+
Demonstration mit Menschenkette gegen einen neuen Stadtteil westlich der A5 Mitte September.

Überblick

Hürden für den neuen Stadtteil in Frankfurt

  • schließen

Erste Ergebnisse der Untersuchungen für Quartiere im Nordwesten Frankfurts liegen vor. Probleme gibt es viele. Doch die meisten scheinen lösbar. Ein Überblick.

67 Vogelarten haben Gutachter der Planungsgesellschaft Natur & Umwelt im Untersuchungsbereich gefunden, davon haben 45 ihr Revier im Gebiet oder brüten dort. Überdurchschnittlich artenreich sind Steinbach- und Urselbachaue. Streng geschützte Vögel im Gebiet sind Grünspecht, Mäusebussard und Turmfalke. Sechs Fledermausarten, die alle streng geschützt sind, haben die Gutachter sicher bestimmt. Flächendeckend verbreitet ist die Zwergfledermaus. An Reptilien wurden nur die streng geschützten Zauneidechsen vorgefunden. Nachweise für Feldhamster fanden die Gutachter nicht. Ein Vorkommen sei aber nicht restlos auszuschließen, heißt es. Um die Auswirkungen der Pläne zu beurteilen, haben die Gutachter zwei Varianten untersucht: eine Bebauung beidseits der Autobahn (1) und nur östlich der Autobahn (2). Bei Variante 2 werden 35 Vogelreviere überplant. Lebensräume der Zauneidechse wären betroffen. Nahrungsmöglichkeiten auf landwirtschaftlich genutzten Flächen gingen verloren. Bei Variante 1 werden 52 Vogelreviere überplant. Der Zauneidechsenlebensraum südwestlich der Raststätte und ein Sommerquartier der Zwergfledermaus wären von der U-Bahn-Verlängerung betroffen. Diese Trasse ließe sich laut Gutachten verschieben. Es werden zudem verschiedene Kompensationsmaßnahmen vorgeschlagen.

Lärm: Schutzwände entlang der Autobahn

Größte Lärmquelle im Untersuchungsgebiet ist die an dieser Stelle bisher sechsspurige A5, die auf acht Spuren erweitert werden soll. Nach einem Gutachten des TÜV Hessen können mit Wand-Wall-Kombinationen oder Lärmschutzwänden von zehn Meter Höhe über Autobahnniveau die Pegel tagsüber und nachts sehr deutlich reduziert werden. Dabei wird die größte Minderung nahe der Lärmquelle und in niedriger Höhe erreicht. Mit zunehmender Entfernung und Höhe nimmt der Effekt des Lärmschutzes ab. Eine geringere Wirkung dürfte dieser laut Gutachten wegen des ansteigenden Geländes im Südwesten des Areals haben. Die Frage des Mindestabstands zwischen Autobahn und Wohnbebauung hält der Gutachter für nicht eindeutig beantwortbar. Er weist darauf hin, dass dieser von den Ausbauplänen für die A5 abhängen werde, und rät zu frühen Abstimmungen zwischen Stadt und Bauträger. Zu den Höchstspannungsleitungen sollten aus schalltechnischen Gründen Mindestabstände von mindestens 90 Metern zu allgemeinen Wohngebieten, von 40 Metern zu Kern- und Mischgebieten oder urbanen Gebieten eingehalten werden. Weitere Lärmquellen im Areal sind eine Asphaltrecyclinganlage, ein Hühnermastbetrieb und ein Umspannwerk.

Stromtrassen: Grenzwerte einhaltbar

Höchst- und Hochspannungsleitungen verlaufen parallel zur Autobahn 5. Hochspannungsleitungen durchqueren das Areal zudem westlich der Trasse. Dort sollen, wie es im Gutachten des TÜV Süd heißt, zudem zwei Hochspannungs- gegen Höchstspannungsleitungen ersetzt werden. Durch das Areal führen zudem unter anderem Erdkabel. Die TÜV-Gutachter haben die Auswirkungen der magnetischen und elektrischen Felder untersucht, die von den Freileitungstrassen und der Erdkabeltrasse verursacht werden. Das Ergebnis: Die Grenzwerte für magnetische Felder werden überall im Plangebiet, selbst direkt unter den Masten, sicher eingehalten. Die Grenzwerte für elektrische Felder werden unterhalb der Leitung dagegen fast erreicht. Dort treten Werte auf, die nur elf Prozent unter dem Grenzwert liegen. Die Gutachter halten die Bebauung des Plangebiets somit für grundsätzlich zulassungsfähig. Sie empfehlen, in direkter Nachbarschaft zu den Freileitungstrassen Gewerbe- und Industriebetriebe anzusiedeln. Offen bleibt für die Gutachter dennoch, ob die strengen Anforderungen des Landesentwicklungsplans für die Abstände eingehalten werden können.

Landschaftsplanung: Grünzüge freihalten

Das Gelände im Untersuchungsgebiet fällt von Westen nach Osten um etwa 50 Meter ab. Neben den Tälern von Urselbach und Steinbach wird es laut Gutachten des Projektbüros Stadtlandschaft von zwei Talsenken auf der Westseite der Autobahn geprägt, die östlich in den verrohrten Lachgraben übergehen. Die wenigen Baum- und Buschgruppen sind in der nach Worten des Gutachters „ausgeräumten Agrarlandschaft“ weithin sichtbar. Wesentliche Gehölzstrukturen und Grünflächen gibt es entlang der Bäche. Das Urselbachtal dient zudem als Naherholungsraum. Dort verlaufen viele Wege, gibt es Gärten, Wiesen, Weiden und Sportflächen. Die Gutachter raten, aus Gründen der Naherholung, aber auch des Klimas, des Wasserhaushalts und des Immissionsschutzes drei breite Grünzüge von Bebauung frei zu halten. Dort sollen Naherholungsräume und Parkanlagen entstehen. Ein grünes Netz sollte auch die neuen Quartiere durchziehen. Für Wohnungen rät das Gutachten zu einem Abstand von mindestens 200 Metern zur Autobahnmittelachse und den Hochspannungsleitungen.

Verkehr: Anbindung an die U-Bahn möglich

Die Stadt geht bei der Verteilung des Verkehrsaufkommens in den neuen Quartieren von 50 Prozent motorisiertem Individualverkehr, 30 Prozent öffentlichem Verkehr und 20 Prozent Radverkehr oder Fußgängerverkehr aus. Eine Machbarkeitsuntersuchung des Büros Durth Roos Consulting kommt zu dem Schluss, dass alle zu erwartenden Verkehre im Untersuchungsgebiet leistungsfähig an die bestehende Infrastruktur, insbesondere an das bestehende Straßen- und Stadtbahnnetz angebunden werden können. Für den öffentlichen Nahverkehr soll die U-Bahn-Linie 7 verlängert werden. Dazu sind der Untersuchung nach verschiedene Varianten der Streckenführung möglich. Die Linie verfüge bei einem Einsatz von Zügen mit vier Wagen und einem dichteren Takt über ausreichend Kapazität, um die zu erwartenden Verkehre leistungsfähig aufnehmen zu können, heißt es. Für den Radverkehr schlagen die Gutachter Radschnellverbindungen vor. Beim Straßenverkehr setzen sie auf eine gebietsinterne Verbindung der östlichen und westlichen Teilgebiete.

Entwässerung: Senke als Rückhaltefläche

Als Rückhaltefläche für die geplanten neuen Quartiere bietet sich nach einer Untersuchung des Büros „BGS Wasser“ am Lachgraben eine Senke zwischen der A5 und dem Beginn der Verrohrung an. Diese sollte noch vergrößert werden. Die Gutachter schlagen zudem vor, zu prüfen, ob der Lachgraben künftig statt verrohrt oberirdisch weitergeführt werden und neue Überflutungsflächen entstehen könnten. Am Steinbach bietet sich das Areal der ehemaligen Lehmgrube an, um Zuflüsse zurückhalten oder zu dämpfen. Entlang der dauerhaft oder temporär mit Wasser gefüllten Flächen durchziehen auf einer Karte der Gutachter grüne Bänder, also potenzielle Grünflächen, das Areal, die bei trockenem Wetter für Sport und Freizeit genutzt werden können.

Klima: So bauen, dass der Wind noch durchkommt

Bisher schätzen die Gutachter des Büros Geo-Net Umweltconsulting die Wärmebelastung in den nordwestlichen Frankfurter Stadtteilen als gering ein. Kaltluft aus dem Taunus gelangt in der ersten Nachthälfte über das Ursel- und das Steinbachtal sowie eine Senke in die Frankfurter Siedlungsbereiche am Untersuchungsgebiet. In der zweiten Nachthälfte dominiert dem Gutachten nach der Wetterauwind und bringt noch mehr Kaltluft nach Praunheim und Niederursel. Eine Bebauung des Untersuchungsgebiets dürfte nach Einschätzung der Gutachter auf die Kaltluft für Steinbach, Eschborn und Oberursel wegen der vorherrschenden Strömungsrichtung keinen oder geringen Einfluss haben. Der Kaltlufttransport nach Niederursel, Praunheim und die Nordweststadt könnte sich dagegen erheblich vermindern, mit der Folge, dass die bisher mäßige Überwärmung der Stadtteile deutlich zunehmen würde. Um das zu verhindern, schlagen die Gutachter vor, mindestens 60 Prozent der Gesamtfläche des Areals als „strömungsdynamische Freiflächen“ zu belassen. Nötig sei es etwa, im Ursel- und im Steinbachtal ein Areal von mindestens 300 Meter Breite frei von jeglicher Bebauung zu halten und auch in der Senke westlich der Autobahn auf mindestens 150 Meter nicht zu bauen. Der Bau einer bis zu zehn Meter hohen Lärmschutzwand an der A5 hätte wegen der Höhe der Winde keinen relevanten Einfluss, heißt es.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare