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Gerichtsgebäude in Frankfurt. (Symbolbild)
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Gerichtsgebäude in Frankfurt. (Symbolbild)

Amtsgericht

Frankfurt: Sexuelle Belästigungen vor Gericht - Angeklagter gibt Rätsel auf

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Im Prozess am Frankfurter Amtsgericht um eine Serie sexueller Belästigungen können die Opfer den mutmaßlichen Täter nicht identifizieren.

Frankfurt - Nach eigenen Angaben heißt der Mann Vasel D., ist 33 Jahre alt und kommt aus der Ukraine. Dem mag so sein, aber irgendwelche Dokumente, die das bestätigen, gibt es nicht. Das Dorf in der Ukraine, in dem er geboren sein will, existiert jedenfalls nicht. Fest steht nur, dass D. sowohl Ukrainisch als auch Russisch spricht. Wahrscheinlich hält er sich illegal in Deutschland auf. Wie er selbst sagt, sei er ein rechter Wunderwuzzi und arbeite als Tischler, Kfz-Mechaniker und Bauarbeiter. Mehr sagt er nicht.

Und derzeit arbeitet er auch nicht, sondern steht als Angeklagter wegen sexueller Belästigung, Körperverletzung und Diebstahl vor dem Amtsgericht. Laut Staatsanwaltschaft soll es sich bei D. um den Mann handeln, der im Februar 2021 für Angst und Schrecken in den Feldern zwischen Kalbach, Oberursel und Bad Homburg gesorgt hat. Mehrere Frauen waren dort innerhalb kürzester Zeit Opfer eines unbekannten Radfahrers geworden, der immer nach dem gleichen Schema vorging. Er näherte sich seinen Opfern, die alleine durch die Felder spazierten, hinterrücks und verpasste ihnen einen wuchtigen Schlag auf den Hintern, um dann davonzuradeln. Wenn die Frauen sich beschwerten, drehte er mitunter um und verpasste ihnen einen weiteren Schlag, verfolgte sie oder stellte sich ihnen in den Weg. Einer Frau, die die Polizei anrufen wollte, entriss er gewaltsam ihr Handy und behielt es.

Frankfurter Amtsgericht: Anklage wegen sexueller Belästigung

Die Furcht ging um in den Feldern und die Polizei fahndete mit Hochdruck nach einem Mann „mit langen Haaren mit grauen Strähnen“. In Vasel D. glaubte sie, den Gesuchten gefunden zu haben. Der hat zwar keine grauen Strähnen, aber immerhin lange Haare. Gegen ihn sprach zudem, dass er das geraubte Handy mit sich führte.

Frau nachts über die Felder gejagt

Die Angst, die die Frauen gehabt haben, lässt sich erahnen, als eine 31 Jahre alter Erzieherin erzählt, wie der Radfahrer sie in der Februarnacht durch die Felder gejagt habe, nachdem er sie auf den Hintern geschlagen und sie sich darüber beschwert hätte. „Er hat mir meine Unbeschwertheit genommen. Das hat für immer etwas verändert, das ist nicht mehr rückgängig zu machen.“ In Vasel D. vermag sie den Täter allerdings nicht wiederzuerkennen – es sei stockdunkel gewesen im Felde und sie habe das Gesicht des Mannes nicht gut erkennen können.

Überraschend hingegen ist die Aussage der Frau, der das Handy geraubt wurde, einer 49 Jahre alten Chemikerin, die sich im Zeugenstand cool wie Flüssigstickstoff präsentiert und nach dem Überfall lediglich für kurze Zeit ihre Joggingroute geändert hatte. Die hat nach eigenen Angaben den Täter gut erkennen können. Als Vasel D. auf Anweisung des Richters seine Schutzmaske kurz abnimmt und die Zeugin ihn taxiert hat, sagt sie, dass D. mit Sicherheit nicht der Mann sei, der sie überfallen hätte.

Angeklagter vor Frankfurter Amtsgericht: Zeuginnenaussagen widersprechen sich

Es gibt noch DNA-Spuren, die an der Kleidung eines weiteren Opfers gefunden worden waren – ob diese aber D. zuzuordnen sind, ist zumindest am ersten Verhandlungsvormittag noch kein Thema. Eine Gruppe von den damaligen Taten alarmierter Schüler:innen hatte damals zudem ein Erdloch in der Nähe aller Tatorte entdeckt, in dem offenbar jemand gehaust hatte, und dies der Polizei gemeldet. Die dort sichergestellte DNA war zumindest nicht mit V.s identisch.

Dieser aber schweigt zu den Vorwürfen sowie allem anderen und bleibt ein Rätsel. Klar scheint immerhin, wie er nach Frankfurt kam. Ein anderes bei ihm gefundenes – zuletzt in Polen registriertes – Handy zeigt im Fotospeicher etliche Aufnahmen einer Kleinfamilie. Diese Bilderserie findet ein jähes Ende. Danach zeigt sie nur noch Selfies von Vasel D., der offenbar über Düsseldorf rheinaufwärts bis zum Main geradelt war. Ein als Zeuge geladener Polizist vermutet, dass der Vorbesitzer das Handy „veräußert oder verloren“ haben könne. Vielleicht sei es ihm aber auch gestohlen worden. (Stefan Behr)

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