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Selbstgemacht: Cora Sitte mit nachhaltiger Kosmetik.
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Selbstgemacht: Cora Sitte mit nachhaltiger Kosmetik.

Nachhaltigkeit

Frankfurt: Shampoo aus Mehl, dem Klima zuliebe

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Cora Sitte ist Nachhaltigkeitspraktikerin. Mit dem Projekt der Stiftung Polytechnische Gesellschaft geht sie Schritt für Schritt zum umweltbewussten Leben.

Nur noch schnell die Welt retten - so einfach wie im Schlager geht’s nicht. Aber wie geht’s denn dann, wenn man etwas dafür tun will, möglichst viel von dem Planeten, wie wir ihn kennen, für die Nachwelt zu erhalten? Es gibt verschiedene Wege. Einen zeigt die Frankfurter Stiftung Polytechnische Gesellschaft: mit ihrem Programm „Nachhaltigkeitspraktiker“.

Oder eben Nachhaltigkeitspraktikerin, so wie Cora Sitte, die sich seit einiger Zeit die Haare mit Roggenvollkornmehl wäscht. Bitte was? Aber der Reihe nach.

Die Bornheimer Grundschullehrerin beschäftigt sich seit dem Frühjahr intensiv damit, ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern. „Es ist mir wichtig“, sagt sie. Einerseits, um den Kindern, die sie unterrichtet, ein Vorbild zu sein. Andererseits gibt die 35-Jährige auch Yoga-Unterricht. „Ein Grundsatz beim Yoga ist es, im Einklang mit der Umwelt zu leben.“ Das sah bei einem Lehrgang im Dschungel von Costa Rica so aus, dass keine Kosmetikprodukte, kein Shampoo, kein Duschgel die Reise mitmachen durften. Cora Sitte kam ins Grübeln.

Kontakt zur Polytechnischen Gesellschaft hatte sie schon zuvor gehabt, etwa bei Bildungsprojekten wie dem Deutschsommer oder dem Diesterweg-Stipendium. Eines Tages hörte sie vom Nachhaltigkeitspraktikum. Da wollte sie dabei sein.

„Man trifft sich unter anderem in sogenannten Salons“, berichtet sie. Da kamen zwölf Gleichgesinnte zusammen und erfuhren Hilfreiches von Profis. Die Senckenberg-Biologin und Buchautorin Indra Starke-Ottich („Mein Weg aus der Plastikfalle“) war eine von ihnen, Energiefachmann Immanuel Stieß vom Institut für sozial-ökologische Forschung ein weiterer. „Wir haben uns immer persönliche Ziele gesetzt“, sagt Cora Sitte. Sie schaffte es beispielsweise, ihren E-Mail-Speicher in vielen Stunden Kleinarbeit aufzuräumen, bis nur noch 200 Mails übrig waren, denn - hätten Sie’s gewusst? - auch gespeicherte E-Mails verbrauchen permanent Strom.

Schwerpunkt für Cora Sitte war aber ein anderer: „Ich wollte nach und nach meine Kosmetik und die Putzsachen verringern.“ Ein frühes Projekt war ein Geschenk: ein Gänseblümchenöl zum Muttertag für die Frau Mama, selbstgemacht aus eigenhändig gesammelten Gänseblümchen („viel zu viele!“), getrocknet und dann drei Wochen lang in Rapsöl eingelegt. Als nächstes kam eine Zahnpasta aus Kokosöl, Minzöl und dem Alleskönner Natron.

„Aber die größte Veränderung betraf meine Haare“, sagt die zierliche Frau mit der blonden Langhaarfrisur. In Costa Ricas Urwald hatte sie notgedrungen Trockenshampoo benutzt. „Danach waren meine Haare kaputt.“ Im Salon der Nachhaltigkeitspraktiker bekam sie den Tipp: Roggenvollkornmehl. Der erste Versuch war nicht ermutigend, doch die Gruppe bestärkte sie, einige Wochen weiterzumachen. „Und jetzt nehme ich nur noch das Mehl.“ Ihrem Frisör hat sie noch nichts verraten. „Er hat gesagt, meine Haare seien so gesund geworden“, sagt sie und freut sie diebisch. Irgendwann will sie ihn vielleicht einweihen. Oder er liest die FR und weiß jetzt sowieso Bescheid.

Seifenstück statt Duschgel aus der Plastikflasche, wie es viele schon aus Liebe zur Umwelt praktizieren, gehört längst auch zur Veränderung in Cora Sittes Leben, genau wie Haushaltsreiniger aus Essig, Zitrone und Natron. „Kleine Schritte gehen und versuchen, das im Alltag beizubehalten“, nennt sie das Rezept, „damit lässt sich viel erreichen.“ So läuft es auch in ihrer Schule, der Textorschule, die es ernst meine mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen - etwa mit dem nachhaltigen Freitag, selbstverständlich „Friday“ genannt.

Mit den anderen 18- bis 35-Jährigen aus dem Praktiker-Jahrgang hält sie Kontakt. Bei den Treffen reifen die nächsten Pläne: vegane Ernährung, Kompost im Haushalt, nachhaltige Geldanlage, Plastikmüllvermeidung. „Ein Gedanke ergibt den nächsten“, sagt Cora Sitte, „man kann sich gegenseitig so viel mitgeben.“ Vieles davon erinnere sie verblüffend an die Art, wie schon ihre Oma den Haushalt führte: mit Lebensmitteln aus dem Garten und Waschmitteln, die niemandem wehtun außer dem Schmutz.

Mehr Informationen zum Projekt: www.nachhaltigkeitspraktiker.de

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