1. Startseite
  2. Frankfurt

Snoop Dogg investiert Millionen Euro in Frankfurter Cannabis-Unternehmen

Erstellt:

Von: Kathrin Rosendorff

Kommentare

Benedikt Sons zeigt Cannabispflanzenteile im Lager in Mörfelden-Walldorf. Bis zu 20 Tonnen Cannabis können hier gelagert werden.
Benedikt Sons zeigt Cannabispflanzenteile im Lager in Mörfelden-Walldorf. Bis zu 20 Tonnen Cannabis können hier gelagert werden. © Rolf Oeser

Der US-Rapper Snoop Dog investiert mit seinem Fonds einen mehrstelligen Millionenbetrag in das Start-Up-Unternehmen der Brüder Benedikt und Jakob Sons in Frankfurt.

Frankfurt – Wenige Tage, nachdem Snoop Dogg beim Kiffen hinter der Bühne beim Super Bowl gefilmt wird, wird bekannt, dass der US-Rapper in ein hessisches Cannabis-Unternehmen einen mehrstelligen Millionenbetrag investiert. Das sei kein geplanter PR-Coup gewesen. „Das war ein Zufall, aber klar, es war es ein gutes Timing“, sagt Benedikt Sons und lacht. Der 33-Jährige sitzt an diesem Tag in einem ihrer Büroräume im Frankfurter Westend. Zusammen mit seinem Bruder Jakob (31) hat er vor fünf Jahren das Start-Up Cansativa gegründet.

„Wir sind eine Plattform zwischen Produzenten und Apotheken und beliefern die Apotheken mit medizinischem Cannabis direkt von unserem Lager in Mörfelden-Walldorf aus“, so Sons. Laut eigener Aussage sei Cansativa eines der bundesweit größten Unternehmen im seit 2017 legalen medizinischen Cannabis-Markt. „2021 sind wir auf einen achtstelligen Umsatz angewachsen“, betont Sons.

Frankfurt: Rapper Snoop Dogg investiert großen Teil in Cannabis-Unternehmen

Insgesamt 13 Millionen Euro hat das Unternehmen jetzt von drei Investoren erhalten: Der größte Teil davon kommt eben vom Fonds Casa Verde Capital, den Snoop Dogg im Jahr 2015 gründete und seitdem weltweit in Cannabis-Unternehmen investiert. „Casa Verde Capital hat uns angesprochen, weil wir sehr gut im Markt positioniert sind. Es ist toll, dass eine Industrie-Ikone wie Snoop Dogg mit an Bord ist. Der Einstieg von Casa Verde ist ein Meilenstein für uns“, sagt Sons.

Benedikt (li.) und Jakob Sons auf der Dachterrasse im Frankfurter Westend.
Benedikt (li.) und Jakob Sons auf der Dachterrasse im Frankfurter Westend. © Christoph Boeckheler

Bei den Video-Konferenzen mit den Investmentpartner:innen, die in L.A. sitzen, war der Rapper bislang nicht persönlich dabei. Die Gespräche liefen bereits vergangenen Sommer – und somit noch vor der Bundestagswahl und der geplanten Legalisierung von Cannabis für die Allgemeinheit als Genussmittel. „Wenn es jetzt Richtung Genusscannabis geht, möchten wir extrem wachsen“, sagt Sons. In den nächsten drei Monaten wollen die Brüder ihre bislang 20 Mitarbeitende auf 50 aufstocken. Und sie wollen vor allem technisch aufrüsten, sodass sie auch mehr Cannabis vertreiben könnten, sobald die Legalisierung von Cannabis als Gesetz verabschiedet wird.

Unternehmen aus Frankfurt bereit zum Cannabis-Verkauf bei Legalisierung

„Mit Corona und dem Krieg in der Ukraine haben wir gesellschaftlich momentan Riesen-Probleme. Wir rechnen also damit, dass man frühstens 2024 Cannabis in Deutschland legal kaufen kann. Wir wären aber auch vorbereitet, wenn es früher losgeht.“ Aktuell hätten sie Kapazitäten 20 Tonnen Cannabis in Mörfelden-Walldorf zu lagern.

Anfangs war ihr Lager noch in Fechenheim, doch sie seien so schnell gewachsen, dass sie sich Ende 2019 vergrößern mussten und nach Mörfelden-Walldorf umzogen. Sie bauen aber selbst kein Cannabis an. „Das ist wirtschaftlich nicht rentabel für uns bei den klimatischen Voraussetzungen in Deutschland“, so Benedikt Sons. Im vergangenen Jahr sind insgesamt in Deutschland über 12,5 Tonnen medizinisches Cannabis an Apotheken geliefert worden . Schwerkranken Menschen darf es so zur Schmerzlinderung verschrieben werden.

Cannabis aus Frankfurt: „Wir können hier auch mehrere Tonnen Verpackungen produzieren“

„Wir können hier auch mehrere Tonnen Verpackungen produzieren“, so Sons. Denn das Cannabis, das sie von den Produzenten geliefert bekämen, erhielten sie auch in Großgebinden: „Wir packen das Cannabis dann in handelsübliche fünf bis 15 Gramm Mengen für die Apotheken um. Und zwar unter pharmazeutischen Bedingungen in einem Reinraum mit Überdruckatmosphäre, damit keine Schmutzpartikel reinkommen.“

Wie kamen die Brüder, die in Kassel aufgewachsen sind, überhaupt darauf, ein Start-Up für medizinisches Cannabis aufzubauen? Benedikt Sons ist eigentlich Wirtschaftsingenieur, sein Bruder Jakob Rechtsanwalt.„Mein Bruder hat mich bei einer Familienfeier zu Seite genommen. Er hatte sich während eines Falls 2017 rund um das neue Gesetz zur legalen Abgabe von medizinischen Cannabis beschäftigt gehabt. Er sagte zu mir: ‚Irgendwas passiert da gerade mit Cannabis auf dem Markt. Wollen wir uns das zusammen anschauen?‘“

US-Rapper Snoop Dogg ist schon lange ein erfolgreicher Investor.
US-Rapper Snoop Dogg ist schon lange ein erfolgreicher Investor. © imago

Sons betont: „Es war ein Markt, der da noch nicht existent war, aber der Bedarf war schon da. Das war wirtschaftlich wahnsinnig spannend.“ Auch ihr Vater, der im Klinikum Kassel Direktor für Herzchirurgie war, habe sie ermutigt und unterstützt. „Er hat uns in der Anfangsphase Kontakte zu Medizinern und Apotheken vermittelt.“

Rapper Snoop Dogg investiert in Cannabis-Firma in Frankfurt: Das einzige mit Zuschlag

2018 geht es mit dem ersten Import aus den Niederlanden los. „Anfangs, als wir noch in Fechenheim waren, waren wir zu zweit, plus zwei Werkstudenten und einer Lagerkraft. Jakob kam nach seiner Arbeit in der Kanzlei und übernahm das Packen der Pakete. Wir haben dann aber bald unsere Jobs gekündigt und konnten Anfang 2019 unsere ersten Kolleginnen und Kollegen einstellen“, so Sons.

Sie sind auch das einzige Unternehmen in Deutschland, das vom Bundesinstitut für Arznei und Medizinprodukte bei einem europaweiten Wettbewerb den Zuschlag erhielt, medizinisches Cannabis aus deutschem Anbau an Apotheken zu vertreiben. „Die Relevanz von Cannabis aus Deutschland ist aber noch gering und liegt noch bei unter fünf Prozent. Das liegt daran, dass der erste deutsche Kultivator, die Firma Aphria RX aus Neumünster, erst letztes Jahr an den Start gegangen ist“, sagt Sons.

Unternehmen aus Frankfurt„Der illegale Markt existiert, Cannabis wird konsumiert“

„Wenn aber in naher Zukunft, die zwei anderen Unternehmen Demecan und Aurora, denen offiziell der Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland erlaubt worden ist, beginnen, dann wären das 2,6 Tonnen Cannabis aus Deutschland im Jahr.“ Den größten Teil importierten sie bislang aus dem Ausland.

Was sagen sie eigentlich zu den Kritiker:innen, die sagen, dass die Legalisierung von Cannabis, eine Gefahr sei? Cannabis als Einstiegsdroge verharmlosen würde? „Der illegale Markt existiert, Cannabis wird konsumiert. Die Schätzungen reichen von 400 bis 800 Tonnen Cannabis im Jahr in Deutschland. 400 Tonnen kommen uns realistisch vor“, so Sons. Diese seien verbunden mit kriminellen Strukturen. „Deshalb ist jedes Gramm, das man aus dem Schwarzmarkt in einen legalisierten und damit kontrollierten Markt bekommt, schon ein Gewinn.“

Rapper Snoop Dogg hat Angestellten für Cannabis-Konsum

Die zusätzlichen Steuereinnahmen und die Einsparungen wie für Gerichtsverfahren könnte der Staat so auch in Jugendprävention investieren. In den legalen Abgabestellen habe man zudem geschultes Personal, das auch die Konsument:innen aufklären könnte. „Und man weiß, was drin ist. Kauft man bei Dealern, weiß man nie, was reingemischt ist.“

Ihr Investor Snoop Dogg hat einen extra Angestellten, der 40 000 bis 50 000 Dollar im Jahr verdient, dafür, dass er Snoop seine durchschnittlich 81 Joints am Tag dreht. Wenn Snoop Dogg mal persönlich nach Hessen mit seinem Joint-Dreher zum Geschäftstermin vorbeikommen sollte, würden sie die beiden nicht ins Frankfurter Büro, sondern ins „Herzstück“ nach Mörfelden-Walldorf einladen.

Hat Benedikt Sons überhaupt einen persönlichen Bezug zu Snoop Dogg? „Als Jugendlicher war ich Stürmer in der deutschen Nachwuchsliga bei den Kassel Huskies. Wir haben immer vor den Spielen Snoop Dogg zum Einheizen gehört. „Next Episode und Still Dre“. Da musste ich in den letzten Wochen häufiger darüber schmunzeln, dass sich da ein kleiner Kreis geschlossen hat. Snoop Doggs Fonds ist jetzt mehr als ein Warm-Up. Er ist ein ganz großer Anschub, um nochmal zu wachsen.“ (Kathrin Rosendorff)

Auch interessant

Kommentare