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Gunnar Wöbke, der Geschäftsführer der Skyliners, kämpft für die Zukunft seines Vereins.

Gunnar Wöbke im Interview

Gunnar Wöbke mahnt beim Hallenbau zur Eile: „Uns läuft die Zeit weg“

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Skyliners-Chef Gunnar Wöbke über den Standort für die Multifunktionsarena, den neuen Investor und die Herausforderungen in der Basketball-Bundesliga.

Seit Jahren wird im Römer über den Bau einer modernen und großen Multifunktionsarena diskutiert, in der die Basketballer der Skyliners und die Eishockey-Löwen ihre Heimspiele austragen sollen. Laut Sportdezernent Markus Frank (CDU) sind die Verhandlungen mit dem Investor Lagardère über eine Halle am Kaiserlei auf der Zielgeraden. Nun aber hat sich ein weiteres Unternehmen gemeldet, das am Flughafen eine weitaus größere Halle plant. Gunnar Wöbke, Geschäftsführender Gesellschafter der Skyliners, steht diesem Vorhaben offen gegenüber, mahnt aber zur Eile.

Herr Wöbke, in der Kommunalpolitik gibt es vermehrt Stimmen, den Bau einer Arena am Flughafen zumindest zu prüfen und nicht nur am Standort Kaiserlei festzuhalten. Wie bewerten Sie diese Diskussion?
Für den Fall, dass es nun nicht zeitnah zum Abschluss der laufenden Ausschreibung am Kaiserlei kommt, ist es aus meiner Sicht sinnvoll, mehrgleisig zu fahren und sich alles anzuschauen. Dazu gehört auch, mit weiteren Investoren zu reden. Uns läuft immer mehr die Zeit weg.

An dieser laufenden Ausschreibung ist die kanadische Katz Group, die am Flughafen bauen will, aber nicht beteiligt.
Nein – die läuft ja schon sehr lange. Wir freuen uns grundsätzlich über jeden neuen Investor. Auch die US-amerikanischen Oak View Group würde gerne in eine Arena in Frankfurt investieren. Alle wollen dies, weil sie sich sicher sind, dass Frankfurt ein idealer Standort ist, an dem man eine Arena gewinnbringend betreiben kann. Daran gab es ja früher mal den einen oder anderen Zweifel. Das große internationale Interesse an dem Projekt und dem Standort Frankfurt/Rhein-Main ist sehr gut für das Thema. Wichtig ist, dass nun schnell gebaut wird und wir einen Mietvertrag bekommen, der uns ermöglicht, den Basketballstandort Frankfurt in der Breite zu sichern – Stichwort: Jugendarbeit – und wieder in die Spitze zu führen. Wir wollen wieder ein Wachstum Richtung nationaler und internationaler Titel erreichen.

Sportdezernent Markus Frank scheint den Plänen am Flughafen aber skeptisch gegenüberzustehen, weil er das Projekt am Kaiserlei gefährdet sieht. Können Sie seine Bedenken nachvollziehen?
Ich kann das sehr gut nachvollziehen, da bei dem Vorhaben am Flughafen auch für uns noch sehr viele Fragen offen sind. Insbesondere die Zeitabläufe erscheinen unrealistisch. Am Kaiserlei sind die Gespräche viel weiter fortgeschritten. Insofern geht es nun darum die Ausschreibung zum Abschluss zu bringen. So – oder so. Und wie gesagt: Ein weiterer Investor ist sehr positiv. Wichtig ist, dass nun schnell eine Lösung gefunden und mit dem Bau begonnen wird. Wirklich schlimm wäre für uns, wenn man den Standort Kaiserlei wegen der möglichen Alternative am Flughafen aufgeben und am Kaiserlei ein anderes Bauvorhaben umsetzen würde. Wenn sich dann später herausstellt, dass sich die Halle am Flughafen nicht realisieren lässt, wäre das letzte für eine Arena geeignete Grundstück in Frankfurt verbaut – das wäre der Supergau.

Wäre eine Halle mit 24.000 Plätzen, wie sie am Flughafen vorgesehen ist, überhaupt zu füllen?
Das ist ein Problem. Sicher nicht unmittelbar und bei jedem Spiel.

Die Verhandlungen über den Standort Kaiserlei dauern schon sehr lange an. Müsste Markus Frank da mehr Druck machen?
Markus Frank und Baudezernent Jan Schneider verfolgen das Thema beide seit Jahren mit Hochdruck. Es wird jetzt jedoch langsam, aber sicher Zeit, Vollzug zu vermelden.

Haben Sie das Gefühl, dass die Politik das Thema energisch genug vorantreibt?
Das Gefühl, dass die Politik das Thema nicht mit der nötigen Energie vorantreibt, hatten wir in den vergangenen 20 Jahren, in denen wir darüber sprechen, tatsächlich öfter mal. Jetzt scheint es aber parteiübergreifend angekommen zu sein, welche Vorteile eine solche Halle für uns Sportklubs, aber auch die ganze Region bringt. Das zeigt nicht nur die rege öffentliche Diskussion, sondern insbesondere auch die sehr vertrauensvollen Gespräche, die wir hinter „verschlossenen Türen“ mit der Politik haben. Das Thema ist nun zum Glück auf dem Radar. Dafür sind wir sehr dankbar.

Gunnar Wöbke ist Geschäftsführender Gesellschafter der Skyliners. Er spielte bei Tatami Rhöndorf Basketball. Als Manager des Teams organisierte er 1999 den Umzug nach Frankfurt.

Immer wieder ist vom Faktor Zeit die Rede. Wieso haben die Skyliners Zeitdruck?
Was nicht wächst, das stirbt. Das gilt für jede Pflanze, jeden Menschen, jede Beziehung und auch für jedes Unternehmen. Und eben auch für Sportclubs. Wir sind durch die neuen Arenen, in denen mittlerweile fast alle unsere Wettbewerber in der Bundesliga spielen, mächtig unter Druck geraten. Wir sind infrastrukturell stark zurückgefallen und damit zwangsläufig auch wirtschaftlich und sportlich. Es wird für uns von Jahr zu Jahr schwerer, unser sportliches Mindestziel, die Playoffs, zu erreichen. Und das, obwohl wir die wahrscheinlich effektivste Jugendarbeit in Deutschland machen und quasi am Fließband neue Nationalspieler entwickeln.

Wie sieht es mit der Konkurrenz in Europa aus?
Im interessantesten europäischen Wettbewerb – der Euroleague – können wir ohnehin schon seit vielen Jahren aus infrastrukturellen Gründen nicht mehr teilnehmen. Selbst wenn wir Deutscher Meister würden, könnten wir den Platz nicht wahrnehmen. In ganz Hessen gibt es keine geeignete Halle. Das stellt langfristig vielleicht sogar das größte Bedrohungspotenzial für den Basketball-Standort Frankfurt dar. Denn über lang oder kurz wird sich die Euroleague weiter durchsetzen, und ich bin mir sicher, dass es nur eine Frage der Zeit ist, dass die nationalen Wettbewerbe weiter an Bedeutung verlieren und die Euroleague ein „Closed Shop“ wird.

Droht also der sportliche Niedergang der Skyliners?
Fakt ist: Wenn wir diese Entwicklung nicht stoppen können und/oder etwa auch die Basketball-Bundesliga verkleinert wird, spielen wir in drei oder vier Jahren nicht mehr wie geplant um die Playoffs oder gar Titel, sondern nur noch um den Klassenerhalt. Und dass ein sportlicher Abstieg auch Auswirkungen auf die Jugend- und Integrationsarbeit, die wir jede Woche mit Tausenden von Jugendlichen leisten, haben wird, kann sich jeder selber ausmalen.

Wie ist Ihre Einschätzung: Wird es eine Multifunktionsarena geben, und wann können die Skyliners dort spielen?
Ja – im Sommer 2022. Denn wenn es mit der Ausschreibung am Kaiserlei nicht klappen sollte und sich das Projekt am Flughafen aus welchem Grund auch immer nicht realisieren lässt, werden wir die Halle selber bauen, um zu überleben. Wir haben die Politik darüber informiert, dass wir für diesen Fall das uns versprochene Grundstück am Kaiserlei benötigen.

Wie sehen die Details für einen solchen Plan B aus? Würden Sie zum Beispiel mit einem Investor zusammenarbeiten?
Darüber zu reden ist noch viel zu früh. Wir gehen jetzt erst einmal davon aus, dass sich das Thema zeitnah anders löst und eine Halle entsteht, wie sie im Römer-Koalitionsvertrag ja auch vorgesehen ist.

Interview: Georg Leppert

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