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Nicht nur die Gebäude, auch die ganze Parkanlage steht als Ensemble unter Denkmalschutz.

Sindlingen

Sindlinger Villa Meister verkauft

Anwohner bangen, ob der Park auch künftig öffentlich nutzbar sein wird. Mutmaßlicher Käufer möchte sich nicht äußern.

Frankfurt - Die Villa Meister, ihre Nebengebäude und die historische Parkanlage sind wohl verkauft. Wie Hessenschau.de berichtet, geht das Ensemble an die Cairos-Gruppe mit Sitz im Westend über. 

Laut Hessenschau wollen die Käufer nach Richtlinien des Denkmalschutzes Villa und Nebengebäude sanieren und auf dem Areal zusätzlich Wohnungen bauen. Bestätigen möchte das die Cairos-Gruppe allerdings nicht. „Wir können zur Zeit keine Informationen dazu geben“, heißt es aus dem Vorzimmer. Erst „in ein paar Wochen“ sei das möglich.

Frankfurt: Villa Meister wohl verkauft

Seit 2015 ist bekannt, dass sich die Erbengemeinschaft vom Anwesen trennen möchte. Der Sindlinger Stadtverordnete Sieghard Pawlik (SPD) hatte daher angeregt, die Stadt möge sich das Areal sichern. Dazu ist es nie gekommen. Entsprechend verärgert ist Pawlik jetzt. „Ein Koalitionspartner hat das nicht haben wollen“, sagt Pawlik. „Die Union.“ Dabei hätte es sich finanziell darstellen lassen, glaubt er.

Was passiert mit der Villa Meister?

Das Anwesen  Herbert von Meister(1866-1919), Mitbegründer der Hoechst AG, hat das Grundstück auf der Höhe über dem Main 1902 erworben, er ließ das Anwesen mit Wohnhaus im Stil der wilhelminischen Zeit, Orangerie, Stallungen, einem Kutscher- und einem Gärtnerhaus sowie einer Reitbahn im italienischen Stil mit Putten und Bänken aus Marmor anlegen. Dafür zeichnet Baurat Franz von Hoven verantwortlich, der auch bei der Erweiterung des Frankfurter Rathauses mitgewirkt hat.

Der öffentliche Zugangzum Anwesen und dem weitläufigen Park ist testamentarisch verfügt. Der Sindlinger Reiterverein nutzt Reithalle und Park. Im Hauptgebäude ist ein Rehazentrum des Deutschen Ordens für ehemalige Drogenkranke untergebracht. Das hat 2017 bereits angekündigt nach Friedrichsdorf ziehen zu wollen. sky

Zumindest hatte es 2015 aus der Frankfurter Stadtplanung zuversichtlich stimmende Signale gegeben. Der Grundstückswert liege bei 8,6 Millionen Euro, die Gebäude freilich nicht mit einberechnet. Die Planer wollten darum prüfen, „ob eine teilweise bauliche Nutzung des Geländes oder der Umgebung, etwa für Wohnungsbau“ möglich wäre, um den teuren Kauf und die notwendige Sanierung gegenfinanzieren können, wie es im Magistratsbericht aus April 2015 hieß.
Fachleute gingen etwa davon aus, das auf der Anhöhe zusätzliche Wohnungen hätten entstehen können, mit Blick auf den Main, erschlossen von einer Stichstraße, die nicht durch den denkmalgeschützten Park führt.
Das werden nun womöglich die künftigen Eigentümer umsetzen. Wobei Pawlik das Vorhaben für nicht so einfach hält.
Nicht nur die Gebäude, die ganze Parkanlage steht als Ensemble unter Denkmalschutz, sogar die Mauer zur Weinbergstraße. Neubauten würden den Charakter der Anlage auf jeden Fall ändern, findet Pawlik. Auch wenn die Investoren wegen der Nähe zum Industriepark ohnehin nur etwa 50 neue Wohneinheiten bauen dürften. Die allerdings bräuchten dann auch Parkplätze. Wichtig wäre den Sindlingern auch, dass der Park öffentlich zugänglich bleibt.

Offen ist, wie es mit dem Reiterverein weitergeht, der Stallungen und Reithalle des Anwesens nutzt. Am Montag ist der Verein nicht zu erreichen, hat auch seine Ansage auf dem Anrufbeantworter geändert: Anfragen bitte nur noch per E-Mail.

von Georg Grodensky

Wie es mit der Villa Meister weitergeht, ist seit 2015 unklar. Schon damals berichtete die Frankfurter Rundschau* über eine unklare Zukunft.

fr.de* ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion

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