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Frankfurt: Skyliners-Boss greift SPD wegen Halle an

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Von: Timur Tinç

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Die Skyliners würden am liebsten in einer Halle am Kaiserlei spielen.
Die Skyliners würden am liebsten in einer Halle am Kaiserlei spielen. © Turkali-Architekten

Gunnar Wöbke sieht Kaiserleiverhinderungspolitik bei der Fraktionsgeschäftsführung der Frankfurter SPD. Planungsdezernent Mike Josef bereitet eine Magistratsvorlage für den Standort Stadion vor. In Hattersheim gibt es unter anderem Bedenken wegen der Verkehrserschließung für das Projekt von „The Dome“.

Jahrelang hat sich Gunnar Wöbke zurückgehalten. Der geschäftsführende Gesellschafter von Basketball-Bundesligist Frankfurt Skyliners hat zwar seinen Unmut darüber geäußert, weil es mit einer Multifunktionshalle in der Stadt seit Jahren nicht vorangeht, aber nie die Schuld einzelnen Personen zugeschoben. In einem Interview mit der „FAZ“ hat Wöbke nun die SPD-Fraktionsgeschäftsführung, namentlich Ursula Busch und Holger Tschierschke, angegriffen. „Leider gibt es in der SPD-Fraktion diese ,Kaiserleiverhinderungspolitik‘. Bei uns bleibt der Eindruck haften, dass die Option ,Kaiserlei‘ alleine von der Fraktionsführung der SPD blockiert wird“, sagte Wöbke.

Außerdem sei das Angebot, am Kaiserlei eine Arena zu bauen, boykottiert worden. Damit meinte er das Veto der SPD im Februar 2021 gegen eine Anhandgabe des Areals an die Kaiserlei Projektentwicklungsgesellschaft mbh von Wöbke. Damit hätten dort notwendige Prüfungen wie ein Umweltgutachten vorgenommen werden können. Die damaligen Koalitionspartner Grüne und CDU waren dafür.

Ursula Busch wollte die Äußerungen Wöbkes nicht kommentieren. „Die Skyliners sind ja auch in einer schwierigen Situation“, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende im Römer. Die Basketballer sind sportlich abgestiegen, können aber auf eine Wildcard hoffen für die sie 700 000 Euro bezahlen müssten, wenn sie diese von der Basketball-Bundesliga (BBL) bekommen. „Ich würde da nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen“, sagte Busch, die sich in der Vergangenheit für das Projekt von „The Dome“ am Flughafen ausgesprochen hat.

Diese wollen, nachdem sich der Flughafen erledigt hat, nun offenbar zwischen Sindlingen und Hattersheim ihr Projekt realisieren. Eine Halle für 23 000 Menschen, eine für 4500 Menschen und ein Hotel. Allerdings ist für so ein Vorhaben weder im regionalen Flächennutzungsplan ein Baugebiet auf Hattersheimer Gemarkung vorgesehen, noch ist geklärt, wie der Verkehr erschlossen werden soll. „Eine direkte Zufahrt von der Autobahn zu dem geplanten Standort wäre nicht vorhanden“, sieht die Hattersheimer SPD als Problem. Bei der Stadt gab es außer einer Anfrage keine konkretisierenden Gespräche, wie Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) berichtete.

Appell an Koalition

Julia Frank, Vorsitzende der Frankfurter Grünen, hält die Idee von einer Halle in Hattersheim für abwegig. Schon die Ballsporthalle in Unterliederbach sei zu weit draußen. „Die großen Hallen, die in den vergangenen Jahren in Deutschland entstanden sind, sind zentral in den Städten gebaut worden“, sagt Frank. Deshalb bevorzugten die Grünen auch den Kaiserlei, halten aber den Standort Stadion auch für gut. „Wir diskutieren gerade in unseren Fachgruppen darüber und müssen uns dann mit dem Planungsdezernenten austauschen, welche Punkte abgeklopft werden müssen“, sagte sie. Unter anderem die Aufforstung an der Isenburger Schneise sehen Grüne wie SPD als zu klärende Fragen.

Planungsdezernent Mike Josef (SPD) ist dabei, eine Magistratsvorlage für den Standort Stadion einzubringen, die in wenigen Wochen fertig sein soll. Dann ist die Römer-Koalition aus SPD, Grünen, FDP und Volt gefragt. „Wir werden die Bemühungen, die Arena am Stadion zu errichten, voll umfänglich unterstützen, bitten nur darum, dass als Plan B nun endlich die nötigen bautechnischen Untersuchungen am Kaiserlei gestartet werden und der versprochene Aufstellungsbeschluss in Auftrag gegeben wird“, sagte Gunnar Wöbke. Diese Untersuchungen seien ohnehin für jegliche Art von Nutzung am Kaiserlei nötig, „denn wir können es uns nicht leisten, weitere Jahre zu verlieren, falls es aus welchem Grunde auch immer am Stadion doch nicht klappen sollte“.

Ob die Koalition sich dafür einsetzen wird, ist jedoch fraglich. Gegenüber der „Allgemeinen Zeitung Mainz“ sagte Holger Tschierschke: „Gesetzt den Fall, dass in Hattersheim alle Fragen geklärt sein sollten und dort irgendwann tatsächlich ein exakter Termin für den Spatenstich feststehen sollte, ist das Hallenprojekt in Frankfurt praktisch tot.“ Dabei sollte der stellvertretende SPD-Fraktionsvize alleine aus den Aussagen seiner eigenen Partei in Hattersheim wissen, dass man davon weit entfernt ist. Und dass man sich als Frankfurter Kommunalpolitiker so äußert, während der eigene Planungsdezernent eine mehr als aussichtsreiche Alternative aufgezeigt hat, ist befremdlich und sollte in der eigenen Partei und Koalition einige Fragen aufwerfen. Gunnar Wöbkes Eindruck ist offenbar nicht ganz falsch.

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