen. Ihr Angebot reicht von 15-Minuten-Filmen für „aktive Pausen“ über Rückentraining bis hin zum einstündigen Kraft- oder Steptraining. Alle Angebote sind kostenlos. In der Presence-Kulturlounge in der Wittelsbacherallee kann sie gegen eine Spende einen Raum für die Filmaufnahmen nutzen.

Obgleich sie durch den Wegfall der Sportkurse in Vereinen und Studios die Hälfte ihres Einkommens eingebüßt hat, kommt Christiane Wirth über die Runden. „Ich schränke mich ein, ich führe ein bescheidenes Leben“, sagt sie. Allerdings müsse der Staat unbedingt in den Breitensport investieren. Sport sei nicht nur eine schöne Freizeitbeschäftigung. Er sei wichtig für die Gesundheit.

Ihr Eindruck ist, dass sich die Menschen während des zweiten Shutdowns weniger bewegten als im ersten. Nicht nur weil das Wetter im Winter schlechter sei, sondern auch weil das Leben mit der Pandemie auf Dauer zermürbe. Die Sportvideos auf Youtube seien zwar eine Hilfe. Anders als bei einem Kurs in der Sporthalle falle es den meisten aber schwerer, sich für die Teilnahme an digitalen Angeboten zu motivieren. Das erzwungene Stillsitzen im Lockdown, da ist sich Christiane Wirth sicher, werde physische und psychische Folgen haben.

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